(JNS) Obwohl der Eindruck entstanden ist, dass die diesjährige palästinensische Olivenernte in Judäa und Samaria von weitverbreiteter Gewalt überschattet wird, erklärte ein hochrangiger Vertreter der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), der für den Einsatz verantwortlich ist, dass die Ernte in etwa 98 Prozent der Gebiete friedlich verlaufen sei.
Nach Angaben des Militärvertreters gelten lediglich zwei Prozent der Gebiete, in denen Palästinenser Oliven ernten, als potenzielle Konfliktzonen. In einem noch geringeren Anteil dieser Gebiete sei es während der laufenden sechswöchigen herbstlichen Erntesaison tatsächlich zu Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Bewohnern gekommen.
Die Pressestelle der IDF organisierte am Dienstag eine Besichtigung und eine Informationsveranstaltung für ausländische Journalisten, um ihnen einen unmittelbaren Einblick in die Lage vor Ort zu ermöglichen und die Bemühungen des Militärs hervorzuheben, Zusammenstöße zu verhindern und einen sicheren Ablauf der Ernte zu gewährleisten.
Ziel sei es, so der Militärvertreter, „die Ernte zu schützen“, insbesondere in den zwei Prozent der Gebiete, in denen Spannungen wahrscheinlicher seien. Dabei gehe es darum, Störungen durch jedermann zu verhindern – ob durch Juden, Araber oder Anarchisten aus dem Ausland, die sich als humanitäre Helfer ausgeben.
Schutz der Ernte
Die erste Station der Besichtigung, die als potenzielle Konfliktzone gilt, waren mehrere Olivenhaine innerhalb der Stadtgrenzen von Beitar Illit in Gusch Etzion. In der Stadt leben mehr als 70.000 Israelis, überwiegend Angehörige der ultraorthodoxen Gemeinschaft.
Der IDF-Vertreter erläuterte die Herausforderungen, die damit verbunden sind, palästinensischen Bauern den Zugang zum Stadtgebiet zu ermöglichen, damit sie ihre Oliven ernten können – insbesondere angesichts der Sicherheitslage seit dem 7. Oktober.
Die Bewohner hätten berechtigte Sicherheitsbedenken gegenüber Personen, die das Gebiet mit schweren landwirtschaftlichen Werkzeugen betreten, die möglicherweise als Waffen eingesetzt werden könnten, erklärte der Militärvertreter. Die Herausforderung bestehe darin, diesen Bedenken Rechnung zu tragen und gleichzeitig den palästinensischen Bauern eine friedliche Olivenernte zu ermöglichen.
Er betonte, dass der Einsatz eine enge Abstimmung zwischen der IDF, der israelischen Polizei, der Grenzpolizei und dem örtlichen Sicherheitsverantwortlichen der Stadt erfordere. Gemeinsames Ziel sei es, die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten und jede Art von „Zusammenstoß zwischen den Bevölkerungsgruppen“ zu verhindern.
Obwohl die Olivenernte offiziell am 8. Oktober begann, habe die IDF bereits im August mit den Vorbereitungen für den Einsatz begonnen, erklärte er. Seinen Angaben zufolge wurden dem Zentralkommando erhebliche Verstärkungen zugeteilt, darunter der Stab der 98. Division, ein Einsatzstab der Fallschirmjägerbrigade, ein reguläres Bataillon und Einheiten der Grenzpolizei.
Zu den Vorbereitungen gehörte außerdem eine umfassende Überprüfung der Eigentumsverhältnisse in den Gebieten, in denen palästinensische Bauern ihre Oliven ernten sollten. Darüber hinaus wurde kontrolliert, ob die vorgesehenen Olivenhaine überhaupt genügend Früchte trugen, um eine Ernte zu rechtfertigen.
Dank der Bemühungen der IDF sei die Ernte in den von den Journalisten besuchten Olivenhainen reibungslos verlaufen, erklärte der Militärvertreter.
„Fünf Sekunden Filmmaterial“
Der Militärvertreter kritisierte außerdem Personen, die er als Anarchisten und lokale Aktivisten bezeichnete. Diese würden die Olivenernte zum Anlass nehmen, potenzielle Konfliktherde aufzusuchen und gezielt medienwirksame Vorfälle zu inszenieren. Dabei würden einzelne Zwischenfälle als Beweis für weitverbreitete Gewalt dargestellt, selbst wenn die Situation in der Umgebung friedlich sei.
