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Made in Israel: Israels Cybersicherheitsbranche zieht Milliarden an, während KI die Sicherheit verändert

Israelische Cybersicherheitsunternehmen haben in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 rund 4,3 Milliarden Dollar eingesammelt. Investoren setzen auf Unternehmen, die Daten schützen und kontrollieren, worauf KI-Systeme zugreifen dürfen.

Made in Israel
Die Büros von Intel Israel im Hightech- und Gewerbepark MATAM in Haifa. Bildquelle: Adobe Stock

(JNS) Israelische Cybersicherheitsunternehmen haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 2026 nach vorläufigen Daten von IVC-LeumiTech rund 4,3 Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt.

Diese Summe entspricht etwa 39 Prozent der gesamten Investitionen in Israels Technologiesektor, die sich in diesem Zeitraum auf 11 Milliarden Dollar beliefen – ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch nicht nur der Anteil am gesamten Investitionsvolumen ist beträchtlich. Unternehmen und Investoren stellen auch fest, dass zunehmend Geld in die Lösung eines besonders drängenden Problems der Branche fließt: die Absicherung künstlicher Intelligenz.

Während weiterhin Kapital in den Sektor strömt, wird Israels Rolle bei der Entwicklung von Lösungen für die nächste Phase der KI immer deutlicher. Die Pinpoint Search Group, die Unternehmen bei der Personalbeschaffung in der Branche unterstützt und Finanzierungsrunden erfasst, bezifferte die weltweiten Investitionen in die Cybersicherheit in den ersten drei Quartalen des Jahres auf 12,7 Milliarden Dollar. Die Datensätze sind nicht direkt miteinander vergleichbar, doch die Zahlen von IVC deuten darauf hin, dass Israel einen erheblichen Anteil ausmacht – bei einer einfachen Gegenüberstellung etwa ein Drittel.

Der Grund dafür könnte in neuen Risiken liegen, die entstehen, während Unternehmen diese Technologie zunehmend einsetzen.

Israelische Lösungen für globale Herausforderungen

Man stelle sich ein Unternehmen vor, das einem KI-Assistenten erlaubt, Kundendaten einzusehen, um Fragen zu Rechnungen zu beantworten. Derselbe Zugriff könnte jedoch dazu führen, dass diese Daten offengelegt oder nicht genehmigte Aktionen ausgelöst werden, wenn der Assistent manipuliert oder kompromittiert wird.

Sicherheitsunternehmen können KI einsetzen, um Netzwerke zu schützen, oder sie können die KI-Systeme selbst absichern. Mehrere große Finanzierungsrunden kamen Unternehmen zugute, die den Schutz dieser Systeme und der Daten, auf die sie zugreifen, ausbauen.

Ofer Schreiber, Seniorpartner und Leiter des israelischen Büros von YL Ventures, einer auf Investitionen in Cybersicherheit spezialisierten Gesellschaft, erklärte gegenüber JNS in schriftlichen Antworten, dass sich dieser Wandel auch bei den potenziellen Investitionen seines Unternehmens zeige.

„Unsere Daten zeigen, dass die Sicherheit von KI in diesem Jahr mit deutlichem Abstand die größte Kategorie unter den neu gegründeten Cybersicherheitsunternehmen ist“, sagte er.

Das Datensicherheitsunternehmen Cyera veranschaulicht diese Investitionsstrategie. Das Unternehmen vertritt die Auffassung, dass die Sicherheitssysteme von Unternehmen für Menschen und Anwendungen entwickelt wurden, nicht aber für autonome Software, die digitale Identitäten nutzt, Werkzeuge aufruft und mit Maschinengeschwindigkeit handelt. Im September gab Cyera bekannt, dass seine von Evolution Equity angeführte Finanzierungsrunde der Serie G durch eine Investition von 400 Millionen Dollar aus dem Wachstumsbeteiligungsbereich von Goldman Sachs Alternatives erweitert wurde.

Nach Angaben von Cyera überwacht sein Produkt Agent Guardian bereits die Werkzeugaufrufe, Datenbankabfragen und Aktionen von KI-Agenten. Mit der Übernahme des ebenfalls israelischen Unternehmens Oasis Security für eine Milliarde Dollar, die im Juli angekündigt und im September abgeschlossen wurde, sollen Identitäts- und Datensicherheit zusammengeführt und eine „Vertrauensinfrastruktur für KI“ geschaffen werden.

