Analyse: Putins Herz für Israel und die Juden

Woran es liegt, dass Russlands Präsident Vladimir Putin Israel augenscheinlich nicht viel abschlagen kann.

Putin und Netanjahu
Amos Ben Gershom/GPO

Russlands Präsident Vladimir Putin wird Israel zum ersten Mal seit acht Jahren einen Besuch abstatten, und zwar im Rahmen der Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, einem Todeslager, in dem 1,41 Millionen Juden während des 2. Weltkrieges vergast worden sind.

Während der Gedenkveranstaltung in Jerusalem wird Putin ein Monument einweihen, das den gefallenen Soldaten der Roten Armee gewidmet ist, die während der Militäroperation zur Befreiung von Auschwitz ums Leben kamen.

 

Israelin in russischer Haft

Doch das ist nicht der Grund, warum die Medien gerade wegen Putins Besuch regelrecht durchdrehen. Kein Tag vergeht, an dem nicht darüber berichtet wird, dass Putin doch hoffentlich eine 26-jährige junge Frau begnadigen wird, eine Israelin namens Naama Issachar, die im April 2019 auf dem Moskauer Flughafen verhaftet worden war, nachdem russische Behörden in ihrem Gepäck 9,5 Gramm Marihuana fanden.

Issachar wurde zu 7,5 Jahren Gefängnis verurteilt, obwohl sie auf Nicht-Schuldig im Sinne der Anklage plädierte und erklärte, sie habe keine Ahnung, wie das Zeug in ihr Gepäck gelangt sei. Zu diesem Zeitpunkt rief Naamas Mutter Yaffa eine nationale Kampagne für ihre Tochter ins Leben. An einem Punkt drohte sie sogar damit, Putin von der Teilnahme an der Jerusalemer Gedenkfeier am Donnerstag mit ihrem eigenen Leib abzuhalten.

Demonstration
Israelis demonstrieren in Tel Aviv für die Freilassung von Naama Issachar

Yaffa Issachar hatte sich aber auch an Premierminister Netanjahu gewandt und ihn gebeten, seine guten Beziehungen zu Putin spielen zu lassen, damit ihre Tochter freigelassen wird. Und das hat der Premierminister auch getan. Während seines letzten Besuches im Moskauer Kreml hat Netanjahu das Gespräch auf Naama und eine mögliche Freilassung gebracht. Dieses Thema hat er auch in verschiedenen Telefongesprächen mit Putin angeschnitten.

Anfangs waren die Erwartungen auf einen Erfolg Netanjahus nicht sehr hoch. Dann aber berichtete das russische Blatt Kommersant, man habe aus Regierungskreisen gehört, Putin überlege sich tatsächlich, die israelische Frau freilassen zu wollen. Vor diesem Bericht hatte schon Netanjahu angedeutet, es gäbe Anlass für Optimismus.

Am Sonntag kehrte Yaffa Issachar aus Moskau zurück. Dort hatte sie umsonst versucht, eine Besuchserlaubnis für ihre inhaftierte Tochter zu bekommen. Doch auch sie äußerte sich zunächst optimistisch. Von der israelischen Regierung wurde sie später gebeten, bis zur Ankunft Putins in Israel nicht mehr an die Öffentlichkeit zu gehen.

Am gestrigen Montag kreisten Spekulationen über eine mögliche Presseerklärung zur Freilassung Naama Issachars in den Medien, als bekannt wurde, dass der Kreml bestätigt hatte, Putin werde eine Begnadigung der Frau während seines Besuches in Israel zur Sprache bringen.

Falls dies stimmt, wäre es nicht das erste Mal, dass ein russisches Oberhaupt Israel einen Gefallen tut.