„Diese Leute nehmen fünf Sekunden Filmmaterial, stellen es in einem bestimmten Zusammenhang dar und verbreiten es, wodurch das Geschehene völlig aus dem Kontext gerissen wird“, sagte er.
Die Folge sei, so argumentierte er, dass kurze, vereinzelte Momente in den sozialen Medien auf eine Weise verbreitet würden, die ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Lage vor Ort vermittle.

Zusammenarbeit außerhalb von Beitar Illit
Die nächste Station der Besichtigung war ein Olivenhain unmittelbar außerhalb des Sicherheitszauns von Beitar Illit. Dort erntete die Familie von Muhammad Sabateen, dem Bürgermeister von Husan, gemeinsam mit weiteren Angehörigen Oliven. Husan ist eine Ortschaft unter der Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde und liegt direkt auf der anderen Straßenseite von Beitar Illit.
Sabateen bestätigte gegenüber JNS, dass die diesjährige Olivenernte weitgehend ohne Konflikte verlaufen sei.
„Ohne die Zusammenarbeit mit der IDF hätte nichts effektiv umgesetzt werden können“, sagte er.
Auf die Invasion der Hamas und das Massaker vom 7. Oktober im Süden Israels angesprochen, verurteilte Sabateen die Angriffe nicht. Stattdessen erklärte er, die Ereignisse hätten „große Umwälzungen in unserem Leben verursacht“.
Er forderte die IDF außerdem auf, die Beschränkungen in der Region zu lockern, und appellierte an Israel, die im Namen der Palästinensischen Autonomiebehörde eingezogenen Steuereinnahmen zu überweisen, um deren wirtschaftliche Schwierigkeiten zu lindern.
Israel hält seit Jahren Teile der Steuereinnahmen der Palästinensischen Autonomiebehörde zurück, weil diese Zahlungen an palästinensische Terroristen und deren Familien leistet.
„Das Leben wird siegen“
Captain Adi Stoler, Leiterin der internationalen Pressestelle der IDF, die an der Besichtigung teilnahm, erklärte gegenüber JNS, die Olivenernte in der Region Beitar Illit sei ein Beispiel dafür, wie der Prozess friedlich ablaufen könne, wenn er nicht gestört werde.
„Wenn man Palästinenser hat, die einfach nur daran interessiert sind, ihre Olivenbäume abzuernten, und Israelis, die nichts anderes wollen, als einen ganz normalen Tag zu verbringen und ihre Kinder zur Schule zu bringen, dann wird nichts passieren“, sagte sie.
Mit Blick auf ausländische Aktivisten, die zu den Erntegebieten kommen, erklärte Stoler, einige von ihnen versuchten gezielt, Konfrontationen zu provozieren, um Aufnahmen für die sozialen Medien zu produzieren und eine bestimmte Darstellung der Ereignisse zu verbreiten.
„Sie werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine solche Situation zu provozieren – für das Bild, für die Darstellung, um eine Geschichte erzählen zu können, wenn sie wieder dorthin zurückkehren, woher sie gekommen sind“, sagte sie.
Stoler betonte, wie viel Aufwand und Ressourcen die IDF jedes Jahr investiere, um einen friedlichen Verlauf der Olivenernte sicherzustellen. Da sie selbst eineinhalb Jahre in der Region gedient habe, kenne sie die Empfindlichkeiten und das Gewaltpotenzial. Dennoch sei sie überzeugt, dass das normale Leben Vorrang haben müsse.
„Das Leben wird siegen. Nicht der Konflikt, nicht die Ideologie“, sagte sie.
Auf palästinensische Gewalt gegen jüdische Bewohner von Judäa und Samaria während der Erntesaison angesprochen, erklärte Stoler, einige Personen nutzten die landwirtschaftlichen Aktivitäten aus, um Anschläge zu verüben.
„Ich werde sie Terroristen nennen, denn genau das sind sie“, sagte sie. „Wenn man die Olivenernte als Tarnung für einen Angriff nutzt, schadet man nicht nur den Israelis, sondern auch den Palästinensern.“
Stoler warnte davor, dass der IDF kaum eine andere Wahl bleibe, als einzugreifen, wenn die Ernte als Deckmantel für Anschläge missbraucht werde. Dadurch könnten ausgerechnet jene landwirtschaftlichen Aktivitäten beeinträchtigt werden, die das Militär eigentlich schützen wolle.
„Sicherheit steht über allem“, sagte sie. „Wir werden keine Risiken eingehen.“



