Kaum eine innenpolitische Frage spaltet Israel so tief wie die Nichtmitwirkung ultraorthodoxer Juden bei der Wehrpflicht. Während an mehreren Fronten tausende Reservisten stehen, wächst in der israelischen Gesellschaft die Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Lasten. Gleichzeitig betrachten viele Ultraorthodoxe das Thorastudium als unverzichtbaren geistlichen Dienst für den Schutz des jüdischen Volkes. Mit dem Gesetz, das die Knesset dazu kürzlich verabschiedete, sowie dem sofortigen Eingreifen des Obersten Gerichtshofs ist dieser jahrzehntelange Konflikt erneut eskaliert. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Wehrpflicht, sondern um die Grundfrage, worauf die Existenz Israels beruht: auf militärischer Stärke, auf geistlichem Erbe oder auf dem Zusammenspiel von beidem.
Nur wenige Stunden, nachdem Israels Parlament ein Gesetz verabschiedet hatte, das die Verhaftung bestimmter wehrpflichtiger Jeschiwa-Studenten vorübergehend aussetzt, stoppte der Oberste Gerichtshof dessen Inkrafttreten mit einer einstweiligen Verfügung. Das Gesetz war mit 58 zu 54 Stimmen in zweiter und dritter Lesung verabschiedet worden. Es sieht vor, dass bis zum 30. November 2026 keine Verhaftungen von Jeschiwa-Studenten erfolgen, die nachweislich ihre gesamte Zeit dem Thorastudium widmen. Als Voraussetzung gelten...
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