Wenige Stunden nach dem Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genezareth ist eine Gruppe von 16 verdächtigen Jugendlichen in Tiberias verhaftet worden. Die Jugendlichen wurden während des Morgengebetes am Grab des Propheten Habakuk festgenommen. Sie dementieren den Vorwurf der israelischen Polizei, die Gebäude der katholischen Kirche in Brand gesetzt und das Graffiti „Falsche Götter werden wir vernichten“ (Zeile aus dem jüdischen Morgengebet Alenu) auf eine Kirchenwand geschmiert zu haben. Ihr Rechtsanwalt warf unterdessen in den israelischen Medien der Polizei vor, nicht gründlich genug zu arbeiten und die Jugendlichen nur verhaftet zu haben, um möglichst schnell Ergebnisse vorweisen zu können. Mittlerweile sind sie wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden.
„Wir werden den Extremisten nicht erlauben, unser friedliches und empfindliches Zusammenleben in Israel mit solchen Taten zu vernichten“, sagte Israels Polizeichef Johanan Danino mit Hinblick auf die noch unbekannten Täter. „Wir werden alles tun, um sie vor Gericht zu bringen.“ Dass es in den letzten Jahren öfters solche Brandanschläge gab, ist Israel sehr unangenehm. Es stimmt, Israel wird dafür kritisiert, nicht alle Fälle gelöst zu haben.
„Es gab schon solche Brandsetzungen in unseren Klöstern, wie in Latrun und in Jerusalem“, sagten Mönche am Tatort. „Der Staat Israel muss unbedingt etwas dagegen unternehmen, ansonsten wird das kein Ende nehmen“. Aus Jerusalem ist der Vorsitzende der deutschen Benediktiner auf dem Jerusalemer Zionsberg, Abt Gregory Collins, gekommen. „Wir leben in Israel frei und ohne Angst“, sagte Collins. „Das ist nicht nur ein Angriff auf die Religion, sondern ebenso gegen die Rede- und Glaubensfreiheit, Demokratie und das Vorrecht hier zu leben. Wir fordern von der Regierung in Israel Schutz, denn dies ist nicht das erste Mal.“
„Solche Aktionen werden von ignoranten und gewalttätigen Feiglingen durchgeführt und sind eindeutig gegen alle Werte des Judentums und der Menschlichkeit“, erklärte Israels Oberrabbiner David Lau. „In den letzten Jahren ist dies zum schwarzen Markzeichen geworden.“
Etliche Politiker kritisierten die Brandsetzung der Kirche am See Genezareth, darunter Vize-Ministerpräsident Silvan Schalom: „Das ist ein krimineller Akt und ist einfach undenkbar und nicht akzeptabel. Israel ist ein demokratischer Staat und wir werden jeglichen Angriff auf unsere Religionsfreiheit im Land nicht dulden und bekämpfen. Ich entschuldige mich persönlich und im Namen des Volkes Israel für diese Tat.“
Im israelischen Rundfunk kamen etliche Israelis zu Wort, die sich über den Brandanschlag empörten und dafür schämten. Jeder erklärte dies mit seinen eigenen Worten.




