Nicht Gerechtigkeit bewegt die Welt, sondern Macht!

Alle US-Präsidenten haben sich bisher an den israelisch-palästinensischen Friedenverhandlungen wegen Jerusalem wundgerissen. Aber vielleicht wird Donald Trump uns überraschen.

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Bild: Das Ehepaar Trump zu Gast bei Ehepaar Netanjahu (Foto: Avi Ohayon/GPO)

Als das Ehepaar Trump gestern Mittag auf dem Ben-Gurion-Flughafen von den israelischen Gastgebern Benjamin und Sara Netanjahu empfangen wurde, hörte man Sara im Smalltalk mit Melania sagen, dass beide Ehepaare etwas Gemeinsames haben würden. Beide, die Netanjahus und Trumps, seien in den Medien unbeliebt, aber dafür würden sie, laut Sara, von der Mehrheit im Volk umarmt werden, die Trumps in den USA und die Netanjahus in Israel. Nicht nur aus den Reden, sondern ebenso aus seiner Körpersprache war deutlich zu erkennen, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sein gesamtes Vertrauen auf Trump setzt. Dafür gibt es etliche Gründe, darunter die Tatsache, dass Donald Trump als erster aktiver US-Präsident die jüdische Klagemauer in Jerusalem besuchte und damit die amerikanische Außenpolitik in Bezug auf Ostjerusalem und Israel durchbrach. Washington sieht in Ostjerusalem, einschließlich Altstadt, jüdischer Tempelberg und Klagemauer, eroberte Gebiete. Daher weigerten sich bisher alle vorigen US-Präsidenten wie Richard Nixon (1974), Jimmy Carter (1979), Bill Clinton (1994, ´95, ´96 und ´98), George W. Bush (2008) und Barack Obama (2013) die jüdische Klagemauer zu besuchen. Gemeinsam mit dem Rabbiner der Klagemauer Shmuel Rabinowitsch hat Donald Trump die Psalmen 121 und 122 gelesen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“.

Im Gegenteil zu Trumps Vorgänger Barack Obama versteht Netanjahu, dass er diesmal einen echten Freund an seiner Seite hat. Alle reden davon, dass Trump ein Geschäftsunternehmer ist und daher den israelisch-palästinensischen Friedensprozess eher wie ein Geschäft lösen möchte, als einen politisch-religiösen Konflikt. Nun fragt man sich in Israel, ob Trump damit tatsächlich einen Vorteil gegenüber seinen Vorgängern hat. Netanjahu meint ja und deutete darauf in eines seiner Reden, dass Israel mit Trump nun wirklich eine Chance hat, Frieden mit den palästinensischen Nachbarn zu schaffen. Beide sehen im radikalen Islam dieselbe Gefahr und sehen im schiitischen Iran den größten Terrorproduzenten weltweit. Aber andererseits hat Trump mit den Saudis ein Waffendeal in Höhe von 380 Mrd. US-Dollar abgeschlossen, was in Israel skeptisch betrachtet wurde. Zwischen Dollars und Israel werden die Amerikaner immer das erste wählen, denn schließlich geht es den Amerikaner zuerst um ihr eigenes Interesse und danach um Israel. Nicht Gerechtigkeit bewegt die Welt, sondern Macht und Geld!

Auch wenn die Hoffnung besteht, so wird dies sehr bezweifelt. Auch wenn ein neuer US-Präsident neue Hoffnung mit sich bringt, so ist der Konflikt im Nahen Osten immer derselbe alte Konflikt. Die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ist Nebensache, aber von allen US-Präsidenten ist Trump vielleicht der einzige, der dazu fähig ist, dies umzusetzen. Aber so wie es damals 1995 dem ermordeten Regierungschef Itzchak Rabin nicht passte, die US-Botschaft nach Jerusalem zu versetzen, so passt dies heute unter bestimmten Umständen auch nicht Benjamin Netanjahu. Mehr darüber in der nächsten Zeitschrift.

Alle US-Präsidenten haben sich bisher an den israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen wegen Jerusalem wundgerissen. Das sieht man auch so für Donald Trump, aber wer weiß, vielleicht wird er uns alle überraschen und tatsächlich eine politische Friedenslösung finden, an die keiner vorher gedacht hat. Auch wenn Trump als echter Freund Israels betrachtet wird, so ist allen im Land bewusst, dass er politisch unkorrekt und unberechenbar ist. Genau davor haben die meisten Kommentatoren, Experten und Politiker im Land Angst. Man fragt sich offen, auf wem Trump zuerst wütend wird, wenn einer der Parteien, entweder Israelis oder Palästinenser, seine Vorstellungen und Regeln für einen Deal ablehnt? Zudem ist auch zu befürchten, dass sich Benjamin Netanjahu von Trumps zu kräftigen Umarmung nicht losreißen kann. Denn es kann gut möglich sein, dass Netanjahu eines Tages wählen muss, entweder er geht für seine Freundschaft mit Trump einen schmerzhaften Kompromiss in Jerusalem ein oder er kracht sich mit seinem besten Freund in Washington. Aber es ist immer gut, dem Frieden eine Chance zu geben.

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