Jesaja und die Verheißung für die Heiden

“Denn mein Haus soll ein Haus des Gebets für alle Völker genannt werden.” (Jesaja 56,6-7)

Jesaja und die Verheißung für die Heiden
Pierre Terdjman/Flash 90

Israel hat immer eine Beziehung zu anderen Nationen gehabt, die als oft auch als Hassliebe bezeichnet werden kann.

Positive Emotionen dieser Beziehung stammen meist aus dem Wunsch, als ein gewöhnliches, friedliches Land wahrgenommen zu werden, frei von Aufruhr und internationaler Kontrolle. Auch Partnerschaft und Hilfe beim Wiederaufbau des Landes, insbesondere von den vielen Christen, die zu Israel stehen, spielen eine große Rolle.

Die negativen Emotionen kommen von Jahrtausenden von Konflikten, Exil, Krieg, Antisemitismus und Verfolgung bis zum heutigen Tag. Des Weiteren gibt es die biblischen Ermahnungen, nicht den götzendienerischen Wegen der Nationen zu folgen. Und obendrein vielleicht eine gemeinsame Dosis ethnischen Stolzes.

 

Das Urteil der Nationen

In den hebräischen Schriften, einschließlich im Buch der Prophezeiungen Jesajas, stehen einige ziemlich harte Dinge über die Nationen geschrieben. Zahlreiche Verweise auf die Nationen beleuchten die Verderbtheit der Menschheit in der Sünde, die sich Gottes Plänen widersetzt und gegen seine Souveränität rebelliert. Dazu gehören vernichtende Zurechtweisungen und erschreckende Vorhersagen über das Gericht wie:

Siehe, der Name des Herrn kommt von ferne! Sein Zorn brennt, mächtiger Rauch steigt auf; seine Lippen sind voll Grimm und seine Zunge wie ein verzehrendes Feuer, und sein Atem ist wie ein überschwemmender Wasserstrom, der bis an den Hals reicht, dass er die Nichtigkeit der Heiden durch das Sieb erweise und an die Kinnbacken der Völker den irreführenden Zaum lege.“ (Jes. 30,27-28)

„Und so zertrat ich die Völker in meinem Zorn und machte sie trunken mit meinem Grimm“ (Jes. 63,6)

 

Hoffnung und Sehnsucht nach den Nationen

Doch zusammen mit diesem Exposé des Bösen und dem Gericht über die Nationen hielt Jesaja die Offenbarung von Gottes Herzensliebe für alle Völker fest. Jesaja erhielt von beiden Seiten dieser “Medaille” eine erstaunliche Offenbarung. Dieser israelisch-zionistische Prophet sah nicht nur die Erlösung des jüdischen Volkes durch Gott, sondern auch eine Zeit, in der die Nationen zu Israel kommen würden, nicht um Krieg gegen sie zu führen, sondern um zu lernen, ihrem Gott zu gehorchen:

Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, … viele Völker werden hingehen und sagen: »Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln!« Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“ (Jes. 2,2-3)

„Und es wird geschehen an jenem Tag, da werden die Heidenvölker fragen nach dem Wurzelspross Isais…“ (Jes. 11,10)

Jesaja überwand die menschliche Neigung, nur an die eigene Volksgruppe zu denken. Das Buch Jesaja bringt den Wunsch Gottes zum Ausdruck, alle Völker zu erlösen, nicht nur Israel.

„Ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«“ (Jes. 49,6)

Und die Fremdlinge, die sich dem Herrn anschließen, um ihm zu dienen … die will ich zu meinem heiligen Berg führen und sie in meinem Bethaus erfreuen; … denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden.“ (Jes. 56,6-7)

„Und Heidenvölker werden zu deinem Licht kommen … und mit Freuden das Lob des Herrn verkündigen.“ (Jes. 60,3-6)