ANALYSE: Was Israel macht, um die iranische Achse zu besiegen

Netanjahu und die israelischen Militärchefs haben das Schweigen beendet und Iran effektiv den Krieg erklärt.

ANALYSE: Was Israel macht, um die iranische Achse zu besiegen

Während der Ernennung des neuen IDF-Stabschefs Aviv Kochavi am Dienstag erklärte der israelische Premierminister Benyamin Netanjahu dem Iran, dass er so schnell wie möglich Syrien verlassen sollte.

„Ich sage Euch, geht schnell wieder raus. Wir werden nicht aufhören, anzugreifen”, sagte Netanjahu vor Teilnehmern der Zeremonie.

Zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung bestätigte Netanjahu am Sonntag die letzten israelischen Maßnahmen gegen den Iran in Syrien.

“In den letzten 36 Stunden hat die Luftwaffe iranische Lagerhäuser mit iranischen Waffen am internationalen Flughafen von Damaskus angegriffen”, Die Vermehrung der jüngsten Angriffe beweist, dass wir mehr denn je entschlossen sind, in Syrien gegen den Iran vorzugehen, genau wie wir es versprochen haben“, sagte Netanjahu seinem Kabinett.

Weiter sagte er, dass die israelische Armee und Luftwaffe mit beeindruckendem Erfolg daran gearbeitet hätten, die militärische Verankerung des Iran in Syrien zu blockieren und die “iranischen und die Hisbollah-Ziele hunderte Male getroffen hätten.

In Interviews mit israelischen Medien und der New York Times (NYT) enthüllte der in dieser Woche aus dem Dienst geschiedene Generalstabschef Gadi Eisenkot mehr darüber, wie es dem israelischen Militär gelungen war, die iranische militärische Aufrüstung in Syrien und im Libanon zu zügeln.

Eisenkot sagte, das israelische Militär habe “Tausende von Angriffen” gegen die iranische Achse in Syrien durchgeführt und allein im Jahr 2018 mehr als 2.000 Raketen und Bomben eingesetzt, um den Iran daran zu hindern, seine Truppen in dem vom Krieg zerrissenen Land weiter aufzubauen.

Er bestätigte auch, dass Israel versuchen könnte, Qassem Soleimani, den schlauen Kommandanten der Quds-Streitkräfte des iranischen Revolutionsgarden-Korps (IRGC), zu töten.

Soleimani ist die treibende Kraft hinter dem Versuch, Israel zu umzingeln, und hat sowohl in Syrien als auch im Irak Dachverbände schiitischer Milizen gegründet, die als Stellvertreterarmee des Iran in der Region fungieren.

Eisenkot behauptete, das israelische Militär habe den Aufbau des iranischen Militärs in Syrien effektiv gestoppt und bestätigte, dass der Iran seine Verankerung im Irak verstärkt habe, wo die von der IRGC gegründete Hashd Al-Shaabi-Organisation überwiegend schiitischer Milizen den Norden des Landes nach der Niederlage des ISIS Kalifat kontrolliert.

Der Wendepunkt im verdeckten Krieg zwischen Israel und dem Iran kam, als Soleimani in der Nacht vom 10. Mai 2018 den Start von 30 Raketen im Norden Israels befahl.

Keine dieser Raketen hat ihr Ziel erreicht, aber sie hatten der israelischen Lufzwaffe ermöglicht, der iranischen Achse in Syrien einen verheerenden Schlag zu versetzen.

Insgesamt 28 F-15- und F-16-Kampfflugzeuge hätten Raketen und Bomben auf 80 separate iranische Militär- und Assad-Ziele in Syrien abgeworfen, so Eisenkot.

Der ehemalige Stabschef behauptete, dass Soleimani als Folge der sorgfältig vorbereiteten Operation, die von der israelischen Armee als „Operation Schach“ bezeichnet wurde, beschloss, seine Streitkräfte aus den Golanhöhen zurückzuziehen und seinen Fokus von Syrien nach Libanon und Gaza zu verlegen.

Die Zerstörung des Angriffstunnelprojekts der Hisbollah (Operation Nördliches Schild) und die Enthüllung, dass der Iran die Hisbollah aktiv bei der Umwandlung von Raketen in GPS-Lenkflugkörper unterstützt, war ein weiterer verheerender Schlag für das Israel-Projekt von Soleimani.

Die Bloßstellung der unterirdischen Raketenanlagen der Hisbollah, die mit iranischer Hilfe in der Region Beirut gebaut wurden, zwang die Iraner und die Hisbollah, das Projekt aufzugeben, so die israelische Regierung.

Bei der Operation Nördliches Schild wurden bisher sechs Angriffstunnel zerstört, die bereits die israelische Grenze überschritten hatten. Die Operation nahm der Hisbollah nicht nur eine wichtige Waffe, sondern setzte auch dem iranischen Plan, Israel in einem künftigen Mehrfrontkrieg zu überraschen, einen tödlichen Schlag zu.

Die Operation der israelischen Armee trug auch alle Zeichen der psyhologischen Kriegsführung und stellte dadurch auch Israels Abschreckung gegenüber der Hisbollah wieder her.

Es war kein Zufall, dass Eisenkot vier Jahre gewartet hatte, bis er die Zerstörung der Tunnel anordnete, kurz vor der Beendung ihres Baus durch die Hisbollah.

Das Video eines verängstigten Hisbollah-Angehörigen, der einen israelischen Roboter inspizierte, der mit einem kleinen Sprengkörper und einer Kamera ausgestattet war, war ein weiteres Beispiel für die psychologische Kriegsführung der israelischen Armee gegen die iranische Achse.

Die Bilder der Hisbollah-Männer, die nachdem der Sprengkörper ihnen fast im Gesicht explodiert war, flohen, waren für den iranischen Vertreter sehr erniedrigend.

Dann gibt es Gaza, wo die Iraner Anfang November 2018 über ihren IRGC-Zweig, dem Islamischen Jihad, und ihren neuen Verbündeten Hamas handelten.

Berichten zufolge befahl Soleimani am 9. und 10. November die Eskalation und bat die palästinensischen Terrororganisationen, im Süden Israels eine neue Front zu eröffnen.

Eisenkot verriet jetzt, warum er sich gegen eine neue Bodenoperation in Gaza ausgesprochen hatte.

Der ehemalige Generalstabschef sagte der NYT, er glaube, Israel solle sich auf den Krieg gegen den Iran konzentrieren und nannte die Hamas “einen schwachen Feind”.

„Wenn Sie jahrelang gegen einen schwachen Feind kämpfen, schwächt Sie das auch”, sagte Eisenkot und fügte hinzu, die israelische Armee habe “kontinuierliche und kinetische Anstrengungen” unternommen, um die militärischen Fähigkeiten der Hamas und des Islamischen Jihad in Gaza abzubauen.

Von seinem Nachfolger, Aviv Kochavi, wird erwartet, dass er die ausgeklügelte und intelligente Kriegsführung von Eisenkot fortsetzt.

„Die israelische Armee bekommt einen exzellenten Stabschef”, sagte Präsident Reuven Rivlin während der Ernennung von Kochavi, als Ministerpräsident Netanjahu den neuen Generalstabschef für sein Anders-Denken lobte.

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