Bibi, die Friedenstaube für die Palästinenser David Cohen/Flash90
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Bibi, die Friedenstaube für die Palästinenser

Für Ramallah ist Bibi ein bequemerer Staatschef als Saar und Bennett

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Wer hätte jemals gedacht, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in den Augen der Palästinenser als eine Taube gesehen wird und nicht wie bisher als Hardliner (die in der Politik als Falke dargestellt werden).

Fateen Mullah (Creative Commons)

Gemäß palästinensischen Quellen habe der Likud-Abgeordnete und Vizeminister Fateen Mullah (60) mit der Palästinenserregierung in Ramallah verhandelt, damit diese ihren Einfluss auf die arabischen Staatsbürger in Israel ausübt und sie überredet, bei den nächsten Wahlen Benjamin Netanjahu zu wählen und nicht die Arabische Liste. Die Palästinenserregierung in Ramallah befürchtet, dass bei einer Abwahl Netanjahus die Alternativen wie Naftali Bennett oder Gidon Saar noch gefährlicher sind als Netanjahu. Gegenüber Bennett und Saar ist Bibi eine Friedenstaube. Dafür sind sie bereit, Israels wahlberechtigte arabische Bürger zu überreden, den Wahlzettel für Bibi in die Urne zu stecken.

Dass Netanjahu die PLO dazu bewegt, bei den kommenden Wahlen in Israel mitzumischen, ist laut Gidon Saar eine rote Linie, die von der Likud-Partei überschritten worden ist. „Dies zeigt erneut, dass es Benjamin Netanjahu nur um sein persönliches Wohl geht und nicht um das Wohlergehen des Volkes“, betonte Saar in den israelischen Medien. „Dies erklärt auch, weshalb die Regierung vor etwa einer Woche der Bitte der Palästinenserführung in Ramallah entgegenkam und der Hamasführung im Gazastreifen Impfstoffdosen überbrachte“, unterstrich Zwi Hauser gegenüber Ynet, der Parteikollege von Gidon Saar. Die Yamina Partei von Nafatali Bennett ist erstaunt, wie weit die Likud und ihr Parteichef gehen. „Es ist einfach unglaublich, dass die Likud mit der Palästinenserführung einen Deal abgeschlossen hat. Impfstoffdosen für arabische Stimmen für Bibi“, kritisierte Matan Kahana von Yamina. Für Ayelet Shaked (Yamina) ist dies ein politischer Konkurs der regierenden Likud und Benjamin Netanjahus.  

Auch beim PLO-Komitee in Ramallah schlug die Angelegenheit in Verbindung mit dem drusischen Likud-Abgeordneten Mullah hohe Wellen. Nun versuchen sich beide Seiten, Ramallah und Jerusalem, aus dem politischen Fiasko herauszureden. Doch dieser Fall zeigt einmal mehr, dass alles möglich ist. Wer einmal ein politischer Jagdvogel wie ein Falke war, kann eines Tages zur Taube mit einem Ölzweig im Schnabel werden. Dafür braucht sich noch nicht einmal der Vogel ändern, sondern lediglich die Umgebung.

Bibi, für Ramallah ein bequemerer Staatschef als Saar und Bennett

Bibis Umgebung sieht aus palästinensischer Sicht gefährlicher aus, und deswegen wollen beide kooperieren. Eine geniale Lösung für Bibi, der mehr Stimmen aus der arabischen Bevölkerung Israels erringen kann, und im Gegenzug ist Bibi für Ramallah ein bequemerer Staatschef als Saar und Bennett. Die Mitte-Links-Partei Jesch Atid unter Yair Lapid, die allen Umfragen zufolge die zweitgrößte Partei ist, ignorieren die Palästinenser, denn auch sie wissen, dass in Israel in dieser Epoche nur eine rechte Regierungskoalition erstehen kann. Und unter den Rechten gilt Bibi für die Palästinenser als der Passende. Wer hätte das jemals gedacht!

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