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Gedenktag oder Unabhängigkeitstag?

Für mich sind das zwei Seiten derselben Geschichte – eine Geschichte von Schmerz und Hoffnung. Mein Name ist Moran Schneider (29), ich bin der Leiter von JLMBox, aber vor allem bin ich Israeli.

Gedenktag
Asaf Hamami in der Mitte und Moran Schneider (rechts) vor etwa neun Jahren zusammen im Wehrpflichtdienst.

Am frühen Morgen des 7. Oktober 2023, an Simchat Tora, ertönten die Sirenen im Land. Ich versuchte mir einzureden, dass es ja nur ein Traum sei, doch meine Frau zog mich bereits in den Schutzraum. Als ich begriff, dass die Realität mit dem Albtraum verschmolzen war, schaltete ich den Fernseher, den Computer – jeden verfügbaren Bildschirm – ein. Die Nachrichten überschlugen sich: Raketenbeschuss, Infiltrationen, neue Fronten, ein Ereignis, schwerer als alles, was wir bisher kannten.

Um 8:45 Uhr war ich bereits auf dem Weg zu meiner Basis. Die Kämpfer meines Teams, von Galiläa im Norden bis nach Eilat im Süden, kamen innerhalb einer Stunde. Ich bin Offizier und niemand fragte mich: „Soll ich kommen?“ Alle warteten auf mein grünes Licht. Wir unterzeichneten die Waffenaushändigung, rüsteten uns aus, versetzten uns in Alarmbereitschaft und rasten dann gen Süden. Auf dem Weg verteilte ich Aufgaben, wir besprachen laut mögliche Szenarien, um so gut wie möglich auf das Unbekannte vorbereitet zu sein.

Moran Schneider.

Schon in der Ausbildung in der Spezialeinheit, in der wir alle dienten, hatte man uns gelehrt, „die Schüssel umzudrehen“ – also von einer Sekunde auf die andere von null auf hundert zu schalten. Und so fanden wir uns am Ende des biblischen Laubhüttenfestes und zu Beginn von Simchat Tora von einem Moment auf den anderen im Kampf gegen einen Feind wieder, der in unser Haus eingedrungen war. Wir eilten von einem Ort zum anderen, von Front zu Front, von Familie zu Familie. Wir hatten innerhalb eines Augenblicks unser Studium, unseren Beruf, den Urlaub oder eine Kinderumarmung hinter uns gelassen und waren zur Schutzmauer im Süden um den Gazastreifen geworden. Unser Ziel war klar: Leben zu retten.

Drei Tage lang kämpften wir ohne Schlaf, ohne Vorbereitung, auf unserem eigenen Boden. Drei Tage völlig abgeschnitten von unserem normalen Leben. Erst nachdem in den Ortschaften um den Gazastreifen wieder Kontrolle hergestellt war, konnten wir aufatmen. Und uns auf einen langen Krieg einstellen – einen Krieg, der bis heute andauert.

In diesem Moment blickte ich mich um und sah die Schönheit unseres Landes, Kameradschaft, gegenseitige Verantwortung, ein Herz. Jeder von uns hatte jemanden verloren, entweder ein Familienmitglied oder Freund. Ich selbst verlor viele Freunde im Krieg.

Von einem möchte ich Euch erzählen, Oberstleutnant Assaf Hamami. Asaf diente in der Givati Brigade und war Jahre früher mein Kommandant während der Wehrpflicht. Assaf prägte mich als junger Offizier in meiner Einheit. Während des Überfalls war Asaf Kommandeur im südlichen Bezirk um den Gazastreifen. Er fiel bei der Verteidigung von Nir Oz. Assaf (41) hinterließ eine Frau und drei Kinder. Für mich war Assaf der perfekte Kommandant! Er wusste Professionalität und Menschlichkeit perfekt auszubalancieren – und bot damit 100 Prozent Inspiration.

Asaf Hamami. Foto: IDF.

Am Gedenktag, wenn die Sirene die Stille durchschneidet und wir den Atem anhalten, holen wir die Gefallenen in unsere Herzen zurück und versprechen, dass sie nicht in den Seiten der Geschichte verschwinden werden. Und genau in dieser schweren Stille beginnt leise die Glocke der Hoffnung zu schlagen, Israels Unabhängigkeitstag.

Die Feuerwerke, die die Nacht erleuchten, löschen die Tränen nicht aus – sie beleuchten sie. Sie erinnern uns daran, dass die Freiheit, die wir empfangen haben, kein Geschenk ist, sondern ein Vermächtnis, dass das vergossene Blut zur wehenden Fahne wurde, dass die Gefallenen zu Wurzeln wurden, auf denen wir weitere Stockwerke von Leben, Träumen und Glauben bauen.

So sagen wir, zwischen einer Minute Stille und dem Singen unserer Hymne HaTikva der Welt und uns selbst: „Wir erinnern uns – damit wir leben können. Wir feiern – damit ihr Andenken niemals verloren geht“. Das ist unsere Stärke, das ist ihr Erbe, und das ist das Geheimnis des Schmerzes und des Stolzes, die uns vorwärtstragen.

Moran mit seiner Frau Eden und seinen Kameraden nach der Hochzeit.

 

Am Israel Chai! – Das Volk Israel lebt!

 

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Gedenktag oder Unabhängigkeitstag?”

  1. mayer.andreas sagt:

    Diese Erinnerungen sind es die Verankert sind in unseren Herzen und uns Zuversichtlich machen auf das was unser Vater im Himmel für Euch und uns bereitet hat. Ihr aber seit Teil eines noch größerem was Gott gerade vorbereitet. Das soll euch Mut machen und nicht aufgeben IHN zu bedrängen im Gebet bis Ihr durch seit. Wir tragen Euch mit durch Gebet und Beistand.liebe Grüße von uns 😀

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