Schabbat in Israel: Nichteinhaltung ist immer noch Thema

Ging es für Bennett wirklich um Leben und Tod, als er Putin am gottgewollten Ruhetag besuchte?

| Themen: Russland, Ukraine, Naftali Bennett
Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett, ein religiöser Jude, wird im eigenen Land kritisiert, weil er den Sabbat gebrochen hat, um sich inmitten des anhaltenden Ukraine-Kriegs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Am vergangenen Samstagmorgen flogen zwei Privatjets von Israel nach Russland. In einem saß der religiöse Premierminister Naftali Bennett. Im anderen saß der religiöse Ze’ev Elkin, derzeit Minister für Jerusalem-Angelegenheiten und Minister für Wohnungsbau und Bauwesen. Ihre Mission, so sagen sie uns, war die „Rettung von Leben“, der einzige Grund, warum ein Jude diesen heiligen Tag entweihen darf.

Wurden durch Bennetts Treffen mit Vladimir Putin am Schabbat irgendwelche Leben gerettet? Nicht, soweit wir wissen. Wissen wir etwas über den Zweck dieses Treffens oder wer es initiiert hat? Abgesehen von Spekulationen wissen wir nichts. Glaubt man dem Reporter von Haaretz, Yossi Melman, so war das offizielle Ziel des Treffens, einen hoffnungsvollen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen. Dass aber ausgerechnet Bennett Putin davon überzeugen soll, das Feuer einzustellen, sei eine unglaubliche Behauptung, meint er. Stattdessen, so Milman, sei Bennett nur ein Bauer in Putins Spiel.

Warum also fliegt er am Schabbat nach Russland? Glaubt man Milman, der die Meinung vieler zum Ausdruck bringt, so war der eigentliche Zweck dieser Reise die „Rettung“ von Bennetts sinkendem Ansehen in Israel und im Ausland. Dass die Dringlichkeit dieses Treffens nicht wirklich gegeben war, geht aus der New York Times hervor, die berichtet, dass „es keine unmittelbaren Informationen über ein Ergebnis des Treffens gab“. Mit anderen Worten: Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Milman wahrscheinlich recht hat. Das Treffen war in erster Linie ein Versuch, das angeknackste Image Bennetts wiederherzustellen.

Wenn man die Ansicht von Haaretz in andere Worte fassen will, dann war Bennetts „lebensrettender“ Grund für die Entweihung des Schabbats eine Täuschung, die den Anschein von Dringlichkeit erwecken sollte, um Bennett als eine Führungspersönlichkeit auf Augenhöhe mit Benjamin Netanyahu zu präsentieren. Damit schließt sich diese linksgerichtete Zeitung stillschweigend der rechten Sichtweise auf Bennett an – der Sichtweise eines Betrügers, der bereit ist, alles zu tun, um die Macht zu ergreifen, einschließlich des Bruchs eines der wichtigsten Werte des Judentums.

Bennetts Verhalten erinnerte an den Film „The Frisco Kid“ von 1979. Für diejenigen, die ihn nicht gesehen haben: Es handelt sich um einen Western über Rabbi Avram Belinski (Jene Wilder), einen einfachen Studenten einer polnischen Jeschiwa, der nach San Francisco geschickt wird, um der dortigen Synagoge eine Thorarolle zu überbringen. Der unschuldige Avram wird Opfer von Räubern, die ihm außer der Schriftrolle nichts lassen. Daraufhin tut sich Avram mit dem Bankräuber Tommy Lillard (Harrison Ford) zusammen, der sich bereit erklärt, ihn nach San Francisco zu bringen. Der Film erzählt die Erlebnisse der beiden auf charmante Art und Weise.

Nachdem Tommy eine Bank ausgeraubt hat, fliehen die beiden vor einem Polizeiaufgebot, doch als der Schabbatabend naht, sieht der verwirrte Tommy, wie Avram von seinem Pferd steigt, es absattelt und ein Lager aufschlägt. Trotz der lebensbedrohlichen Situation weigert sich Avram, den Schabbat zu entweihen, aber es ist ihm befohlen, sein Leben zu retten, was soll er also tun? Als Absolvent der Jeschiwa weiß er, wie man ein Gesetz beugt, und so interpretiert er den Sonnenuntergang, der das Ende des Schabbattages anzeigt, neu: Die Sonne wird untergehen, wenn er sie nicht mehr sehen kann.

Avram zeltet am Fuße eines hohen Berges und beschließt, dass der Schabbat endet, wenn der Berg die Sonne verdeckt. Die Polizei rückt näher, doch die Sonne geht zu langsam unter. Um die Dinge zu beschleunigen, beugt sich Avram hinunter, wodurch der Berg höher erscheint, und siehe da, es geschieht ein Wunder. Die Sonne ist untergegangen und die beiden können ihre Flucht fortsetzen, keinen Augenblick zu spät. Avrams Art, den Schabbat zu brechen, ist sowohl mutig als auch charmant. Er hat zumindest versucht, ihn so lange wie möglich einzuhalten. Bennett ist in diesem Licht eine Parodie auf Avram, ein Typus des religiösen Juden, der bei Sonnenaufgang seine Augen bedeckt und direkt in den Abgrund galoppiert wäre.

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