Ein weiteres Beispiel ist Zenity, das sich zum Ziel gesetzt hat, „das Zeitalter von einer Milliarde KI-Agenten abzusichern“. Das Unternehmen gab im August eine Finanzierungsrunde der Serie C über 125 Millionen Dollar bekannt und beschreibt seinen Ansatz als Kontrolle darüber, welche Handlungen einem KI-Agenten erlaubt sind, bevor er tätig wird.

Zusammengenommen zeigen diese milliardenschweren beziehungsweise dreistelligen Millionenfinanzierungen, in welche Richtung sich das Vertrauen der Investoren entwickelt und welche Rolle Israel bei der KI-Nutzung in Unternehmen spielen könnte, während diese versuchen, die Technologie sicher in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren.

Cyera hatte die Fragen von JNS bis zur Veröffentlichung nicht beantwortet. Zenity reagierte nicht auf Anfragen um eine Stellungnahme.

Warum Israel?

Der Weg vom Soldaten zum Unternehmensgründer ist in Israel gut dokumentiert. Viele israelische Gründer verfügen über jahrelange praktische Erfahrung in der Cybersicherheit innerhalb der israelischen Streitkräfte (IDF), sowohl bei defensiven als auch bei offensiven Operationen. Anschließend wechseln sie zu Sicherheitsunternehmen, die frühere Generationen israelischer Gründer aufgebaut und zu großen Unternehmen entwickelt haben.

„Aus Sicht eines Investors bedeutet das, dass diese Teams von Anfang an sowohl die Angreifer als auch die Unternehmenskunden verstehen“, sagte Schreiber. „Die Konzentration dieses Talents und der gesammelten Erfahrung beim Aufbau marktführender Sicherheitsunternehmen in einem einzigen kleinen Land ist weltweit nur sehr schwer zu erreichen.“

Die Ergebnisse bestätigen seine Einschätzung. In diesem Jahr wurden historische Übernahmen größerer Unternehmen abgeschlossen, statt lediglich neue Unternehmen zu finanzieren. In den ersten drei Quartalen 2026 schloss Google die Übernahme von Wiz für 32 Milliarden Dollar ab, während Palo Alto Networks im Februar die Übernahme von CyberArk für 25 Milliarden Dollar vollendete. Beide Geschäfte waren bereits 2025 angekündigt worden.

In diesem Monat vereinbarte Proofpoint die Übernahme von Varonis, einem von Israelis gegründeten Datensicherheitsunternehmen, für rund 6,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig befindet sich CrowdStrike in fortgeschrittenen Gesprächen über den Kauf von Orion Security für etwa 500 Millionen Dollar. Es wäre die siebte Übernahme eines israelischen Unternehmens durch CrowdStrike. Zusammengenommen deuten diese Entwicklungen darauf hin, dass die Aktivität im verbleibenden Jahresverlauf ein ähnliches Niveau erreichen könnte wie in den ersten drei Quartalen.

Auch jüngere Unternehmen sammeln Kapital ein und werden übernommen. Rein Security gab im Oktober eine Finanzierungsrunde der Serie A über 25 Millionen Dollar bekannt, während Pluto Security nach einer Phase der Entwicklung im Verborgenen mit einer Gesamtfinanzierung von 42 Millionen Dollar erstmals öffentlich in Erscheinung trat.

Die Aktivitäten in früheren Entwicklungsphasen zeigen, dass Anbieter weltweit auf israelische Lösungen zurückgreifen können, unabhängig davon, wie weit diese bereits entwickelt sind, während neue Marktsegmente entstehen.

Erstgründer und die höheren Anforderungen in der Frühphase

Auch bei den Gründern selbst hat sich ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Während israelische Unternehmensgründer früher vor allem für ihre technologische Kompetenz bekannt waren, sind die heutigen Gründer zunehmend umfassend aufgestellte Unternehmensentwickler mit einer stärkeren geschäftlichen Orientierung.

