Wenn ein Staatsgast in Israel empfangen wird, ist meistens auch das israelische Armee-Orchester zur Stelle, um den Gast mit einem Marsch oder der Nationalhymne zu begrüssen. Es ist immer so gewesen, viele Jahre lang. Doch nun hat sich der Minister für Innere Sicherheit, Gilead Erdan, zu Wort gemeldet. Denn auch die ihm unterstellte israelische Polizei hat ein Orchester.
Der Minister hat sich an die für die Ausrichtung von offiziellen Zeremonien zuständliche Ministerin Miri Regev gewandt mit der Bitte, von nun an auch Musiker und Fahnenträger der Polizei bei den Zeremonien und offiziellen Empfängen mit einzubeziehen. Nachdem ein eigens dafür eingerichteter Ausschuss die Sachlage überprüft hatte, stellte sich heraus, dass die israelische Armee sich gegen diese Idee stellt.
Dabei war die Bitte des für die Polizei zuständigen Minister gar nicht so weit hergeholt. Denn schon im Jahr 1983 legte der Ministerausschuss für Zeremonien und Staatssymbole fest, dass bei offiziellen Besuchen und Empfängen auch 12 Polizisten am Rande des roten Teppichs zu stehen hätten und ihre Waffe zu schwingen. Aus einem nicht bekannten Grund wurde diese Entscheidung jedoch nie umgesetzt, am roten Teppich stehen immer nur Soldaten.
Bis jetzt lief immer alles glatt. Doch beim Antrittsbesuch von US-Präsident Donald Trump fiel Polizeichef Roni Alsheikh auf, dass bei der Empfangszeremonie nur das Orchester der israelischen Armee anwesend war.
In seinem Brief an die Ministerin Miri Regev schrieb Minister Gilead Erdan: „Um das Ansehen der Polizei in den Augen der Öffentlichkeit zu stärken, wende ich mich an Sie mit der Bitte, einen Resolutionsentwurf zu formulieren, der im Rahmen des von Ihnen geleiteten Ministerkomitees eingebracht wird. Dieser soll festlegen, dass die Ehrenwache, die sich bei offiziellen Staatsbesuchen am Ben Gurion Flughafen befindet, auch aus Polizisten bestehen soll und die Fahne der Polizei gezeigt wird.“
Seitens der Armee gab es starken Widerstand gegen diesen Vorschlag. Ein Vertreter der israelischen Armee sagte während der Beratung des eigens für dieses Thema eingerichteten Ausschusses, dass man die seit 70 Jahren praktizierte Tradition, bei der die Ehrengarde ausschließlich aus Soldaten der Armee bestehe, bewahrt werden müsse.
Am Ende der Beratung wurde beschlossen, ein Team einzurichten, das nun untersuchen soll, wie Staatszeremonien in den Ländern der Welt durchgeführt werden.




