Bennett zu Bibi: Jetzt bist du die saure Gurke!

Der aktuelle und der ehemalige Premierminister Israels liefern sich vor der gesamten Knesset ein feindseliges Wortgefecht

von Ryan Jones | | Themen: Benjamin Netanjahu, Naftali Bennett
Premierminister Naftali Bennett nimmt seinen Vorgänger Benjamin Netanjahu ins Visier. Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Benjamin Netanjahu hatte 2017 für ein Medienspektakel gesorgt, als er seine politischen Rivalen während einer lautstarken Knessetdebatte als „saure Gurken“ bezeichnete.

„Wenn Chamutzim reden, hört man Sätze wie: ‚Ist die Situation hier nicht schrecklich und furchtbar? Fällt nicht alles auseinander? Übrigens, hast du Tickets nach London oder Berlin bestellt?'“, diese Worte ließ Netanjahu damals als Antwort auf das ständige Gezänk über seine lange Regierungszeit vom Stapel. „Sie sind sauer, und schon fliegen sie los!“

Chamutzim ist das hebräische Wort für „saure Gurken“. In diesem Zusammenhang ist das deutsche Äquivalent dazu das Wort „Miesepeter“.

Die Medien hatten damals ihren großen Tag, ebenso wie Netanjahu und seine PR-Abteilung. Bibi schickte einen Tweet, in dem er mit einer großen Dose israelischer Essiggurken posierte, dazu der Text: „Wir haben eine wunderbare Nation, die es liebt, Essiggurken zu essen, aber sie ist nicht sauer.“

Bald nannte jeder jeden, der nicht mit ihm übereinstimmte, eine „Essiggurke“.

Am Montag drehte der neue Premierminister Naftali Bennett in Bezug auf diese Worte den Spieß um. An Netanjahu gerichtet erklärte er vor der Knesset: „Ihr seid jetzt die neuen sauren Gurken. Was ihr vernachlässigt habt, bringen wir in Ordnung, und ihr seid die neuen sauren Gurken. Ihr murrt nur, beschwert euch und jammert.“

Ein heftiger Austausch zwischen Bennett und Netanjahu ließ daraufhin auch nicht lange auf sich warten.

„Eine Frage an Bennett und die betrügerische Regierung von [Außenminister Yair] Lapid – wie habt ihr es in so kurzer Zeit geschafft, unseren Erfolg im Kampf gegen das Coronavirus zu ruinieren?“, rief Netanjahu. Israels COVID-19-Infektionsraten sind wieder auf dem Vormarsch, nur Monate nachdem das Land den „Sieg“ über das Virus verkündet hatte.

Bennett schoss zurück, er habe es nicht nötig, jeden Schritt, den er als Premierminister getan habe, öffentlich anzukündigen und auszuloben, bevor er erklärte, dass „wir die Lücken [in der Impfstoffversorgung], die Sie hinterlassen haben, geschlossen haben, aber wir müssen nicht für jedes Telefonat mit [Pfizer-CEO] Bourla eine Pressekonferenz einberufen.“

Netanjahu warf daraufhin Bennett, einem rechten religiösen Politiker, erneut vor, eine Regierung mit linksradikalen und antizionistischen arabischen Parteien zu bilden. Bennett erinnerte die Knesset daran, dass es Netanjahu selbst war, der zuerst die islamistische Partei Ra’am umworben hatte, damit sie seiner Möchtegern-Koalition beitritt oder zumindest mit ihr kooperiert. „Sie schlichen sich wie Diebe durch die Nacht, um [Ra’am-Parteichef] Mansour [Abbas] zu treffen. Um es umgangssprachlich auszudrücken: Sie haben es nicht wie ein Mann getan“, kritisierte Bennett.

Freunde werden die beiden Politiker wohl nicht mehr.

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