Religion

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„Ich liebe Männer und ich liebe Gott!“

Prominenter orthodoxer israelischer Journalist Yair Cherki bekennt sich als homosexuell. „Ich zittere, während ich diese Worte schreibe“, schreibt der Reporter für religiöse Angelegenheiten von Kanal 12 in einem Facebook-Post, der sich schnell verbreitete. „Ich liebe Männer und Gott, und das ist kein Widerspruch.“

Der Reporter von Channel 12 News, Yair Sherki, outet sich als homosexueller Jude
Der Reporter von Channel 12 News, Yair Sherki, outet sich als homosexuell Foto: Arie Leib Abrams/Flash90

Yair Cherki wuchs in einer nationalreligiösen Gemeinde im Jerusalemer Stadtteil Kiryat Moshe auf, wo sein Vater Ori als Rabbiner der Gemeinde und als Dozent an der bekannten Machon Meir Thoraschule tätig ist. Er diente beim Militär als Reporter für religiöse Angelegenheiten beim Armeeradio und wurde kurz nach seiner Entlassung im Jahr 2014 in derselben Funktion bei Fernsehkanal 12 eingestellt. In Israel ist Cherki ein anerkannter Reporter und ein Kollege von mir, mit dem wir ab und zu Kaffee neben unserer Redaktion trinken. Nun hat er sich als homosexueller Jude geoutet.

Wir haben uns entschieden, Cherkis Post vollständig auf Deutsch zu übersetzen. Als gläubiger Jude spricht er von seinem persönlichen Konflikt zwischen Gott und als homosexueller Jude.

„Ich schreibe diese Worte mit Zittern. Verschiebe diese Worte immer auf Morgen. Auf die nächste Woche. Nach den Ferien. Nach dem nächsten Geburtstag. In diesem Jahr oder nächstes Jahr. Vielleicht seit zehn Jahren schreibe ich das schon und lösche, was ich geschrieben habe. Wegen dem Leid, dass ich meinen sehr geliebten Vater und meiner sehr geliebten Mutter antue und wegen des Leids der Gemeinschaft, wo ich aufgewachsen bin und die ich immer noch liebe. Aber jetzt bin ich dreißig Jahre alt. Und ich schreibe nicht, weil ich die Kraft zum Schreiben habe, sondern weil ich keine Kraft zum Sterben habe. Und für meinen Sohn, der noch nicht auf die Welt gekommen ist.

Yair Cherki als Kind
Yair Cherki als Kind

Ich liebe Männer. Ja, ich liebe Männer und ich liebe den Heiligen Gott. Das widerspricht sich nicht und das ist auch nicht neu. Ich bin genau derselbe, der ich war, nur weiß ich es jetzt nicht nur alleine, sondern auch ihr. Es war mir wichtig, dies hier an diesem öffentlichen Ort zu sagen, obwohl es sich um eine private Angelegenheit handelt. Ich möchte weder im Schatten noch im Versteck leben. Ich möchte wirklich in einer Familie und einem Zuhause leben – wirklich leben.

Ich lebe die ganze Zeit den Konflikt zwischen dieser sexuellen Präferenz und dem Glauben an meinen Gott. Manche haben den Konflikt für sich gelöst, indem sie sagen, dass es keinen Gott gibt, andere erklären, dass es keine Homosexualität gibt. Ich weiß von mir selbst, von meinem Fleisch, dass beide existieren. Und diesen Widerspruch in mir versuche ich auf alle möglichen Arten zu versöhnen. Dies sind Dinge zwischen Mensch und Gott.

Und das, was zwischen einem Mann und seinem Freund und der Gesellschaft, in der er lebt, ist: Das ist weder eine Mode noch ein Trend noch ein politisches Statement, das bin einfach ich. Ich weiß nicht, ob ich es eine Identität nennen würde. Nur eine andere Sache, die Teil dessen ist, wer ich bin und wer ich seit dem Tag bin, an dem ich mich entschieden dazu habe. In der Thoraschule, in der Familie, bei der Arbeit. Meine Gemeinschaft ist immer noch dieselbe religiöse Gemeinschaft. Das ist mein Stamm, das sind meine Familie und Freunde. Das sind meine Überzeugungen. Sie haben sich nicht verändert, aber sie haben im Laufe der Jahre als Zweifel Gestalt angenommen. Hinzu kommt dieser Druck, der einen anderen Blick auf Glauben und Wahrheit und Komplexität erzwingt.

Yair Sherki mit Schläfenocken
Yair Sherki mit Schläfenocken

Ich weiß, dass diese Wahrheit, die ich euch hier mitteile, Menschen, die mir lieb sind und die ich sehr liebe, traurig macht. Und ich weiß, sie lieben mich. Ich hoffe, diese Menschen finden den Platz in Ihrer Seele für mich. Und auch verstehen, dass dieser Schritt nach gründlichem Nachdenken und Abwägen gemacht wurde. Ihre Trauer rührt vielleicht auch daher, dass Sie nicht wirklich verstehen, wovon ich hier eigentlich spreche. Ein falscher Gedanke der Versuchung oder Krieg mit meiner Neigung, die gebändigt werden muss und nicht die Neigung der Seele, ist genau wie das Geheimnis zwischen Mann und Frau. Es hat mich anfänglich traurig gemacht. Ich habe jahrelang versucht, es zu ignorieren, zu verdrängen oder mich behandeln zu lassen. Ich bereue keinen Versuch und keine Mühe, vielleicht wäre ich ohne diese Versuche nicht zu diesem Ergebnis gekommen. Schade nur um die vergangene Zeit, die ich verschwendet habe. Und jetzt muss ich mich um meine Familie kümmern.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “„Ich liebe Männer und ich liebe Gott!“”

  1. Fred-Holger Schröder sagt:

    Hallo Yair,
    für mich zählt bei einem Menschen der Charakter und den hast DU.
    Gruß Holger Schröder

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