Fake News in Israel: Geheimer Fluss entdeckt!

Fake News sind ein weltweites Problem. In Israel stellen sie eine weitaus größere Gefahr dar, weil sie den Glauben der Leute schwächen können.

Foto: Illustration - Hillel Maeir/TPS

Auch in Israel bleibt man vor Fake News, also sogenannten falschen Nachrichten, nicht verschont. Vielerorts, besonders in Europa und den USA, ist der Begriff „Fake News“ ja schon zum geflügelten Wort geworden, der denjenigen entgegengeschleudert wird, mit denen man einfach nicht übereinstimmt, besonders was politische Ansichten betrifft.

Aber wir haben hier ein klassisches Beispiel aus Israel, das die Öffentlichkeit vorsätzlich in die Irre geführt hat. Ich behaupte nicht, dass der staatliche Fernsehsender Kan 11 sich des Betrugs schuldig gemacht hat. Immerhin waren sie vorsichtig genug, ihren Beitrag am Sonntag mit jeder Menge Fragezeichen zu versehen. Und doch wussten sie sehr wohl, dass die Entdeckung eines „geheimen Flusses“ im Süden des Landes gar kein neuer Fluss war.

 

Ein Wunder in der Wüste?

Seit dem Bericht über die Entdeckung des „geheimen Flusses“, dessen Existenz aus irgendeinem Grund über Jahrzehnte verschleiert worden sei, hagelt es in den sozialen Medien Kommentare. Einige stürzten sich gar auf die These, dass dieser Fluss eine weitere Erfüllung biblischer Prophetie sei, die besagt, dass das Tote Meer eines Tages wieder mit Frischwasser gefüllt werden wird und das Leben in der Region aufblühen wird.

Doch der „geheime Fluss” ist nicht von der lebensspendenden Art, eher das Gegenteil.

 

Dem aufmerksamen Betrachter entgeht nicht, dass entlang des „Flusses“ keinerlei Vegetation zu finden ist. Jeder, der einmal zu Besuch in Ein Gedi war, weiß, dass selbst der kleinste Bach die Flora und Fauna zum Blühen bringt.

 Als dann die Satellitenbilder mit der genauen Lage des „geheimen Flusses“ geleakt wurden, die der TV-Sender auffälligerweise nicht gebracht hatte, kam heraus, dass der Fluss nichts weiter als ein Kanal war, der Abwasser aus den Verdunstungsbecken des südlichen Bereichs des Toten Meeres transportierte. Also dort, wo die Industrie am Toten Meer angesiedelt ist.

 

Ja, der Fluss ist ganzjährig und ziemlich tief, der Grund warum er für die Abendnachrichten herhalten musste. Doch das Wasser, was dort fließt, kann nicht gerade als „Wasser“ bezeichnet werden. Dort fließt eine Lake, ein Nebenprodukt der Verdunstung, die durch den Abbau von Kalisalz und anderen Mineralien entsteht.

Dr. Elad Dante ist Experte im Bereich geologischer Untersuchungen in Israel. Seit Jahren verfassen er und andere Fachexperten Berichte in Wissenschaftsmagazinen, die sich mit diesem Phänomen und anderen Wüsten-Flüssen auseinandersetzen. Vom israelischen Fernsehen hat anscheindend niemand diese Berichte je gelesen.

Gegenüber dem israelischen Nachrichtenportal Ynet erklärte Dr. Dante:

„Der hier beschriebene Fluss ist eine Fortsetzung des Arava Flusses im Norden der Verdunstungs-Becken Richtung nördlichem Toten Meer. Der Arava Fluss hat sich infolge der Absenkung des Wasserlevels des Toten Meeres verlängert. In der Vergangenheit mündete der Arava in das südliche Becken. Heute, nach der Erosion und der Verdunstung in den 1980ern, mündet er ins nördliche Becken. Die meisten Abschnitte des Arava Flusses führen nur während der Überschwemmungen Wasser. Der Abschnitt, um den es hier geht, liegt zwischen den Verdunstungs-Becken der israelischen und jordanischen Tote-Meer-Fabriken und wird größtenteils von Lake gespeist, die von den Becken dieser Fabriken stammt.“


Clickbait oder redlicher Irrtum?

Manche denken, dass Kan 11 einfach über etwas berichtet haben, was ihnen Wanderer vor Ort erzählten. Deshalb sollte der Sender auch nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass diese „Entdeckung“ weitaus weniger sensationell war, als sie dargestellt worden ist.

Doch die Reporter haben die Wanderer genau vor Ort interviewt, per Liveübertragung. Hätte der Sender die Kamera ein wenig geschwenkt oder etwas näher auf den Fluss gezoomt, dann hätten die meisten Zuschauer gemerkt, was Sache ist. Doch vielleicht hat der Sender das absichtlich vermieden?

Ob der Sender nun unschuldig in eine Sache hineingeraten ist oder nicht, man hätte die Angelegenheit ganz einfach nachprüfen können, bevor man sendet. Doch sicherlich versuchen alle Medien soviel Aufmerksamkeit, Seitenklicks oder Zuschauer zu bekommen, wie nur möglich und daher ist die Versuchung groß, dass man eine Story aufbauscht.

Doch man darf nicht vergessen, dass Israel ein Ort ist, an dem viele wirklich Wunder geschehen sind und noch geschehen werden. Wer eine Story um einen industriellen Abwasserkanal aufbauscht, tut der Sache sicherlich nichts Gutes.

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