„Diese Entwicklung ist für internationale Risikokapitalgeber sehr attraktiv, die mit den ehrgeizigsten Gründern in jedem Marktsegment zusammenarbeiten wollen – mit Menschen, die das Potenzial haben, bedeutende Unternehmen aufzubauen“, sagte Schreiber.

Investoren unterstützen zwar weiterhin Neueinsteiger, doch die Maßstäbe verändern sich. Laut Schreiber erwarten Investoren zunehmend schon in einem wesentlich früheren Stadium zahlende Kunden oder ein Produkt, das sich unter realen Bedingungen in Unternehmen bewährt hat. Das bedeutet, dass die ersten 18 Monate für die heutige Generation von Gründern im Cybersicherheitsbereich entscheidender sind als in früheren Zeiten.

JNS berichtete im März, dass die Bewertungen der besonders umkämpften Start-ups in der Pre-Seed-Phase um 17 Prozent auf 13,5 Millionen Dollar gestiegen waren. IVC meldete jedoch später, dass die Finanzierung israelischer Technologieunternehmen von der Pre-Seed-Phase bis zur Serie A im zweiten Quartal zurückgegangen sei. Auf Finanzierungsrunden in mittleren und späten Entwicklungsphasen entfielen dagegen 83 Prozent des Kapitals. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten israelischen Technologiesektor und nicht ausschließlich auf die Cybersicherheit.

Die boomenden Zahlen aus Israels Cybersicherheitsbranche könnten daher einen anderen, wesentlich schwierigeren Wettbewerb um Kapital unter jüngeren Unternehmen verdecken, die mit höheren Hürden konfrontiert sind. Der Großteil des Kapitals fließt an etablierte Unternehmen, die eigenständig wachsen oder eine Übernahme anstreben.

Bleibt die Wertschöpfung in Israel?

Große Transaktionen im Technologiesektor sichern nicht zwangsläufig die Arbeitsplätze in den betroffenen Unternehmen. Die im Juli angekündigte Vereinbarung von CrowdStrike zur Übernahme des geistigen Eigentums von XM Cyber umfasste weder dessen Umsätze noch dessen Kunden. Die israelische Wirtschaftszeitung Calcalist berichtete, dass nur 50 der rund 300 israelischen Mitarbeiter im Unternehmen verblieben seien.

Schreiber bezeichnete das Geschäft als ungewöhnlich: Die deutsche Schwarz-Gruppe hatte XM Cyber 2021 übernommen, und CrowdStrike erwirbt nun lediglich das geistige Eigentum von Schwarz.

Er sieht darin keinen Hinweis darauf, welchen Wert CrowdStrike, das bereits sechs israelische Unternehmen übernommen hat, der Forschung und Entwicklung in Israel beimisst. Zugleich argumentierte er, dass aus jedem erfolgreichen Unternehmensverkauf eine neue Generation von Gründern hervorgehen könne.

„Jede Übernahme im israelischen Cybersicherheitssektor fördert die nächste Generation von Unternehmen“, sagte er.

Für diejenigen, die Israels Aktivitäten im Cybersicherheitsbereich von außen beobachten, ist die Unabhängigkeit der Unternehmen möglicherweise der beste Maßstab für die Gesundheit der Branche.

„Der Indikator, den ich am aufmerksamsten verfolgen würde, ist unsere Fähigkeit, in Israel echte Marktführer in ihren jeweiligen Bereichen hervorzubringen“, sagte Schreiber. „Unternehmen, die zu unabhängigen Marktführern heranwachsen, bilden über Jahrzehnte hinweg das Fundament eines Ökosystems – durch die Fachkräfte, die sie ausbilden, und die Gründer, die aus ihnen hervorgehen.“

Die Finanzierungssummen haben das ganze Jahr 2026 über die Schlagzeilen beherrscht und zeigen das Vertrauen der Investoren in die Start-up-Nation, insbesondere in ihren Cybersicherheitssektor.

Die nächste Herausforderung wird darin bestehen, ob Israel einige rekordverdächtige Quartale in Unternehmen verwandeln kann, die ihre jeweiligen Märkte über viele Jahre hinweg anführen.

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Patrick Callahan

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