Steht Israel eine Nahrungsmittelkrise bevor?

Was nützen Israel die modernsten Waffen, wenn das Brot zum Frühstück fehlt.

von Aviel Schneider | | Themen: Ukraine, Nahrungsmittel
Volle Regale in einem israelischen Supermarkt. Ein großer Teil der Lebensmittel wird aus dem Ausland importiert. Foto: Yossi Aloni/Flash90

Ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine könnte in Israel eine Nahrungsmittelkrise auslösen. Israel muss seine Abhängigkeit von Importen drosseln, die sperrangelweit geöffneten Tore des Staates für massive und ungezügelte Importe ausländischer Agrarprodukte dürfen nicht länger ignoriert werden. Der mögliche Krieg zwischen Russland und der Ukraine stellt laut dem Generalsekretär des israelischen Landwirtschaftsverbandes Avshalom Vilan eine relevante Gefahr dar.

Die Angst vor dem Aufflammen eines Krieges in Europa hat die Welt in Rekordspannung versetzt, auch Israel. Im Rahmen des öffentlichen und medialen Diskurses in Israel zu diesem Thema wird über die zahlreichen globalen Auswirkungen dieser Spannungen auf die Weltbevölkerung gesprochen, einschließlich der wirtschaftlichen und militärischen Folgen. Ein ebenso wichtiger Punkt ist jedoch unter dem Radar der israelischen Medien verschwunden: Sollte ein Krieg zwischen den Ländern ausbrechen, könnte dies zu Nahrungsmittelengpässen und -krisen in Israel wie auch im übrigen Nahen Osten führen.

Vor kurzem wurde die CBS-Studie Food Supply 2020 veröffentlicht. Sie legt dar, wie groß und problematisch Israels Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln ist. Die Daten zeigen, dass etwa 97 % des Getreideangebots in Israel (Weizen, Gerste, Reis, Hafer, Dinkel usw.) aus Importen stammen. Das Gleiche gilt für etwa 91 % des Fischs, etwa 75 % des Angebots an Hülsenfrüchten, Erdnüssen und Nüssen, etwa 62 % des Angebots an Rindfleisch – und auch bei Zucker und Süßigkeiten ist das Land stark von Importen abhängig. Pro Kopf und Tag liefern sie etwa 68 % des täglichen Bedarfs an Ballaststoffen, etwa 57 % des Bedarfs an Eisen und etwa 45 % des Bedarfs an Kohlenhydraten.

Zu große Abhängigkeit von Importen. 62 % des in Israel angebotenen Rindfleisches stammt aus dem Ausland (Foto: Yossi Aloni/Flash90)

Und woher kommt das Getreide in Israel? Etwa drei Millionen Tonnen Getreide kommen jedes Jahr aus Russland und der Ukraine nach Israel. Sollte zwischen diesen Ländern ein Krieg ausbrechen, könnte die Weizenversorgung Israels durchaus beeinträchtigt werden.

All diese Daten und Zahlen sind Israels Regierung natürlich bekannt, aber trotzdem zieht die Regierung es vor, die geplante Agrarreform und die Abschaffung der Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Ausland zu fördern. Der steigende Import landwirtschaftlicher Produkte zerstört derweil die Landwirtschaft im Land. Die Apfel- und Birnenbauern auf den Golanhöhen und in Obergaliläa, die Landwirte, die im Gazastreifen mit palästinensischen Partnern Kartoffeln und Karotten anbauen sowie die Moschavim an der libanesischen Grenze, die von den Hühnerställen leben, werden mit den niedrigen Auslandspreisen nicht konkurrieren können und die Landwirtschaft und andere Erwerbszweige aufgeben müssen.

Kartoffelernte in Israel. Israelische Landwirte leiden unter den Importen aus dem Ausland (Foto Nati Shohat/Flash90)

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Agrarimporte nach Israel nur die Taschen der Einzelhändler und Importeure bereichern, die uns alle einen exorbitanten Preis für landwirtschaftliche Erzeugnisse zahlen lassen und Milliarden auf dem Rücken der israelischen Verbraucher und Landwirte verdienen.

„Herr Finanzminister und Herr Landwirtschaftsminister, ich bitte um eure Aufmerksamkeit. Wenn ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine ausbricht oder wenn, Gott bewahre, eine globale Katastrophe hereinbricht, wie es der Sonderbericht des UN-Klimarates angesichts der globalen Erwärmung und ihrer Folgen voraussagt, wird Israel nicht in der Lage sein, seine Bevölkerung zu ernähren. Woher sollen dann die Agrarimporte nach Israel kommen? Aus der Türkei, Ägypten und Jordanien, feindlichen Ländern, die in Krisenzeiten natürlich Lebensmittel zuerst für sich und ihre Bürger einbehalten müssen? Gibt es einen nationalen Notfallplan für den Fall, dass es zu einem Mangel an Getreide oder anderen Produkten kommt?“, so Avshalom Vilan an die Regierung gerichtet.

„Noch ist es nicht zu spät, die Route neu zu berechnen. Im Rahmen des jetzigen Entwurfes werden die Reformen die Preise für die Verbraucher nicht senken. Die Landwirtschaft in Israel läuft Gefahr, ausgelöscht zu werden. Es droht eine Beeinträchtigung der Ernährungssicherheit aller Bürger. Die Abhängigkeit des Staates Israel von Agrarimporten ist eine Gefahr.“ Israel muss vorsichtig sein, seine Unabhängigkeit nicht nur in Sachen Sicherheit zu bewahren, sondern ebenso in Sachen Nahrungsmittel. Was nützen Israel die modernsten Waffen, wenn das Brot zum Frühstück fehlt.

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