„Gott zeigt Erbarmen mit Israel!“ Rabbiner jubeln über den Sturz der Bennett-Regierung

Ein hochrangiger ultra-orthodoxer Politiker signalisiert jedoch auch, dass die Ära der absoluten Loyalität gegenüber Netanjahu vorbei ist.

von Israel Heute Redaktion | | Themen: Benjamin Netanjahu, Naftali Bennett
Obwohl Bennett selbst religiös ist, wurde er von den Ultra-Orthodoxen als Führer der religionsfeindlichsten Regierung der jüngeren Vergangenheit angesehen. Foto: Alex Kolomoisky/POOL

Israels selbsternannte Regierung des Wandels, eine uneinheitliche Einheitskoalition, von der niemand erwartet hatte, dass sie eine volle Amtszeit überdauern würde, ist gescheitert. Den religiösen Zeitungen des Landes zufolge sei es ein göttliches Eingreifen gewesen, das Premierminister Naftali Bennett und Außenminister Yair Lapid zu Fall brachte.

„Der Heilige, gepriesen sei Er, hat sich des Volkes Israel erbarmt“, erklärte ein prominenter Rabbiner in einer Zeitung, die der ultraorthodoxen jüdischen Partei Schas nahesteht.

In einer ähnlichen Publikation, die mit der anderen großen Haredi-Partei, dem Vereinigten Tora-Judentum, verbunden ist, erklärte ein Rabbiner, dass der Sturz der Regierung „der Tora zu verdanken“ sei. Diese Regierung habe „versucht, der Religion zu schaden, aber es ist ihr nicht gelungen!“

Die Bennett-Lapid-Regierung war aus mehreren Gründen bemerkenswert, nicht zuletzt deshalb, weil sie eine der wenigen seit Menschengedenken war, in der die Ultraorthodoxen nicht vertreten waren.

Darüber hinaus hat sie mehrere Initiativen ergriffen, um den Einfluss der Ultraorthodoxen auf die Religionspolitik und die religiösen Dienste in Israel zu brechen.

Eine kürzliche Steuerreform, die Steuererleichterungen davon abhängig machte, dass beide Elternteile erwerbstätig sind, wurde als Schlag ins Gesicht der Ultra-Orthodoxen empfunden, bei denen Männer in der Regel nicht arbeiten.

In den Augen dieser Gemeinschaften wurde die scheidende Regierung aus diesen und anderen Gründen als Feind des Judentums angesehen.

Einige der Änderungen, die die Regierung gegenüber den Orthodoxen vorzunehmen versuchte, sind konsensfähig, wurden aber von den Nachfolgeregierungen unter Benjamin Netanjahu, der es vorzog, Kompromisse mit den Rabbinern einzugehen, um die Stabilität zu wahren, lange Zeit auf Eis gelegt.

Da nun im Oktober Neuwahlen anstehen, erwarten die Ultraorthodoxen zweifellos eine Rückkehr zu diesem Status quo.

Der ultraorthodoxe Abgeordnete Yaakov Asher (Vereinigtes Tora-Judentum) schimpfte Anfang dieser Woche auf dem Podium der Knesset über die Politik der derzeitigen Regierung. Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Scheitern von biblischem Ausmaß?

In einem Interview mit der religiösen Zeitschrift Kikar Hashabat bezeichnete Amichai Chikli, ein Abgeordneter von Bennetts Jamina-Partei, die kurze Amtszeit des Premierministers als einen „Misserfolg biblischen Ausmaßes“.

Während Netanjahu oft beschuldigt wird, er habe den Forderungen und sogar den Erpressungsversuchen der Ultraorthodoxen nachgegeben, warf Chikli Bennett vor, dasselbe gegenüber den arabischen Vertretern zu tun, auf die sich seine Koalition stützte.

Er warf Bennett auch vor, dass er versucht habe, jede Schwierigkeit zu überspielen, und betonte, dass „der Versuch, mit allen auszukommen, das Gegenteil von Führung ist, denn Führung hat entscheidende Momente, die Entschlossenheit erfordern.“

Kehrt Netanjahu in das Amt des Premierministers zurück? Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Wie geht es nun weiter?

Es kursieren bereits Gerüchte, dass Bennett sich entweder aus der Politik zurückziehen oder möglicherweise Lapids zentristischer Partei Jesch Atid beitreten wird.

Jamina wird bei den Wahlen im Oktober voraussichtlich eher schlecht abschneiden, könnte aber durch den Weggang von Bennett, dem viele religiös-rechte Wähler vorwerfen, durch die Bildung einer Koalition mit Linken und Islamisten ihr Vertrauen missbraucht zu haben, einen leichten Aufschwung erfahren.

Umfragen zeigen, dass Netanjahus Likud gestärkt wird, aber immer noch nicht die Mehrheit in der Knesset erreicht. Mittlerweile werden auch die Stimmen gegen Netanjahu wieder lauter, die ihn an der Rückkehr an die Macht zu hindern versuchen.

Sollten die bevorstehenden Wahlen in einer ähnlichen politischen Sackgasse enden wie die vier vorangegangenen, haben die oben erwähnten ultraorthodoxen Parteien signalisiert, dass sie Bibi dieses Mal nicht die absolute Treue halten werden.

Ein Jahr ohne Macht hat sich auf die ultraorthodoxen Parteien ausgewirkt, und falls Netanjahu die nächste Regierung nicht bilden kann, erklärte ein hochrangiger Haredi-Politiker am Dienstag, sei seine Partei bereit, den derzeitigen Verteidigungsminister Benny Gantz als Premierminister zu unterstützen.

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