Wie ist es für eine Christin, zu entdecken, dass sie tatsächlich eine Jüdin ist?

Ihre ganze Familie war christlich, aber etwas war anders.

Mandelbäume im Golan
Maor Kinsbursky/Flash90

Devorah Esther wuchs in einer evangelischen Kirche in New York auf. Alle Familienmitglieder waren Christen, so lange sie sich erinnern kann. Sie gingen regelmäßig in die Kirche, beteten zu Jesus und feierten Weihnachten und Ostern wie jede gute christliche Familie.

Nur waren sie anders. In einem Interview mit Israel Newstalk Radio erinnert sich Esther, dass ihre Familie Bräuche praktizierte, die sie in keiner der Kirchen, in denen sie war, oder in Büchern, die sie las, finden konnte. „Wir waren nicht wie alle anderen”, sagte sie.

Esther vermutete, dass ihre Familie ein bisschen anders war als andere Christen, bis eine Freundin eines Tages vorschlug, dass die einzigartigen Bräuche, die Esther und ihre Familie praktizierten, jüdische Traditionen seien, die Tausende von Jahren zurückreichen. Esther musste dem nachgehen und nach Recherchen fand sie heraus, dass sie und ihre Familie Nachkommen von Kryptojuden waren, versteckten Juden, die vor über 500 Jahren während der spanischen Inquisition zum Christentum konvertieren mussten.

Die Geschichte der Kryptojuden ist eine faszinierende Reise, die zeigt, wie Juden gezwungen wurden, Christen zu werden, ohne ihr Judentum vollständig aufzugeben. Hunderte von Jahren praktizierten und lebten sie als Christen in Nationen auf der ganzen Welt, um den Antisemitismus zu überleben, behielten jedoch viele jüdische Rituale wie das Halten des Sabbats, die Beschneidung ihrer Kinder und viele andere Bräuche bei, die nur denjenigen bekannt waren, die mit den rabbinischen Texten vertraut waren wie Talmud und Mischna. „Es ist faszinierend, wie wir unser Judentum versteckt haben”, sagt Esther. „Eines unserer Familienmitglieder benutzte den Namen Ivel, der eigentlich Levi ist, um seine Identität zu verbergen.”

Esther und ihre Generation, die als Christen ohne Kenntnis ihres jüdischen Erbes aufgewachsen sind, haben Schwierigkeiten, zum Judentum zurückzukehren. „Nachdem ich in der Kirche aufgewachsen bin und dann herausgefunden habe, dass ich Jude bin, war das nicht einfach“, sagt Esther. „Ich wollte nie jüdisch sein. Ich hatte völlig akzeptiert, dass ich Christin bin. Stellen Sie sich vor, wie schwer es war, mit all diesen Dingen zu brechen“, sagt sie.

Esther musste christliche Ideologien und Bräuche verlernen und zurückkehren und lernen, gemäß einer orthodoxen jüdischen Kultur und Weltanschauung zu denken und zu handeln. „Es ist ein langer Prozess, mit der Vergangenheit zu brechen und die Art, wie man denkt, zu ändern“, gibt Esther zu.

Auch die Rückkehr in die Gemeinschaft des Volkes Israel war nicht einfach. „Früher mussten die Kryptojuden beweisen, dass sie Christen sind, jetzt versuchen sie den israelischen Behörden zu beweisen, dass sie Juden sind, und das ist nicht einfach”, sagt Esther. „Wir sitzen irgendwie zwischen den Stühlen fest.“ Rabbiner sind in der Regel misstrauisch gegenüber Kryptojuden und verlangen die Dokumentation einer ungebrochenen jüdischen Abstammungslinie. „Ich bin durch einen orthodoxen Haredi-Rabbiner zum Judentum zurückgekehrt”, sagt Esther. „Er wusste, dass wir jüdisch waren, weil wir in den letzten 500 Jahren sehr spezifische jüdische Bräuche in unserer Familie geführt haben.”

Esther ist dankbar, dass sie konvertieren konnte, in der Hoffnung, dass niemand ihr Judentum oder die jüdische Identität Ihrer Kinder in Frage stellen wird. „Ich wollte zum Volk Israel zurückkehren, und es war mir egal, wie sie mich nannten – ein Konvertit oder eine Anusah -, ich wollte nur zurückkehren”, sagt Esther. Anusa ist der hebräische Begriff für Kryptojuden und bedeutet diejenigen, die gezwungen waren, ihre jüdische Identität aufzugeben. Der populärere Begriff ist Moranos – was auf Spanisch Schweine bedeutet – und wurde für Juden verwendet, die Christen wurden, aber an ihren jüdischen Bräuchen festhielten.

Es gibt viele Lehren, die sagen, dass Christoph Kolumbus ein Kryptojude war. Sehen Sie den Artikel von Israel Heute War Kolumbus ein heimlicher Jude? „Er ist mein 14. Urgroßvater”, sagt Esther über den Spanier, der Amerika „entdeckt” hat. „Es wurde nachgewiesen, dass seine Mutter jüdischer Herkunft war.”

Esther sagt, dass sie jetzt wieder da ist, wo sie hingehört, zur jüdischen Gemeinde. „Ich schaue immer wieder auf den Herrn”, sagt sie. „Viele (Kryptojuden) haben Angst, mit ihren Geschichten herauszukommen, obwohl diese Menschen den Herrn nie verlassen haben. Doch viele haben das Gefühl, dass er sie vergessen hat“, befürchtet sie.

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