 

Syrien

Putin gestattet der israelischen Luftwaffe Angriffe gegen die iranische Achse in Syrien, obwohl er dort hochpräzise Raketenabwehrsysteme installiert hat, wie das S-300 oder S-400. Zudem hat er wahrscheinlich seinen Einfluss über Syriens Diktator Bashar al-Assad ausgenutzt, um die syrische Armee davon abzuhalten, das S-300 System gegen israelische Kriegsflugzeuge einzusetzen. Dieses System wurde der syrischen Armee im Jahr 2018 von Russland zur Verfügung gestellt.

Im September 2018 sprach Putin Israel von jeglicher Verantwortung eines Abschusses einer IL-20 frei, einem Aufklärungsflugzeug, das abstürzte, als israelische Kriegsflugzeuge über den Nordwesten Syriens flogen, um eine iranische T4-Luftbasis zu bombardieren. Netanjahu hatte Putin damals Geheimdienstmaterial gezeigt, das bewies, dass die israelischen Flugzeuge bereits auf dem Weg nach Israel waren, als die IL-20 von syrischen Luftabwehrraketen abgeschossen wurde.

So mancher stellt sich nach solchen Berichten die Frage, warum der als kaltherzig geltende Putin eine Schwäche für Israel zu haben scheint?

 

Ein Herz für russische Juden

Einige Beobachter meinen, dass der russische Präsident die mehr als eine Million Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in Israel als Russen betrachte und dies sein Verhalten gegenüber Israel erkläre. Andere weisen auf Putins ehemalige Lehrerin Mina Yuditskaya, die ihren Lebensabend in Israel verbracht hat, und zwar Berichten zufolge in einer Tel Aviver Wohnung, die ihr Putin gekauft habe.

Der russische Präsident unterhält sehr gute Beziehungen mit der russisch-jüdischen Gemeinde und ist sogar mit dem russischen Oberrabbiner Berel Lazar, dem Vorsitzenden der Chabad-Bewegung in Russland, sehr gut befreundet. Lazar hat nun Licht ins Dunkel dieser Frage gebracht, warum Putin ein Herz für Israel und die Juden zu haben scheint.

Der russische Oberrabiner sagte einer Gruppe israelischer Juden, die Rabbi Dov Kook nahe stehen, einem Kabbalisten aus Tiberias, dass der Grund für Putins weiches Herz seinen Ursprung in dessen Jugend habe, als er mit seinen Eltern noch in einem bescheidenen Wohnblock in St. Petersburg lebte. Die Gruppe Juden entschied sich, diese Information, die sie von Lazar erhalten hatte, in ihrem Schabbat Blatt zu verbreiten. Das Schabbat Blatt „Dwash Shabbat“ berichtete letzten Freitag, Putins Eltern seien so arm gewesen, dass sie oft nicht genug Geld für Lebensmittel oder Kleidung für ihren Sohn hatten. Ein jüdisches Paar, das nebenan wohnte, habe sich oft um den jungen Vladimir gekümmert.

Etwas Ähnliches wurde bereits einmal bei der Jewish Telegraph Agency berichtet, doch Dwash Shabbat hat mehr Details. Das jüdische Ehepaar war das einzige, das sich des jungen Putins annahm, obwohl noch andere russische Familien im selben Gebäude wohnten, die sich der problematischen Situation der Familie Putin sehr wohl bewusst waren. Jedes Mal nun, wenn die jüdischen Nachbarn mitbekamen, dass der junge Putin allein zu Hause war und nichts zu essen hatte, machten sie ihm etwas Gutes zu essen und luden ihn auch an ihren Schabbattisch sowie zu jüdischen Feiertagen ein.

Putin kam somit schon als junger Mensch mit jüdischen Bräuchen und Gebeten in Berührung, denn das Paar war religiös. Dies erklärt, warum der russische Präsident jüdische Gemeinden und Synagogen in Russland gern besucht. Das jüdische Paar kaufte dem Jungen Kleidung und stellte sicher, dass es ihm am Nötigsten nicht fehlte. Da versteht man, warum Putin ein Herz für Israel hat.

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