Mission Mittelmeer: Israels Beitrag zur maritimen Artenvielfalt

Fortschreitende Industrialisierung, Überfischung, Umweltverschmutzung und Tourismus haben dazu geführt, dass die Artenvielfalt im östlichen Mittelmeer rückläufig ist.

Junge am Palmachim Strand
Yonatan Sindel / Flash90

Israel hat unter dem Yad Hanadiv Fund ein Forschungsvorhaben ausgeschrieben, das herausfinden soll, auf welche Weise maritime Schutzzonen dabei helfen, die umliegenden Ökosysteme von menschengemachten Gefahren zu bewahren.

Das Mittelmeer ist eine Art Puffer zwischen drei Kontinenten. Mit dem Erwachen der modernen Zivilisation fiel das Meer anthropogenen Gefahren zum Opfer, darunter Überfischung, Verunreinigung, Küstenbebauung und politische Konflikte. Das 1995 geschlossene Übereinkommen von Barcelona, das von 22 Anrainerstaaten unterschrieben worden ist, rief zwar zum Schutz des Mittelmeeres vor Umweltverschmutzung, dennoch kämpft der östliche Teil des Meeres noch immer um sauberes Wasser uns seine Artenvielfalt.

Am äußersten Ostende des Meeres gelegen, hat Israel bereits viele eigene Initiativen ins Leben gerufen, um seine eigenen maritimen Ökosysteme zu schützen. Jetzt haben sich der Yad Hanadiv Fund und die israelische Natur- und Parkbehörde (INPA) zusammengeschlossen, um gemeinsam eine wissenschaftliche Forschungsarbeit zugunsten der maritimen Schutzzonen (MPA) zu fördern. „Das Ziel der INPA ist es, 20 Prozent der israelischen Küstengewässer bis idealerweise 2030 zu schützen“, erklärte Dr. Noga Sokolover, eine Meeresbiologin der israelischen Gesellschaft für Ökologie und Umweltwissenschaft.

Vor dem Errichten der Meeresschutzzonen müssen zunächst Eigentumsansprüche gerichtlich geklärt werden. Israel hat drei Meereszonen: das Küstengewässer, benachbartes Wasser und eine Zone zur Wasserbewirtschaftung. Die Küstenzone reicht 12 nautische Meilen ins Meer und steht unter israelischer Hohen. Die angrenzende Zone geht ein paar Dutzend Meilen darüber hinaus. Die größte Zone, eine exklusive wirtschaftlich genutzte Zone, reicht bis zu dem Punkt der Hälfte des Weges zwischen Israel und Zypern. In dieser Zone hat Israel die Pflicht, das Meer und seine Ressourcen zu bewahren, während andere Länder das Recht haben, in diesen Gewässern zu segeln, über sie hinwegzufliegen oder in ihnen Handel zu betreiben. Jede der drei Zonen hat unterschiedliche wirtschaftliche und politische Verpflichtungen, was den Prozess der Umsetzung der Schutzzonen durch die INPA nur erschwert.

Innerhalb der unterschiedlichen Zonen haben unterschiedliche Regierungsbehörden das Sagen. Das Innenministerium ist für die Bekanntgabe von Meeresschutzzonen zuständig und verfügt über die Gerichtsbarkeit innerhalb des Küstengebietes. Dem Wirtschaftsministerium untersteht die Wirtschaftstätigkeit auf dem Meer und übt seine Befugnis vor allem in den angrenzenden und exklusiven Wirtschaftszonen aus. Zwischen beiden Ministerien besteht ein Interessenkonflikt, da Dinge, die für die Wirtschaft am besten sind, nicht immer für die Umwelt am besten sind. Dr. Sokolover dazu: „Das Wirtschaftsministerium kümmert sich vorrangig um wirtschaftliche Angelegenheiten, was wiederum das Innenministerium zurückwerfen könnte. Das Potenzial ist vorhanden, um Schutzzonen mit dem Wirtschaftsministerium zu errichten, es bestehen jedoch Risiken, da seine Agenda sich jederzeit ändern kann.“ Durch das konsequente Eintreten für die Umwelt ist es gelungen, die israelische Regierung dazu zu bewegen, Schleppnetzfischerei im Norden Israels und andere Fischereimethoden komplett zu verbieten. Doch das Ringen um weitere Schutzzonen geht weiter.

Bereits vor Jahrzehnten begann der Ruf nach einer Errichtung solcher Schutzzonen. Die Europäische Umweltbehörde hat in den 1990ern Studien durchgeführt, die das Mittelmeer als konzentriertes Becken klassifizierten. Das bedeutet, dass die Verdunstung größer ist als der Niederschlag oder andere Wasserzufuhren, was zu einem Wasserdefizit von 2500 Kubikkilometern pro Jahr führt – ein Trend, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat.

