Ludwig Schneider

Jüdische Erwartung & Christliche Hoffnung

Ludwig Schneider
von Ludwig Schneider

Der Theologe und Antisemitismusforscher Dr. Rudolf Pfisterer (1914-2005) machte mich auf den Unterschied von jüdischer Erwartung und christlicher Hoffnung aufmerksam.

Illustration Foto: Simon Blüthenkranz/Pixabay

Er war der Herausgeber der sechsbändigen „Geschichte des Antisemitismus“. Wir beide kämpften gegen die oberflächliche Theologie, die die Ursache vieler Vorurteile ist.

 Das hebräische Wort für Hoffnung ist Tikwa – ……….. Deswegen nannte man Israels erste Stadt der Neuzeit Petach Tikwa – Tor der Hoffnung. Der Begriff Hoffnung drückt hier das aus, was in Esra 10,2 steht: „Wir haben uns an Gott versündigt, aber trotzdem ist Hoffnung für Israel da“.

Ein anderes Wort für Hoffnung ist Erwartung im Sinn von „in froher Erwartung“ Lehamtin – …………. Etymologisch: in guter Erwartung – in baldiger Erwartung. So sind Tikwa und Lehamtin trotz ihrer Verschiedenheit verwandt: „In guter Hoffnung und froher Erwartung“.

Mir geht es um den bibelsprachlichen Unterschied zwischen der jüdischen Erwartung im Vergleich zur christlichen Hoffnung.

Weil Gott das jüdische Volk unwiderruflich erwählt hat (5. Mose 7,6; Römer 11,29) gilt im Judentum die verbürgte „Erwartung“. Bei den Christen dagegen die „Hoffnung“. Für die Juden ist die Erwartung wie ein Wecker, der von Gott gestellt wurde und garantiert zu der von Ihm bestimmten Zeit abläuft, ob die Juden daran glauben oder nicht.

Wer nun meint, Gott würde die Juden, weil sie sein auserwähltes Volk sind, bevorzugen, der irrt, denn Gott hat kein Volk auf Erden so hart für seine Sünden bestraft und erzieherisch gezüchtigt, wie seine Juden. Daher schreibt der Hebräerschreiber „Wen der HErr lieb hat, den züchtigt er und geißelt jeden Sohn, den Er aufnimmt (12,6). Und in Offenbarung 3,19 heißt es: „Ich weise zurecht und züchtige alle, die ich lieb habe.“

Israel ist durch seine Existenz ein unübersehbarer Hinweis auf die garantierte Einlösung der Verheißungen Gottes. Das Volk Israel lebt und die Gemeinde Jesu ebenso, denn die christliche Hoffnung ist die Tochter der jüdischen Erwartung!

Die Welt verurteilt die Juden als erratischen Block, der sich verirrt hat und deswegen zerstreut wurde. Dabei sind die Juden als Volk in der Welt die einzige Konstante, denn Gott hat das jüdische Volk in Geschlossenheit erwählt (5. Mose 7,6); anders dagegen die Christen, die als Einzelpersonen von Gott erwählt werden (Johannes 15,16).

Juden und Christen sind beide noch unterwegs. Juden besitzen ein Gemeinschaftsticket; Christen dagegen ein Einzelticket. Daher kann es auch keine „christliche Nation“ geben, wohl aber einen „Judenstaat“.

Es ist ein folgenschwerer Irrtum der Kirche, dass sie sich in dieser Welt fest eingebürgert hat, steht doch in Hebräer 13,14, dass wir hier keine bleibende Stadt haben, weil wir die zukünftige noch suchen.

Eine irdische Hoffnung der Christen stimmt nicht mit Gottes Heilsplan überein und kann daher auch nicht in Erfüllung gehen. Ungeachtet dessen hat die Kirche den Juden die Schuld für die nicht in Erfüllung gegangenen irdischen Wünsche gegeben. Und das, obwohl Jesus sagt, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist.

Ganz anders dagegen sind die Juden als Reich Israel eine irdische Nation. Aus diesem Grund dominiert im Judentum die menschliche Erwartung vom Kommen des Messias, der auf dieser Welt sein Reich errichten wird, das ein Gottesreich auf Erden sein wird. Daher ist die Erwartung der Juden (Lehamtin) als irdische Erwartung anders als die christliche Hoffnung, die im Jenseits fußt.

Durch Jesu Erlösung wurden Juden und jesusgläubige Nichtjuden zusammengeschlossen. In der Geschichte gingen Juden und Christen leider getrennte Wege, sie entfernten sich voneinander und wurden sich fremd, so dass Argwohn und Hass das gegenseitige Verhältnis bestimmte. Sogenannte Christen fühlten sich berufen, im Namen des Kreuzes Juden millionenfach abzuschlachten oder zu vergasen.

Ungeachtet dessen hat Gott weder die jüdische Erwartung noch die christliche Hoffnung aufgelöst und wird seinen Heilsplan pünktlich und komplett zu Ende bringen.

So wie es einen Unterschied zwischen Tikwa (Hoffnung) und Lehamtin (Erwartung) gibt, die jedoch wie ein von Gott zusammengeführtes Ehepaar fungieren, genauso bleibt die Einheit trotz unverwechselbarer Unterschiede zwischen Adam und Eva, Mann und Frau, und Israel und Gemeinde bestehen.

Daher erwarten die Juden den kommenden Messias und die Christen hoffen auf den wiederkommenden Christus. So oder so gehören Juden und Christen zusammen.

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3 Antworten zu “Jüdische Erwartung & Christliche Hoffnung”

  1. Silvia Arnheiter sagt:

    Wie schön, wieder einmal etwas von Ludwig Schneider zu lesen.

  2. One sagt:

    Ludwig Schneider war ein sehr weiser Mann.

  3. Daniel Fischer sagt:

    Was bedeutet dann das Wort:?
    Röm 10:11 Denn die Schrift sagt: »Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«
    12 Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anrufen;
    13 »denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden«.

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