Vom Star zum Schutzengel

Der berühmte Kinderschauspieler, der zum Jiu-Jitsu-Kämpfer wurde und jetzt ultra- orthodoxe Juden am Schabbat auf ihrem Weg zur Synagoge beschützt

von Yossi Aloni |
Illustration. Schüler üben Jiu Jitsu. Foto: Abir Sultan/Flash90

Im jüdischen Fairfax-Viertel von Los Angeles nennt man sie „Shabbat Angels“. Eine Gruppe von Kampfsportexperten hat sich in den letzten Monaten freiwillig gemeldet, um orthodoxe Juden am Schabbat zu Fuß auf dem Weg zur Synagoge und zurück nach Hause zu begleiten. Die Aktion wurde ins Leben gerufen, nachdem es während des jüngsten Gaza-Konflikts im Rahmen der Operation „Wächter der Mauern“ zu einer Zunahme antisemitischer Vorfälle und Übergriffe gekommen war. Unter anderem wurden Juden auf der Straße verprügelt, mit dem Auto gerammt, niedergestochen und gedemütigt. Ein Anti-Israel-Autokonvoi schwenkte Fahnen und beschimpfte jeden Juden, den er auf der Straße sah.

In den meisten Fällen handelte es sich bei den Angreifern um Muslime, die in die Vereinigten Staaten eingewandert waren und einfach nur Juden beschimpfen wollten.

Einer der Freiwilligen Engel ist der ehemalige amerikanische Filmstar Jonathan Lipnicki. Der jüdische Schauspieler wurde erstmals als kleiner Junge bekannt, der an der Seite von Tom Cruise in dem Film Jerry Maguire mitspielte. Seitdem hat er einen schwarzen Gürtel im brasilianischen Jiu Jitsu erworben.

Jeden Schabbat kommen er und seine Freunde nach Fairfax und begleiten orthodoxe Juden zu Fuß zur Synagoge und wieder nach Hause, damit sich niemand traut, sich mit ihnen anzulegen.


Lipnicki am Schabbat vor seiner Synagoge.

Inzwischen gibt Lipnicki auch Selbstverteidigungskurse für jüdische Kinder, von denen eines auf der Straße mit Paintballkugeln angegriffen wurde.

Im zarten Alter von sechs Jahren wurde Lipnicki durch sein Debüt in dem Film Jerry Maguire als der süße Junge „Ray“, der Sohn der alleinerziehenden Mutter Dorothy Boyd (Renee Zellweger), an der Seite von Tom Cruise bekannt. Weitere Bekanntheit erlangte er als der Junge George Little in den Filmen „Stuart Little“ und „Stuart Little 2“. Außerdem trat er in dem Michael-Jordan-Basketball-Kinderfilm „Like Mike“ als „Murph“ auf. Weiterhin übernahm er die Sprachrolle des Tigerjungen in dem Film „Dr. Doolittle“.

Er ist jetzt dreißig Jahre alt. In den letzten Monaten hat Lipnicki jedes Wochenende ehrenamtlich orthodoxe Juden begleitet. „Wir haben einen Zeitplan. Wir holen die Leute von zu Hause ab und bringen sie zur Synagoge und dann wieder nach Hause.“

Sie kommen in weißen Hemden zur Freiwilligenarbeit. Wegen der Farbe der Hemden und auch weil sie paarweise neben den orthodoxen Juden gehen, haben sie den Spitznamen „Shabbat Angels“ bekommen.

„Unsere Anwesenheit schreckt die Leute ab, aber sie zeigt auch Solidarität“, sagte Lipnicki, der erklärte, dass er dies in Erinnerung an seinen Großvater, einen Holocaust-Überlebenden, tue. „Mein Großvater war der stärkste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe. Er war ein Überlebender, und es macht mich stolz, sein Nachfahre zu sein.“ Lipnicki fügte hinzu: „…das ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Leben tun werde.“

Neben den Shabbat Angels setzen sich auch andere für die Juden in L.A. ein. Es hat sich herausgestellt, dass die religiösen Juden selbst eine Sicherheitspatrouille eingerichtet haben, zu deren Mitgliedern Rabbi Yossi Eilfort gehört. Er leitet die Sicherheitsorganisation Magen Am (Schild der Nation), deren Mitglieder zum Teil israelische Armee-Veteranen sind.

2017 besuchte Lipnicki zum ersten Mal Israel im Rahmen des Projekts Taglit/Birthright. „Ich hatte sehr hohe Erwartungen an diesen Ort, und alles, was ich hier erlebt habe, hat sie sogar noch übertroffen. Diese Reise hat mein Leben verändert“, sagte Lipnicki nach einem 10-tägigen Besuch in Israel. „Es ist unmöglich, das Gefühl zu beschreiben, das man hat, wenn man an der Klagemauer ankommt oder wenn man hier den Schabbat erlebt. Ich hatte eine wunderbare Erfahrung und fühlte mich allen auf dieser Reise sehr nahe. Ich habe das Gefühl, dass es in Israel besondere Energien gibt, die ich noch nie zuvor gespürt habe.“

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