Die israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober haben bereits begonnen – zumindest für einen Teil der im Ausland lebenden Israelis. Am Freitag wurde die vorgezogene Stimmabgabe in den diplomatischen Vertretungen Israels weltweit abgeschlossen. Dabei wurde eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung verzeichnet.
Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission gaben 4.218 der insgesamt 4.863 Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das entspricht einer Beteiligung von 86,7 Prozent. Bei den letzten Knesset-Wahlen im November 2022 hatte die Wahlbeteiligung in den diplomatischen Vertretungen noch bei 69,6 Prozent gelegen. Damit stieg sie um 17,1 Prozentpunkte.
Wie Ynetnews berichtet, fand die Abstimmung an insgesamt 101 Wahlurnen in 99 israelischen Auslandsvertretungen statt. Wahlberechtigt waren neben Diplomaten auch Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen, Regierungsvertreter, Militärattachés sowie deren wahlberechtigte Familienangehörige.
Die ersten Stimmen wurden in der israelischen Botschaft in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, abgegeben. Dort begann die Abstimmung bereits am Mittwochabend um 23 Uhr israelischer Zeit. Kurz darauf öffnete auch die Wahlurne in der israelischen Botschaft auf Fidschi. Von dort setzte sich die Abstimmung entsprechend den verschiedenen Zeitzonen rund um den Globus fort.
Die letzten Wahllokale schlossen am Freitagmorgen in den israelischen Vertretungen in Los Angeles und San Francisco. Insgesamt erstreckte sich die Abstimmung über rund 30 Stunden. Die größte Wahlstation befand sich im israelischen Konsulat in New York, wo mehr als 700 Menschen zur Stimmabgabe berechtigt waren.
A celebration of Israeli democracy! 🇮🇱
Today, Amb. @Ofir_Akunis officially opened the polling station at the Consulate General of Israel in New York ahead of Israel’s October 27, 2026 elections, casting the first ballot alongside his wife, Adi.
Amb. Akunis stated:
“Throughout the day, nearly 1,000 people will exercise their democratic right to vote.Israel is the only democracy in the Middle East.”
📷: Lev Radin
— Israel in New York (@IsraelinNewYork) October 15, 2026
Die Organisation der weltweiten Abstimmung erfolgte gemeinsam durch das israelische Außenministerium und die Zentrale Wahlkommission. Dazu gehörten die Schulung der Wahlhelfer, die Verteilung der Wahlunterlagen und die Koordinierung der Abstimmung in den verschiedenen Ländern.
In einer gemeinsamen Mitteilung des Außenministeriums und der Wahlkommission wurde betont, dass die Abstimmung nach einheitlichen Sicherheits- und Kontrollverfahren durchgeführt werde, um einen ordnungsgemäßen Wahlablauf zu gewährleisten.
Mit Abschluss der Stimmabgabe werden die versiegelten Wahlumschläge nach Israel gebracht. Dort sollen die Stimmen im Rahmen der Auszählung der Wahlen zur 26. Knesset berücksichtigt werden.
Die hohe Beteiligung bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche im Ausland lebenden Israelis an der Wahl teilnehmen konnten. Nach israelischem Wahlrecht dürfen gewöhnliche Staatsbürger, die sich vorübergehend oder dauerhaft im Ausland aufhalten, grundsätzlich nicht außerhalb Israels abstimmen. Eine Ausnahme gilt insbesondere für offiziell entsandte Staatsbedienstete und ihre berechtigten Familienangehörigen.
Wer als israelischer Staatsbürger im Ausland lebt und nicht unter diese Ausnahmeregelung fällt, muss daher nach Israel reisen, um seine Stimme abzugeben.
Die hohe Beteiligung unter den Wahlberechtigten in den Auslandsvertretungen wurde auch in der israelischen Politik positiv aufgenommen. Der Vorsitzende von Israel Beitenu, Avigdor Liberman, lobte die Wähler im Ausland und äußerte die Hoffnung, dass am 27. Oktober auch in Israel selbst eine ähnlich hohe Beteiligung erreicht werde, wie N12 berichtete.
Ob die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung in den diplomatischen Vertretungen ein Hinweis auf eine insgesamt höhere Beteiligung bei den bevorstehenden Knesset-Wahlen ist, bleibt abzuwarten. Die Zahl der dort Wahlberechtigten ist im Verhältnis zur gesamten israelischen Wählerschaft gering. Zudem handelt es sich um eine besondere Wählergruppe, deren Beteiligung nicht ohne Weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden kann.
Am 27. Oktober sind die israelischen Bürger aufgerufen, die 120 Abgeordneten der 26. Knesset zu wählen.




