Eine Umfrage des Awrad-Instituts in Ramallah unter 704 Palästinensern – 421 aus der sogenannten Westbank und 283 aus dem Gazastreifen -, die zwischen dem 27. November und dem 2. Dezember durchgeführt wurde, zeigt deutliche Veränderungen in der politischen Landschaft der palästinensischen Gebiete. Die Ergebnisse zeigen einen Rückgang der Unterstützung für die Hamas zugunsten der Fatah sowie klare Meinungen über zukünftige politische Lösungen.
Im Gazastreifen geben nur 6 % der Befragten an, die Hamas zu unterstützen, während 43 % die Fatah bevorzugen. Auch in der sogenannten Westbank liegt die Fatah mit 31 % vor der Hamas, die dort auf 16% kommt. Diese Zahlen spiegeln einen deutlichen Verlust an politischer Unterstützung für die Hamas auch in ihrem Kerngebiet, dem Gazastreifen, wider.
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die weiterhin starke Unterstützung für die Zweistaatenlösung. Insgesamt sprechen sich 61 % der Palästinenser für diese Option aus, wobei die Zustimmung im Gazastreifen mit 74 % deutlich höher ist als in der sogenannten Westbank, wo 52% diese Lösung befürworten. Dies deutet auf einen übergreifenden Wunsch nach einer langfristigen politischen Lösung hin.
Hinsichtlich der Verwaltung des Gazastreifens nach dem aktuellen Konflikt sprechen sich 47 % der Befragten für die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit aus, die sowohl Fatah als auch Hamas umfasst. 18 % bevorzugen eine alleinige Verwaltung durch die Palästinensische Autonomiebehörde, während 17 % eine Fortsetzung der Hamas-Herrschaft befürworten.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage betrifft die erwartete Dauer der israelischen Militärpräsenz im Gazastreifen. 43 % der Befragten gehen davon aus, dass diese nur einige Monate oder weniger andauern wird. Diese Einschätzung spiegelt die Hoffnung vieler Palästinenser auf eine baldige Normalisierung der Lage wider.
In einem hypothetischen Rennen um das Präsidentenamt zwischen drei prominenten palästinensischen Politikern liegt Marwan Barghouti, ein ehemaliger Tanzim-Führer, der fünf lebenslange Haftstrafen verbüßt mit 45 Prozent der Stimmen klar vorne. Mustafa Barghouti, ein bekannter Arzt und Politiker, kommt auf 22%, während Khaled Maschal, ein führender Vertreter der Hamas, nur 10% Unterstützung erhält. Dies unterstreicht die schwindende Popularität der Hamas und die anhaltende Bedeutung von Marwan Barghouti als zentrale Figur in der palästinensischen Politik.
Interessant sind auch die Einschätzungen zur internationalen Politik. 70 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten positiv auf die Bemühungen um einen Waffenstillstand im Gazastreifen auswirken könnte. Diese Einschätzung zeigt den Wunsch nach internationaler Einflussnahme auch von Akteuren, die traditionell als pro-israelisch wahrgenommen werden.
Trotz der klaren Tendenzen mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation solcher Ergebnisse. Frühere Studien haben gezeigt, dass Umfragedaten, insbesondere im Gazastreifen, anfällig für Manipulationen sind.
Zusammenfassend zeigt die Umfrage eine politische Verschiebung zugunsten der Fatah und zuungunsten der Hamas, einen weiterhin starken Wunsch nach einer Zweistaatenlösung und eine überwiegende Hoffnung auf Stabilität und Einheit. Die tatsächliche Umsetzung dieser Wünsche steht jedoch angesichts der komplexen politischen und militärischen Realitäten vor großen Herausforderungen.




