Mein Israel

Das laute Prasseln der Regentropfen hat mich zum Nachdenken bewegt, am Ende war mir wieder klar: Ich liebe Israel!

von Dov Eilon |
Tel Aviv Habima Platz Foto: Miriam Alster/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Heute früh wurde ich vom lauten Prasseln der Regentropfen gegen die Fensterscheibe geweckt. Ich wurde mitten aus einem recht interessanten Traum gerissen, an den ich mich jetzt leider kaum noch erinnern kann. Alle möglichen Personen aus der Vergangenheit und Gegenwart mischten sich dort zu einer recht interessanten Geschichte zusammen, deren Ende ich wegen des starken Regens nun nie erfahren werde.

So fand ich mich etwas früher als sonst auf den Beinen in Richtung Badezimmer wankend mit einem schweren Kopf voller Gedanken über vergangene Zeiten und mein Leben hier in Israel. Alles hatte sich irgendwie vermischt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir ausgerechnet am Morgen gleich nach dem Aufstehen Gedanken über das Leben mache, besonders mein Leben und die ganze Geschichte, die mich vor fast 33 Jahren hier nach Israel führte. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, mit welch einer Selbstverständlichkeit das Hebräisch aus meinem Mund kommt. Es ist fast so, als hätte ich meine Muttersprache ausgetauscht. Auch die Tatsache, dass ich mit meinen Kindern ausschließlich Hebräisch spreche, bringt mich immer wieder zum Staunen. Und dann kommt der Moment, wo ich mir vorstelle, wie mein Leben heute wäre, wenn ich in Deutschland geblieben wäre.

Denn für meinen Entschluss, nach Israel zu gehen, habe ich einen hohen Preis bezahlt. Das war mir damals als 22-Jähriger kaum bewusst. Erst als meine Eltern älter wurden, wurde mir klar, dass ich sie dadurch viel weniger sehen konnte.  Allerdings flog ich (den Billigtickets sei Dank) in den letzten Jahren oft viermal im Jahr nach Deutschland zu meinen Eltern, sodass ich meine Eltern sogar öfter sah als einige meiner Freunde, die nur in eine entfernte Stadt gezogen waren. Auch hat mir die Technologie geholfen, die Entfernung zu meinen Eltern etwas zu überbrücken.

Nach dem Lockdown: Ich liebe es, unter Menschen zu sein.

Sie sehen, meine Gedanken sind hin- und hergerissen. Aber wenn ich dann auf mein Leben heute schaue, stehe ich voll hinter meinen Entscheidungen. Wenn ich auf meine Familie schaue, die ich hier aufgebaut habe, dann kann es einfach nicht falsch gewesen sein, nach Israel zu kommen. Denn hier fühle ich mich zu Hause. Auch bin ich irgendwie immer geführt worden. Das sage ich, obwohl ich vielleicht den Eindruck eines nicht-religiösen Juden mache. Aber anders kann ich mir meinen ganzen Weg hierher nicht erklären. Mein Platz ist einfach hier in Israel, mit meiner Familie. Ich liebe die Atmosphäre in diesem Land, ich liebe sogar das ganze typisch israelische Durcheinander, „Balagan“ auf Hebräisch (בלגן), ja von dem haben wir hier genug. Ich mag die Verbindung zwischen den Menschen, es ist kein Zufall, dass mich der Verkäufer am Falafelstand „mein Bruder“ nennt, wenn er meine Bestellung aufnimmt. Ja, auch oder gerade in schweren Zeiten, ist dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit besonders stark. Ich sage das, auch wenn man gerade jetzt soviel darüber hört, wie gespalten wir hier im Land sind. Aber ich bestehe darauf, auch wenn wir uns darüber streiten, wer unser Land am besten führen kann oder wie wir endlich dieses Coronavirus loswerden können, wir stehen zusammen.

Zur Zeit zwar nur einmal die Woche, aber ich komme gerne in unsere Redaktion (das weiße Gebäude links, oberster Stock).

Auch bei uns in der Redaktion ist das zu spüren. Wir sind dort wie eine kleine Version unseres Landes, denn unser Team besteht aus Menschen verschiedener Religionen und Ansichten. Wir haben „nicht-religiöse“ Juden, orthodoxe Juden, traditionelle Juden, messianische Juden, Muslime und Christen und wir kommen alle wunderbar miteinander aus. Jeder wird respektiert, niemand versucht, den anderen seinen Glauben aufzudrängen. Das heißt nicht, dass wir keine heißen Diskussionen führen. Die haben wir, ich liebe es sogar, wenn jeder von seiner Welt und seinem Glauben erzählt. Aber wir bleiben immer eine Einheit, das ist, was ich an Israel so liebe und schätze, meinem Israel.

Ist es nicht erstaunlich, was für Gedanken das Prasseln der Regentropfen auslösen kann? Und wenn ich schon den Regen erwähne, der wird uns auch heute begleiten. Hier kommt das Wetter.

Regen in Jerusalem

Das Wetter für heute in Israel

Vom Norden bis zum nördlichen Negev kann es heute zu vereinzelten Regenschauern und Gewittern kommen, die gegen Nachmittag nachlassen werden. Es bleibt kalt. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 9 Grad, Tel Aviv 16 Grad, Haifa 13 Grad, Tiberias am See Genezareth 16 Grad, am Toten Meer 20 Grad, Beersheva 16 Grad, Eilat am Roten Meer 21 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,28  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 48 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Donnerstag und schon jetzt ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. Machen Sie es gut und bleiben sie optimistisch.

 

Schalom aus Modiin!

 

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