Hamasführer: „Ich möchte keine Kriege mehr“

Hamasführer Yahya Sinwar sagte gestern in einem Interview für die israelische Zeitung “Jediot Achronot”, dass niemand und besonders die Hamas Interesse an einem neuen Krieg habe.

Hamasführer: „Ich möchte keine Kriege mehr“

Hamasführer Yahya Sinwar sagte gestern in einem Interview für die israelische Zeitung Jediot Achronot, dass niemand und besonders die Hamas, Interesse an einem neuen Krieg habe.

Heute wurden in den israelischen Medien Teile des Interviews veröffentlicht, das von der italienischen Journalistin Francesca Borri für ihre Zeitung „La Repubblica“ und der israelischen Zeitung Jediot Achronot geführt wurde. Das Interview fand im Büro von Yahya Sinwar im Zentrum Gazas statt. Sinwar saß 22 Jahre im israelischen Gefängnis, bis er vor sieben Jahren im Rahmen des Gefangenenaustausches für den israelischen Soldaten Gilead Shalit freigelassen wurde. Sehr schnell wurde er zum Führer der Hamas.

Sinwar wusste, dass das Interview für die Zeitung Jediot Achronot ist. Die italienische Journalistin fragte ihn, warum er gerade jetzt bereit war, ein Interview für eine israelische Zeitung zu geben. Als Antwort sagte er, dass er jetzt eine wahre Möglichkeit für eine Veränderung sehe. Niemand hätte Interesse an einem neuen Krieg.

„Warum sollte sich jemand mit nur vier Steinschleudern einer Atommacht gegenüberstellen?“, erklärte er. „Ein Krieg würde gar nicht bringen. Ich sage nicht, dass ich nicht mehr kämpfen werde. Ich sage, ich möchte keine weiteren Kriege. Was ich möchte, ist ein Ende der Blockade. Meine erste Verpflichtung ist, im Sinne meines Volkes zu handeln, es zu schützen und sein Recht auf Freiheit ind Unabhängigkeit zu verteidigen.“

Dabei erwähnte Sinwar die humanitäre Krise im Gazastreifen und warnte vor einer weiteren Runde der Gewalt.

Die Verantwortung liegt bei denen, die die Grenzen schließen, nicht bei denen, die immer wieder versuchen, sie zu öffnen“, sagte er. Weiter behauptete er auch, dass es nicht sein Ziel sei, Israel zu zerstören, sondern Ruhe gegen Ruhe und eine Aufhebung der Blockade zu geben. Eine Blockade sei keine Ruhe.

In dem Interview äußerte sich Sinwar auch zu einem möglichen Gefangenenaustausch im Rahmen der Verhandlungen für eine Waffenruhe. Er sagte, dass dies von großer Wichtigkeit sei. Es sei keine politische Frage, sondern eine moralische. „Ich werde alles tun, um die, die noch im Gefängnis sind, freizulassen“, sagte er.

Auf die Frage, was passieren würde, wenn es nicht zu einem Waffenstillstand kommen werde, antwortete der Hamasführer der Journalistin: „Diese Vereinbarung existiert noch nicht. Die Hamas und fast alle anderen palästinensischen Organisationen sind bereit, sie zu unterzeichnen und zu befolgen. Aber im Moment gibt es nur die Besatzung. Es ist wichtig, klarzustellen: Wenn wir angegriffen werden, verteidigen wir uns. Wie immer. Und dann werden wir einen weiteren Krieg haben. Aber dann, in einem Jahr, werden Sie wieder hier sein; und ich werde Ihnen noch einmal sagen, dass Sie mit Krieg nichts erreichen.”

Das vollständige Interview wird morgen in der Wochenendausgabe der Zeitung Jediot Achronot veröffentlicht werden.

Archivbild: Yahya Sinwar (Foto: Abed Rahim Khatib Flash90)

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