Mansour Abbas – „Wir sind drin. Jetzt müssen wir das Spiel spielen“

Der islamistische Abgeordnete, der als Pragmatiker bekannt ist, sagt, er erkenne Israel als jüdischen Staat an und erläutert seine Aufgabe in der Koalition.

von Stan Goodenough | | Themen: Israelische Araber, Israel
Mansour Abbas Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Der israelisch-arabische Knessetabgeordnete Mansour Abbas hat am Dienstag die Aufmerksamkeit der Israelis im ganzen Land erregt, als er einräumte, dass „der Staat Israel als jüdischer Staat geboren wurde“.

Abbas führt die islamistische Ra’am-Partei (Vereinte Arabische Liste) an, einen winzigen, aber entscheidenden Bestandteil der Bennett-Lapid-Koalition, die er wahlweise unterstützen und zu Fall bringen kann. Er tätigte diese – auf den ersten Blick – erstaunliche Aussage gegenüber dem Interviewer Mohammed Majadele auf der Globes Israel Business Conference in Tel Aviv.

Majadele reagierte verwirrt. „Warten Sie einen Moment“, unterbrach er in einem Ton, der ein wenig ungläubig klang, „der Staat Israel wurde geboren…?“

„Er wurde als jüdischer Staat geboren und wird ein jüdischer Staat bleiben. Punkt“, wiederholte Abbas unter dem Beifall der Zuhörer im Saal mit Nachdruck.

„Das habe ich noch nie gehört. Kein arabisches Mitglied der Knesset hat das je gesagt“, staunte Majadele.

Sein Erstaunen spiegelte sich in der Bedeutung wider, die Abbas‘ Worten in der israelischen Presse beigemessen wurde.

Abbas – von Beruf gelernter Zahnarzt – war der Dreh- und Angelpunkt, der es dem rechten Naftali Bennett und dem linken Yair Lapid ermöglichte, ihre ziemlich gegensätzliche Regierung zusammenzuschustern.

Der arabische Parlamentarier ist auch stellvertretender Vorsitzender des südlichen Zweigs der islamischen Bewegung in Israel, die der frommen, terroristischen Muslimbruderschaft angeschlossen ist.

Seine religiösen Referenzen sind es, die seine Erklärung über Israel erstaunlich, aber auch verdächtig machen.

Die palästinensisch-arabische Anerkennung Israels als „Staat“ ist nicht neu. Bereits im Dezember 1988 billigte Jassir Arafat von der Palästinensischen Befreiungsorganisation ein Dokument, in dem es heißt: „Die PLO erkennt das Existenzrecht des Staates Israel in der Region an.“ Der Terrorchef bestätigte dies in der Präambel des 1993 von ihm unterzeichneten Osloer Abkommens, in der es heißt: „Die PLO erkennt das Recht des Staates Israel an, in Frieden und Sicherheit zu existieren.“ **

Doch die Anerkennung Israels als souveräner jüdischer Staat in einem Gebiet, das zuvor unter muslimischer Herrschaft stand, ist dem Islam ein Gräuel. Das Land Israel war zwar nie ein islamischer (geschweige denn ein palästinensischer) Staat, wurde aber jahrhundertelang als Teil ihrer Reiche von muslimischen Kalifen regiert und lag somit nach islamischer Auffassung innerhalb des Dar el’Islam (Haus des Islam), das nach Ansicht dieser Religion niemals unter jüdische Herrschaft zurückkehren kann.

Das Beharren des ehemaligen Premierministers Benjamin Netanjahu darauf, dass Arafats Nachfolger, Mahmoud Abbas von der Palästinensischen Autonomiebehörde (nicht verwandt mit dem Knessetmitglied Mansour Abbas), Israel als jüdischen Staat anerkennt, wurde als Teil der Strategie des israelischen Premierministers verstanden, die Verhandlungen über die palästinensische Eigenstaatlichkeit zu blockieren. Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde lehnt diese Forderung nach wie vor strikt ab.

„Wir werden die Jüdischkeit des Staates Israel niemals anerkennen“, erklärte PA-Chef Mahmud Abbas 2014 ausdrücklich.

Und am 26. September letzten Jahres drohte er laut Al-Monitor damit, Israel in keiner Form mehr anzuerkennen.

Der Knessetabgeordnete Mansour Abbas sagt dagegen, sein Ziel sei es, das angestammte Land der Juden in zwei Staaten aufzuteilen.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat er versucht, sich innerhalb der israelischen Legislative pragmatisch zu positionieren, indem er einen schmalen Grat zwischen pro-palästinensischem Engagement und seiner Staatsbürgerschaft beschreitet. Einem kürzlich erschienenen ausführlichen Artikel über ihn im New Yorker zufolge hat er sogar zwei Berater, die für die eine und gegen die andere Seite argumentieren und ihm dabei helfen, zu entscheiden, welcher Seite er sich am besten zuordnen kann.

In einem Interview Anfang des Jahres sagte er: „Meine Rechte ergeben sich nicht nur aus meiner Staatsbürgerschaft. Meine Rechte ergeben sich auch daraus, dass ich ein Mitglied des palästinensischen Volkes bin, ein Sohn dieses palästinensischen Heimatlandes. Und ob es uns nun gefällt oder nicht, der Staat Israel mit seiner Identität wurde innerhalb des palästinensischen Heimatlandes gegründet.“

„Wir sind innerhalb [der Regierung], und jetzt müssen wir das Spiel spielen und Lösungen für die Probleme finden, auf die wir stoßen und mit denen wir auf die eine oder andere Weise umgehen müssen“, sagte er in dem Globes-Interview vom Dienstag.

Diese Herangehensweise, so sagte er, „wird sicherlich dazu führen, dass wir das Vertrauen stärken und uns auf einen Prozess zubewegen, in dem ein Staat Palästina hier neben dem Staat Israel errichtet wird, in Übereinstimmung mit der Vision, an die ich glaube.“

 

 

Nachtrag:

** Im darauf folgenden Jahr hat Arafat in einer Moschee in Johannesburg (Südafrika) die Osloer Vereinbarungen zurückgewiesen, indem er sie mit dem „verabscheuungswürdigen Abkommen“ verglich, das der Gründer des Islam Jahrhunderte zuvor mit einem jüdischen Stamm in Arabien geschlossen und dann gebrochen hatte. Arafat berief sich auf die Tekkiyah – einen islamischen Grundsatz, der es Muslimen erlaubt, ihre Feinde zu belügen und zu täuschen.

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