Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar hat sich am Sonntag in Jerusalem mit ungewöhnlicher Deutlichkeit gegen internationale Bemühungen ausgesprochen, einen palästinensischen Staat wieder auf die politische Agenda zu setzen. Vor einer Delegation junger deutscher Führungskräfte erklärte er, ein solcher Staat würde „ein Terrorstaat“ werden – und verwies dabei auf die sicherheitspolitische Realität nach dem 7. Oktober 2023.
Europa, so Sa’ar, sei von einer „neuen Obsession“ erfasst, die „jedweder geopolitischer Logik entbehrt“. Im Nahen Osten entstünden derzeit staatenähnliche Gebilde, die vollständig von Terrororganisationen kontrolliert würden. „Wir stehen drei Terrorstaaten gegenüber – Gaza, Libanon und Jemen“, sagte er und zog einen Vergleich mit historischen totalitären Regimen: „Es ist wie der Unterschied zwischen heutigen Neonazis und dem NS-Regime, das Territorium und Bevölkerung unter Kontrolle hatte.“
Foreign Minister @gidonsaar to the large delegation from Germany:
“There is a new obsession in Europe. While we are confronting the terror states in Lebanon, Gaza, and Yemen – they suggest that we establish a Palestinian terror state in the heart of our small country.
— Israel Foreign Ministry (@IsraelMFA) November 16, 2025
Nach Ansicht des Außenministers ignorieren viele Regierungen in Europa diese Realität. Besonders seit dem 7. Oktober, als Hamas-Terroristen in israelische Gemeinden eindrangen und ein Massaker verübten, habe sich der Blick der Israelis weiter geschärft. „Wenn man uns jetzt vorschlägt, einen palästinensischen Staat im Herzen unserer winzigen Heimat – nur zwei Kilometer von hier – zu errichten, dann bedeutet das, dass er die topografische Kontrolle über unsere Bevölkerungszentren erhielte“, warnte er. Eine solche Konstruktion sei „ein Experiment, das zwangsläufig in einen weiteren Terrorstaat führt“.
Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der öffentlichen Meinung wider. Einer aktuellen landesweiten Umfrage zufolge lehnen rund 71 % der Israelis die Errichtung eines palästinensischen Staates ab – selbst dann, wenn ein solcher Schritt Teil eines breiteren regionalen Abkommens mit arabischen Ländern wäre. Viele erwarten darin keinen Beitrag zur Stabilität, sondern ein zusätzliches Sicherheitsrisiko, das sich aus den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte logisch ableitet.
Begleitet wurde die deutsche Delegation von Ron Prosor, Israels Botschafter in Deutschland. Die Reise markiert das 60. Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern und soll den Teilnehmern einen vertieften Einblick in Israels Gesellschaft, Geschichte und Sicherheitslage vermitteln. Die Besucher absolvieren Bildungsprogramme und hören Berichte von Überlebenden des 7. Oktober – darunter die Sängerin Yuval Raphael, die das Massaker beim Nova-Festival überlebt hat und der Gruppe ihre Erfahrungen schilderte.
To mark 60 years of🇮🇱🇩🇪diplomatic relations, 160 elected officials, businesspeople & journalists from throughout Germany visit Israel.
Foreign Minister @gidonsaar addressed them and Eurovision star, Yuval Raphael, moved the audience with her performance and personal story. pic.twitter.com/3sLZwB3pPq
— Israel Foreign Ministry (@IsraelMFA) November 17, 2025
Auch politisch war der Sonntag geprägt von intensiven Kontakten zwischen Berlin und Jerusalem. Bundeskanzler Friedrich Merz telefonierte mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, nachdem er öffentlich zu einem erneuerten „Westlichen Bündnis“ aufgerufen hatte, das „an der Seite Israels“ stehen müsse. Das Gespräch verlief nach israelischen Angaben „gut und freundschaftlich“ und befasste sich mit regionalen Entwicklungen sowie der künftigen Zusammenarbeit.
Die Haltung der israelischen Regierung bleibt klar: Solange terroristische Infrastruktur in Gaza, im Libanon und im Jemen besteht, sieht Jerusalem keinerlei Grundlage für die Errichtung eines palästinensischen Staates. Die deutliche Ablehnung in der Bevölkerung – über 70 % – untermauert diese Position zusätzlich.




