Bin ich ein Nazi?

von Michael Selutin

Wenn das meine Großeltern wüssten!

Foto: Mendy Hechtman/FLASH90

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

Vor einigen Tagen habe ich mit alten Freunden aus Deutschland gezoomt und dabei sind heftig die Fetzen geflogen. Einer dieser Freunde ist Moslem türkischer Abstammung, jedoch von der freundlichen Sorte. Er hält den Islam für eine Religion des Friedens und alle negativen Auswüchse dieser Religion haben nichts mit dem Islam oder dem Koran zu tun. So wie er den Islam nicht kritisiert, darf auch niemand anders Kritik an ihm üben, vor allem nicht in den deutlichen Worten, die ich benutze, wenn ich in der Sicherheit des Zoom-Gesprächs über diese Religion spreche. Ich verstehe, dass der Islam in Deutschland nicht kritisiert wird, denn seine Anhänger haben auf tödliche Weise deutlich gemacht, dass sie dies nicht tolerieren werden, und deshalb war mein Freund sehr geschockt, als ich seiner Religion Schuld am letzten Konflikt mit Gaza gab.

Als er mich auf den Konflikt ansprach, hatte er wahrscheinlich eine apologetische Antwort erwartet, wie es viele Juden in der Diaspora getan hätten, aber wir Israelis sind bekannt dafür, dass wir kein Blatt vor den Mund nehmen, vor allem nicht, wenn uns Raketen um die Ohren fliegen, während in Gaza Allahu Akba gerufen wird.

Bei unserer Diskussion zeigte sich, dass mein Freund und ich in zwei absolut unterschiedlichen Welten leben, besonders im Bereich der Informationen, die unsere Meinungen prägen. Wie die regelmäßigen Leser von Israel Heute wissen, ist die Darstellung Israels und des Konflikts hier in den deutschen Mainstream-Medien sehr verzerrt. Das ist jedoch noch ziemlich moderat im Vergleich zu den Informationsquellen meines muslimischen Freundes, der zusätzlich noch muslimische Quellen nutzt und sogar etwas kommunistisch angehaucht zu sein scheint. Seine Wahrnehmung des Konflikts mit den Arabern ist also ganz anders als meine, so anders sogar, dass ich aus seiner Sicht ein Nazi bin, weil ich nicht die positiven Seiten des Islam betone, sondern seine „nicht vorhandenen negativen“ Seiten.

Aus Sicht meines Freundes wurde der Konflikt mit Gaza von Netanjahu entfacht, weil der sich in schwierigen Koalitionsverhandlungen befindet. Er habe die friedlichen Moslems in Jerusalem (die eigentlich bereits seit Wochen auf dem Tempelberg randalierten) provoziert, indem er einige Araber aus jüdischen Häusern in Scheich Jarra vertrieb und die israelische Polizei die Moschee auf dem Tempelberg angreifen ließ. Logisch, oder? 4000 Raketen aus Gaza auf israelische Zivilisten, um Solidarität mit den Randalierern auf dem Tempelberg zu zeigen, sind nur die logische Konsequenz solcher Aktionen.

Eine Iron Dome Rakete fängt eine Rakete der Hamas ab. Israel darf sich verteidigen.

Ehrlich gesagt war ich von dem Gespräch mit meinem Freund sehr geschockt und habe viel darüber nachgedacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er unwissentlich in die Antisemitismus-Falle getappt ist, denn dieser letzte Konflikt mit Gaza war eine ziemlich eindeutige Angelegenheit. Auf der einen Seite haben wir einen demokratischen Rechtsstaat und auf der anderen Seite eine Terrororganisation, deren einziges Ziel darin besteht, die Juden aus Israel zu vertreiben, wie sie es selbst bei jeder Gelegenheit verlauten lassen und wie es auch in der Hamas-Charta steht.

Wer bei diesem Konflikt die Schuld bei Israel sucht und Gründe wie Koalitionsgespräche dafür angibt, kommt nur zu dieser unlogischen Schlussfolgerung, weil für ihn der Schuldige schon vorher feststand. Wenn Juden angegriffen werden, sollen sie gefälligst nicht gewaltsam antworten, sondern eine friedliche Lösung finden. Wenn Moslems aus gestohlenen Häusern ausgewiesen werden, ist Gewalt hingegen die einzige Antwort. Den Juden Israels wird bei dieser Argumentation das Recht auf Selbstverteidigung genommen und damit auch das Existenzrecht.

Protest gegen Israel der BDS Bewegung in Amsterdam

Das ist jedoch nicht alles. Wer Netanjahu unterstellt, einen Krieg angezettelt und damit seine eigene Bevölkerung in Gefahr gebracht zu haben (und hunderte tote Araber dafür in Kauf nimmt) nur, weil die Koalitionsgespräche nicht so laufen wie er es gern hätte, hält ihn für so böse, dass die Bezeichnung Nazi für ihn und Gleichdenkende wirklich keine Übertreibung wäre.

Wir haben hier also zwei klassische antisemitische Thesen: Erstens, dass die Juden kein Recht auf einen eigenen Staat haben und zweitens, dass sie sehr böse sind und über Leichen gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Ich gebe meinem Freund nicht einmal die Schuld an seinem Antisemitismus, denn bei einer unkritischen Konsumierung seiner Informationsquellen wäre ich vielleicht zu einer ähnlichen Schlussfolgerung gekommen.

Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 27 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 40 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 40 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um anderthalb  Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209,305 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 50,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Der Supermond über dem Tavor Berg im Norden des Landes

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

 

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