Die Gewässer des Mittelmeeres werden in Zukunft salziger und wärmer, was zu einem weiteren Rückgang der Artenvielfalt führen wird, besonders im östlichen Becken, wo die Nährstoffe bereits minimal sind. Der Tourismus, die Landwirtschaft und die Bevölkerungszunahme haben diese Entwicklung beschleunigt. Die Folge sind Überdüngung von Gewässern und Verunreinigung mit Plastikmüll in den Küstengewässern. Von allen größeren Städten der 22 Länder am Mittelmeer ist Tel Aviv mit 21 kg Abfall pro Kilometer die der drittgrößte Umweltverschmutzer, was Plastikmüll betrifft.

Die niedrige biologische Produktionsrate und Artenvielfalt im östlichen Mittelmeer kann auch dem Assuan-Staudamm am Nil zugeschrieben werden. Dieser Staudamm hemmt wichtige Nährstoffe wie Phosphor oder Nitrogen, die sonst aus dem Nil in das östliche Mittelmeer flossen. Zudem wird die Zufuhr von Frischwasser drastisch gehemmt, ein wichtiger Faktor, der den Salzgehalt beibehält. Sogar ein Großteil des Sandes an den israelischen Stränden stammt ursprünglich von den ägyptischen Dünen am Nil.

Der Ausbau des Suez-Kanals hat natürliche Lebensräume zerstört und Wege geschaffen, auf denen invasive Tierarten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer gelangen können. Flora als auch Fauna der Artenvielfalt im Meer sind infolge dessen betroffen. Dr. Adi Levi, Meeresökologe und wissenschaftlicher Direktor der israelischen Gesellschaft für Ökologie und Umweltwissenschaften berichtet: „Mehr als 350 Arten invasiver Fischarten, Quallen, Algen und Weichtieren sind über den Suez-Kanal in das östliche Mittelmeer gelangt. Diese eindringenden Arten machen mittlerweile 23-44 % aller Fische und 95 % aller Weichtiere am Achziv Marine Reservat und an den Riffen der südlichen Meeresbuchten von Haifa aus. Die invasiven pflanzenfressenden Fische wie der Siganus rivulatus oder der Siganus luridus (Arten, die zu den Kaninchenfischen gehören) stammen ursprünglich aus dem Indischen Ozean und haben die Morphologie der Makroalgen-Ökosysteme an den Küsten dramatisch verändert.

„Auch die Geografie des Mittelmeeres spielt eine Rolle. Die Straße von Gibraltar ist der einzige Hauptzugang zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer. Daher muss alles nährstoffreiche, relativ kalte Ozeanwasser durch eine 13 Kilometer weite, 360 Meter tiefe Meerenge. Weil diese relativ flach ist, können nur höher gelegene atlantische Wasser durch die Enge hindurch. Sie gelangen durch die Straße von Sizilien, unterhalb der südlichen Küste Italiens, wo der Meeresgrund sogar noch höher liegt (316 Meter u.d.M.) In Folge dieses Prozesses verbleibt eine nicht geringe Menge der nährstoffreichen Wasser im westlichen Becken des Mittelmeeres. Das östliche Mittelmeer verbleibt ultra-oligotrophisch, warmer und salziger. Diese Phänomene sind der Grund, weshalb das östliche Becken nur halb so viel Artenvielfalt und eine Primärproduktionsrate hat, die dreimal niedriger als im westlichen Becken ist.

Einführung von Meeresschutzzonen

Der Yad Haniv Fund schreibt momentan ein drittes Angebot für ein Forschungsprojekt aus, das herausfinden soll, wie die Schutzzonen der Umwelt zugutekommen. Wissenschaftler werden sich auf bestimmte Gebiete an der israelischen Küste konzentrieren, darunter Evtach, Hof Hasharon, Rosh Hanikra und Atlit. Israelische Wissenschaftler wollen durch dieses Forschungsvorhaben herausfinden, inwiefern Gefahrenquellen wie Bohrungen, Fischerei, Aquakultur, Umweltverschmutzung, invasive Arten und der Klimawandel die verschiedenen Arten des israelischen Meeresökosystems verändert haben.

Israels Mittelmeerküste ist 195 Kilometer lang und birgt 4000 km2 an Küstengewässern sowie 22.000 km2 an exklusivem Wirtschaftsgewässer. Innerhalb dieser Grenzen gibt es sieben Yachthäfen und fünf aktive Seehäfen. 2200 Tonnen Fisch werden pro Jahr gefangen. Entlang der Küste gibt es nur neun Schutzzonen, die meisten von ihnen kleine Küstenreservate, noch immer in der Planungsphase. Die Errichtung und der Betrieb von Meeresschutzzonen wird dabei helfen, das Meeresleben zu bewahren und eine Umwelt zu schaffen, in der Arten gedeihen können.

 

ZAVIT –Israel’s Science and Environment News Agency

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