Hintergrund: Die Beziehungen zwischen Israel und Saudi Arabien

Was dem saudischen Blogger Mohammed Saud, der als Teil einer offiziellen Delegation in Israel zu Besuch war, im Heiligen Land passiert ist, hätte eigentlich weltweit Schlagzeilen machen sollen

von Edy Cohen |
Saudi Prinz Al-Walid bin Talal
Saudi Prinz Al-Walid bin Talal Foto: Issam Rimawi/FLASH90

Hier lässt sich sehr gut erkennen, wie tief die geheimen Beziehungen zwischen Israel und Saudi Arabien eigentlich gehen, wie sehr die Saudis Trumps Jahrhundert-Deal unterstützen und wie weit der umstrittene Bruch zwischen den Palästinensern und Saudi Arabien vorangeschritten ist.

Offizielle Beziehungen zwischen Saudi Arabien und Israel gibt es bislang nicht. Hinter den Kulissen bestehen jedoch seit 2002 Beziehungen zwischen den beiden Ländern. In jenem Jahr veröffentlichte König Abdullah seine politische Initiative zur Lösung des Israel-Palästina-Konfliktes, die als Saudi Initiative bekannt ist. Im Jahr 2015 gab es einige Treffen zwischen offiziellen saudischen und israelischen Persönlichkeiten. Ausschlaggebend hierfür waren die vereinten Bemühungen beider Länder, gegen das iranische Atom-Programm anzugehen. Der Iran wurde praktisch zum gemeinsamen Feind Israels und Saudi-Arabiens. In den letzten Jahren haben viele Saudis Israel einen Besuch abgestattet. In Saudi-Arabien wurde sogar über den Besuch des Mossad-Chefs Meir Dagan berichtet.

Die Beziehungen beider Länder hat in den letzten zwei Jahren neue Höhepunkte erreicht, besonders nach den Berichten über ein Treffen zwischen dem saudischen Kronprinzen und Premierminister Netanjahu.

Ebenfalls in den letzten zwei Jahren hat das Konzept moderater Sunni-Staaten, die gegen den schiitischen Iran sind, an Bedeutung verloren. Der Nahe Osten ist heute in zwei Lager geteilt: Im ersten sind Länder wie die Türkei, Qatar, Iran und Sudan, wobei sich seit neustem auch Jordanien dazugesellt hat. Das zweite Lager besteht aus Saudi-Arabien, den VAE, Bahrain und Ägypten, die alle von den USA und Israel Unterstützung erhalten.

Ohne Zweifel ist es die Feindschaft zwischen dem Iran und den Saudis, die zu engeren Beziehungen zwischen Israel und Saudi Arabien geführt hat. Der Irani ist aktiv an Attacken beteiligt, die sich gegen die Saudis richten, Cyberspace mit eingeschlossen. Im Jahr 2012 tauchte ein Virus namens „Shimon“ auf, das Aramco, der staatlichen saudischen Ölgesellschaft, als auch dem Land an sich viel Schaden zufügte. Dazu gibt es Berichte über iranische Hacker, die sich in saudische Bankkonten eingehackt haben, und den Kontostand einiger saudischer Prinzen veröffentlicht haben.

Was die Beziehung zwischen den Saudis und den Palästinensern angeht, haben die Saudis schon seit vielen Jahren der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) keinerlei finanzielle Unterstützung mehr zukommen lassen. Ausschlaggebend dafür ist der anhaltende Konflikt zwischen der Fatah-Bewegung von Mahmud Abbas und der Hamas-Terrororganisation. Konferenzen diesbezüglich und Vermittlungsversuche zwischen beiden Seiten mithilfe von Ägypten und Qatar blieben ohne Erfolg. Den Saudis ist die Machtergreifung der Hamas in Gaza ein Dorn im Auge. Genausowenig unterstützen sie die Hamas-Ideologie, die sich an der Muslimbrüderschaft orientiert und gegen die Herrschaft der saudischen königlichen Familie einsteht. Auch die steigende Korruption in der PA ist ein Grund. Finanzhilfen der Saudis sind oft genug in den Taschen offizieller Fatah-Beamter verschwunden, also nicht bei denen angekommen, wo sie wirklich gebraucht wurden. Das nehmen die Saudis den Palästinensern bis heute übel.

In den letzten Jahren ist auch die Kritik der Palästinenser an den Saudis immer lauter geworden. Insbesondere deren Unterstützung des „Jahrhundert-Deals“ wird von vielen Palästinensern als Verrat angesehen, in Zuge dessen auf Demonstrationen Bilder des saudischen Königs und des Kronprinzen verbrannt worden sind.

Heute tobt ein virtueller Krieg zwischen Palästinensern und Saudis auf den sozialen Netzwerken. Und hier kommt der saudische Blogger Mohammed Saud ins Bild, der während seines Besuches in Israel die Jerusalemer Altstadt und die Al-Aksa-Moschee besucht hat und dabei von Palästinensern aufs Heftigste beschimpft und körperlich angegriffen worden ist. Die warmen Beziehungen zwischen der PA, dem Iran und Qatar sind zusätzlich Gründe für den Ärger der Saudis gegenüber den Palästinensern, die mittlerweile als Feinde des Königreiches angesehen werden. Die Beziehungen zwischen den Saudis und der PA befinden sich praktische auf einem historischen Tiefpunkt.

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