Israel debattiert über eine COVID-19-Impfpflicht

Hohe Regierungsvertreter erörtern das Für und Wider einer Impfpflicht, betonen aber, es gebe derzeit keine konkreten Pläne

von Israel Heute Redaktion | | Themen: Coronavirus
Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Israels „Corona-Zar“ sagte vergangene Woche, der jüdische Staat müsse die Möglichkeit in Betracht ziehen, COVID-19-Impfstoffe für alle Bürger vorzuschreiben. Andere erwiderten, dies werde Israel zu einer Diktatur machen.

Israel schreibt derzeit keine Impfung gegen das Coronavirus vor, obwohl viele argumentiert haben, es gebe einen starken staatlichen Zwang, sich impfen zu lassen.

Zu Beginn des Jahres war Israel bei den Impfquoten weltweit führend. Doch in letzter Zeit haben viele andere Länder den jüdischen Staat in dieser Hinsicht überholt. Heute sind 62,7 % der israelischen Bevölkerung vollständig gegen COVID-19 geimpft.

Regierungsvertreter, darunter auch Ministerpräsident Naftali Bennett, betonen, dass die Teile der Gesellschaft, die den Impfstoff noch immer ablehnen, den Erfolg von Israels Kampf gegen die Pandemie gefährden.

„Es gibt 680.000 Menschen in Israel, die überhaupt nicht geimpft wurden. Wir versuchen ständig, sie zu erreichen“, erklärte der Coronavirus-Zar Salman Zarka letzte Woche gegenüber Radio 103FM. „Ich denke, wir müssen alle Möglichkeiten prüfen, einschließlich der Möglichkeit, die Impfung im Staat Israel vorzuschreiben.“

Zarka betonte, es handele sich dabei um seine persönliche Meinung und nicht um etwas, das derzeit vom Gesundheitsministerium in Betracht gezogen werde.

Offizielle Politik hin oder her, allein die Erwähnung einer Impfpflicht hat einige in der Regierung verärgert.

Nur eine „Diktatur“ würde diesen Weg einschlagen, betonte Wohnungsbauminister Ze’ev Elkin gegenüber dem Armeeradio. „Es ist möglich, die Impfung zu fördern oder den Ungeimpften einen negativen Anreiz zu geben, aber nicht, sie per Gesetz vorzuschreiben“.

Angesichts der Entscheidungen mehrerer großer europäischer Länder besteht jedoch eine gute Chance, dass Israel die Impfung letztendlich vorschreiben wird. Österreich hat angekündigt, die Impfung ab Februar nächsten Jahres vorzuschreiben, Griechenland hat dies bereits für Bürger über 60 Jahren getan, und der neue deutsche Bundeskanzler befürwortet eine ähnliche Regelung.

Sobald diese europäischen Länder die Impfung vorschreiben, ist es nicht abwegig anzunehmen, dass Israel diesem Beispiel folgen wird.

Israel ist jedoch eine eher zersplitterte Gesellschaft. Die Impfquoten sind unter den Arabern und ultraorthodoxen Juden immer noch am niedrigsten, und es ist schwer vorstellbar, dass diese Sektoren sich friedlich einer staatlichen Vorschrift beugen.

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