Guten Morgen liebe Leser!
Trotz einer gewissen Kühle in der Luft kam ich heute früh auf meinem Weg zum Bus sehr schnell ins Schwitzen. Das lag an der relativ hohen Luftfeuchtigkeit, die bei uns in Modiin heute bei 55% liegen soll. In Tel Aviv ist es viel schlimmer, 65% Luftfeuchtigkeit machen einen Aufenthalt dort, für mich jedenfalls, fast unerträglich, Da bin ich doch froh, dass sich unsere Redaktion in Jerusalem befindet. Da schwitzt man weniger. Ab heute soll es auch jeden Tag etwas kühler werden. Wo bleibst Du, geliebter Herbst?
Und hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Im Landesinneren und in den Bergen weiterhin überdurchschnittlich warm und trocken , an der Küste schwül. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 32 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 31 Grad, Tiberias am See Genezareth 38 Grad, am Toten Meer 39 Grad, Eilat am Roten Meer 40 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt nun bei -213.90 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 5.10 m bis zur oberen roten Linie (-208.80m). Der Wasserpegel ist um 90 Zentimeter niedriger als die untere rote Linie (-213.00 m)
Ich liebe es, jeden Morgen nach meiner Ankunft in Jerusalem, zu Fuß durch die Stadt bis ins Büro zu gehen. Ich liebe, dem Treiben der Stadt zuzusehen. Jeden Morgen stehen die jungen Soldaten an den Bushaltestellen, der Zeitungsmann teilt eine Gratiszeitung aus, Menschen warten auf die Straßenbahn, kaum zu glauben, dass die Stadt um kurz nach sieben Uhr morgens schon so lebhaft ist. Dann schaue ich mir oft die Fassaden der alten Gebäude an, die sich gleich neben dem zentralen Busbahnhof befinden. Sie stammen noch aus der Zeit der Türken. Es lohnt sich wirklich, beim Laufen immer mal den Kopf zu erheben und nach oben zu schauen. Heute war ich von dem Anblick einer Häuserfassade so begeistert, dass ich mein Handy aus der Tasche nahm und ein Foto machte.
Irgendwie hat mich dieses Bild beeindruckt. Hinter jedem der Balkons verbirgt sich eine Geschichte. Wer mag wohl in diesen Wohnungen leben? Was ist die Geschichte dieses Gebäudes? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich heute früh dort vorbeiging. Ich sehe das Gebäude jeden Tag, nur habe ich es bis jetzt nicht so gesehen wie heute. Das gilt übrigens nicht nur für Jerusalem. Auch wenn ich in meiner Heimatstadt Oldenburg durch die Stadt gehe, gucke ich immer wieder mal nach oben. Versuchen Sie es mal in Ihrer Stadt. Sie werden plötzlich Dinge sehen, die Ihnen bis heute nie aufgefallen waren.
Als ich dann schon fast unser Redaktionsgebäude erreicht hatte, ging mir ein weiterer Gedanke durch den Kopf. In dieser Woche „feiere“ ich meinen 29. Jahrestag hier in Israel. Ich bin immer wieder erstaunt, wie mich das Schicksal, oder wie soll ich es nennen, hierher nach Jerusalem geführt hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich das Privileg habe, in Jerusalem zu sein, hier mein Leben zu führen. Auch wenn es nicht immer leicht ist, bin ich dankbar, dass ich hier sein darf in dieser wunderbaren Stadt. Hätte man mir damals als 17-jähriger gesagt, dass ich in Israel leben werde, fließend Hebräisch spreche, das fast eine Muttersprache geworden ist, hätte ich wohl nur gelächelt. Aber es ist passiert, und dafür bin ich unendlich dankbar.
Und nun noch etwas Erfreuliches vom Sport. Gestern sah ich zusammen mit meinem Sohn im Fernsehen das Basketballspiel zwischen Israel und Deutschland. Als Israel trotz einer Führung zu Beginn des Spiels mit 16 Punkten zurück lag, hatten wir uns schon mit einer weiteren Niederlage abgefunden. Doch dann geschah das Wunder. Eine enorme Aufholjagd, angespornt von 8000 Fans in der Arena in Tel Aviv brachte Israel den Sieg! 82:80 stand es am Ende für Israel , was ihnen nun alle Chancen für ein weiterkommen in die nächste Runde gibt.
Am Ende des Spiels stand ich staunend vor dem Fernseher. Es ist sehr selten, dass ich mich über eine Niederlage einer deutschen Mannschsaft freue, aber ich denke, Sie haben Verständnis dafür.
Und nun wünsche ich Ihnen einen wunderbaren und friedlichen Montag. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov






