482 Tage verbrachte Arbel Yehud in der Gewalt der Hamas. Ende Januar 2025 wurde sie im Rahmen eines Geiselabkommens freigelassen. In einem am Freitagabend auf Channel 12 ausgestrahlten Interview sprach die 30-Jährige nun erstmals ausführlich über die Bedingungen ihrer Gefangenschaft und über wiederholte sexuelle Übergriffe, denen sie nach eigenen Angaben nahezu täglich ausgesetzt war.
Yehud war am 7. Oktober 2023 gemeinsam mit ihrem Partner Ariel Cunio aus dem Kibbutz Nir Oz entführt worden. Während ihrer Haft sei sie mehrfach isoliert worden, habe nur eingeschränkten Zugang zu Informationen gehabt und lange Zeit nicht gewusst, ob ihr Partner noch am Leben sei.
Im Interview berichtete sie, der sexuelle Missbrauch habe sich nicht auf einzelne Vorfälle beschränkt. „Es war fast jeden Tag“, sagte sie. Die permanente Bedrohung und die Übergriffe hätten sie psychisch an ihre Grenzen gebracht. Mehrfach habe sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Rückblickend beschrieb sie diese Phase als einen Zustand völliger Hoffnungslosigkeit.
Last night, we witnessed a love story stronger than life itself.
Arbel Yehoud and Ariel Cunio spoke of captivity, from the horror of October 7th, when they were torn apart with cruelty, to the fragile attempt now to gather what remains and begin again.With rare courage, Arbel… pic.twitter.com/CcY7k9wAaL
— Bring Them Home Now (@bringhomenow) February 14, 2026
Neben den sexuellen Übergriffen schilderte Yehud die ständige Angst vor Gewalt, Verlegungen an unbekannte Orte sowie die völlige Abhängigkeit von ihren Bewachern. Geräusche von Explosionen oder Schusswechseln hätten sie immer wieder in Panik versetzt. Die Bedingungen seien geprägt gewesen von Enge, Kontrolle und Ungewissheit.
Mit ihren Aussagen steht Yehud nicht allein. Bereits 2024 hatte Amit Soussana öffentlich von sexuellen Übergriffen während ihrer Gefangenschaft berichtet. Auch weitere ehemalige Geiseln schilderten Misshandlungen mit eindeutig sexuellem Charakter. In Israel werden entsprechende Zeugenaussagen inzwischen systematisch dokumentiert, unter anderem durch Initiativen wie The Dinah Project.
Yehud erklärte, es habe lange gedauert, bis sie bereit gewesen sei, über das Erlebte zu sprechen. Während ihrer Gefangenschaft hätten ihr Bilder von Demonstrationen in Tel Aviv Hoffnung gegeben – insbesondere die Kundgebungen auf dem später als Geiselplatz bekannten Platz. Mit ihrem Bericht wolle sie nicht nur ihre eigene Geschichte erzählen, sondern auch auf das Schicksal anderer Geiseln aufmerksam machen. Weitere Details über ihre Gefangenschaft wolle sie zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich machen.




