Israel Heute Morgen

Während es hier bei uns in Jerusalem noch sonnig ist bei strahlend blauen Himmel, werden aus dem Norden erste Regenschauer gemeldet. Die Knesset hat gestern wieder ihre Arbeit aufgenommen. Ein paar Worte über die Zukunft des öffentlichen Rundfunks in Israel und den Hintergrund des Hin und Her von Ministerpräsident Netanjahu, die Pläne für eine Wohnungssteuer des Finanzministers und natürlich das Wetter für heute in Israel.

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Guten Morgen liebe Leser!

Während es hier bei uns in Jerusalem noch sonnig ist bei strahlend blauen Himmel, werden aus dem Norden erste Regenschauer gemeldet. Es wird wohl noch etwas dauern, bis der Regen auch uns erreichen wird. So schön der Sonnenschein draußen auch ist, ich freue mich auf den Regen.

Der Blick aus dem Fenster meines Büros heute früh:

Und hier haben Sie erste Bilder vom Regen in Jerusalem.

Und nun die etwas längere Wettervorhersage für heute in Israel:

Meist bewölkt und noch etwas kühler. Vereinzelte Rehenschauer im Norden und Mitte des Landes. Im Norden einzelne Gewitter möglich. Starke Winde. Sandstürme in der Negev-Wüste. Am Abend Regenschauer vom Norden bis Süden. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 21 Grad, Tel Aviv 24 Grad, Haifa 23 Grad, Tiberias am See Genezareth 25 Grad, am Toten Meer 30 Grad, Eilat am Roten Meer 28 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth liegt derzeit unverändert bei -213.715 m unter dem Meeresspiegel.

Vielleicht bekommt der Genezareth-See jetzt endlich mal etwas Wasser, damit ich bald von einem Ansteigen des Wasserpegels berichten kann. Momentan is er noch immer am Sinken.

Gestern hat die Knesset, das Parlament, wieder ihre Arbeit aufgenommen. Davon hatte ich ja schon gestern berichtet. Sicher ist, dass dieser Winter nicht langweilig werden wird. Das Hauptthema ist weiterhin die Zukunft des Öffentlichen Rundfunks. Schon seit zwei Tagen schreibe ich darüber und es mag eigenartig sein, dass ausgerechnet dieses Thema das ganze Land beschäftigt. Ministerpräsident Netanjahu hat gestern in seiner Rede klar gemacht, was sein Ziel ist, als er sagte: „Wir werden den Israelischen Rundfunk wieder aufbauen!“.

Vor zweieinhalb Jahren hatte er sich noch zusammen mit dem damaligen Finanzminister Lapid und Kommunikationsminister Erdan für die Schließung des Israelischen Rundfunks (IBA) und den Aufbau eines neuen Rundfunks, der „Israelischen Sendekooporation“ ausgesprochen. Die Angestellten des alten Rundfunks, darunter auch ich, gingen auf die Strassen, um zu demonstrieren und unseren Arbeitsplatz vielleicht doch noch zu retten. Aber die Regierung war fest entschlossen, einen neuen Rundfunk zu gründen, da es in ihren Augen unmöglich war, den alten, historischen Rundfunk zu sanieren. So begann eine Welle des freiwilligen Ausscheidens aus dem Dienst. Auch ich habe letztendlich diese Möglichkeit genutzt, denn diese Ungewissheit, wie es weitergehen soll, war einfach zu groß. So habe ich den Rundfunk nach 22 Jahren verlassen. Und nun? Jetzt hat es Netanjahu es sich wieder anders überlegt. Die neue Sendekooperation mit dem tollen Namen „Kan“ (hebr. „Hier“) hat bereits um die 500 Menschen angestellt, die im Januar 2017 ihre Arbeit aufnehmen sollen. Auch vom alten Rundfunk haben zahlreiche Angestellte bereits Arbeitsverträge bei „Kan“ unterschrieben, das ist Teil des Abkommens mit den Gewerkschaften, wonach 51% der Angestellten des Israelischen Rundfunks von der neuen Sendekooperation übernommen werden sollen. Sollte sich die Regierung in der nächsten Woche nun für die Auflösung der neuen Sendekooperation entscheiden, wird die Verwirrung groß sein. Was passiert mit den bereits angestellten 500 Mitarbeitern? Können sie zu ihren alten Arbeitsplätzen zurück ?Vor zwei Tagen waren es die Angestellten der neuen Sendekooperation, die so wie wir damals auf die Strasse gingen und gegen die nun geplante Auflösung ihres Arbeitsplatzes demonstrierten. Netanjahu wird beschuldigt, aus Angst vor einem unabhängigen Rundfunk diesen Schritt gehen zu wollen. Vor einiger Zeit meinte die Kulturministerin Miri Regev: „Was nützt uns diese Sendekooperation wenn wir sie nicht kontrollieren können?“ Eine etwas problematische Frage.

Dennoch wünsche ich persönlich, dass dem alten Israelischen Rundfunk eine Chance gegeben wird. Ich wünsche es meinen ehemaligen Arbeitskollegen. Aber dieses Hin und Her der Regierung hätte man sich von Anfang an sparen können. Schon im Jahr 2009 hatte die Regierung mit den Personalräten des Rundfunks auf eine Reform geeinigt. Auch dieses Abkommen wurde dann nicht gehalten, als man sich 2014 für die Schließung des Rundfunks entschied. Ein ewiges Hin und Her. Der Israelische Rundfunk ist es wert, erhalten zu werden, viele Schätze liegen dort im Archiv.

Für einen kurzen Blick in meine Zeit am Israelischen Fernsehen klicken Sie bitte hier.

Finanzminister Kachlon ist gegen den Plan Netanjahus und ist auch der gestrigen Eröffnungssitzung der Knesset ferngeblieben. Er plant seinerseits für den nächsten Haushalt eine neue Besteuerung für Wohnungseigentümer, die drei oder mehr Wohnungen besitzen. Ab der dritten Wohnung sollen sie für diese Wohnungen eine jährliche Steuer zahlen. Kachlon hofft, dass die Wohnungseigentümer dann lieber auf ihre Wohnungen verzichten und sie verkaufen werden, so dass es wieder mehr Wohnungen auf dem Markt geben wird, was dann einer Senkung der hohen Wohnungspreise führen könnte. So hofft es Kachlon. Dieser Gesetzesvorschlag ist ebenfalls sehr umstritten. Viele Eigentümer haben bereits Mieterhöhungen angekündigt, um damit die neue Steuer finanzieren zu können. Nun meinen viele, dass Finanzminister Kachlon am Ende den Plänen Netanjahus für den Rundfunk zustimmen wird, wenn gleichzeitig die Besteuerung der Wohnungen beschlossen werden wird.

Über das Problem der hohen Wohnungspreise werde ich ein anderes Mal schreiben. Sie haben sicher bemerkt, dass mir die Zukunft meines ehemaligen Arbeitsplatzes, dem Israelischen Rundfunk, sehr am Herzen liegt. Daher ist dieses „Heute Morgen“ etwas länger geworden.

Nun wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Dienstag, machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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