Explosion in Beirut erhöhte die israelische Abschreckung

Die Libanesen sind gegenüber der Hisbollah misstrauischer denn je und haben sicherlich keine Lust auf einen Konflikt mit Israel.

nach der Explosion in Beirut
Zaatari Lebanon/Flash90

HINWEIS DES HERAUSGEBERS: Während die Hisbollah öffentlich jede Verbindung zu den Chemikalien bestritten hat, die in diesem Monat explodierten und Beirut verwüsteten, berichtet unser jordanischer Korrespondent Rami Dabbas, dass in der arabischen Welt viel darüber geredet wird, dass die Hisbollah aus dem einen oder anderen Grund schuld sei.

 

Die tragische Explosion in Beirut in der vergangenen Woche hat die israelische Abschreckung verstärkt, ohne dass der jüdische Staat auch nur einen einzigen Schuss abfeuern musste.

Das libanesische Volk war lange Zeit misstrauisch gegenüber der Präsenz von Hisbollah-Waffen und Bombenbaumaterial in Wohngebieten. Doch nach der Explosion in Beirut sind sie sich nun des wahren Ausmaßes der Gefahr bewusst, die von der iranischen Stellvertretermiliz ausgeht. Die Libanesen sind sich jetzt der weitreichenden Zerstörung bewusst, die eine Verbindung mit der Hisbollah bedeuten könnte, und zwar nicht nur im Falle von Unfällen, sondern auch, falls und wenn die Terrorgruppe Israel das nächste Mal provoziert.

Ohne in die Einzelheiten zu gehen, wer für die Hafenexplosion in Beirut verantwortlich ist, oder auf eine der vielen Verschwörungstheorien einzugehen, besteht kein Zweifel daran, dass dieses Ereignis auch in Zukunft Spannungen im Land auslösen wird. Während die Rettungskräfte weiterhin Menschen aus den Trümmern ziehen und Schutz für die fast 300.000 Menschen suchen, die ihr Zuhause verloren haben, stehen wir gerade erst am Anfang dieses Prozesses.

Während sich der Libanon aus dem Trauma der Explosion der letzten Woche zu befreien beginnt, werden Fragen gestellt:

  • Wer ist dafür verantwortlich, dass diese gefährlichen Chemikalien in solchen Mengen so nah an der Zivilbevölkerung gelagert werden?
  • Warum wurden die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen?
  • Gehört das Lagerhaus, in dem 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat gelagert wurden, der Hisbollah?

Die Hisbollah bleibt vorerst relativ ruhig. Sie steht zweifellos auch unter Schock über das Ereignis und muss seine Auswirkungen auf die Zukunft der Gruppe analysieren. Unterdessen war es keine große Überraschung, dass Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah eine Rede absagte, in der er auf die zunehmenden Spannungen mit Israel eingehen wollte. Er versteht zweifellos, woher der Wind derzeit weht und dass die Libanesen absolut keine Geduld für einen erneuten Konflikt mit Israel haben.

Aber die Explosion in Beirut war ein strategisches Ereignis, und ihre langfristigen Auswirkungen und ihr Potenzial, Veränderungen herbeizuführen, lassen sich nicht so leicht eindämmen. Die Schuld wird schnell auf die Hezbollah gelenkt, die die Vereinigten Staaten und viele europäische Länder vor langer Zeit als terroristische Organisation eingestuft haben. In der Tat fügt gerade diese Bezeichnung dem Libanon jetzt großen Schaden zu, da der Internationale Währungsfonds und die Weltbank dem Land nicht leicht helfen können, solange die Hisbollah ein dominierender Teil seiner Regierung ist. Andernfalls würden sie eine terroristische Organisation unterstützen.

Die Menschen im Libanon sind jetzt sicherlich auch misstrauischer gegenüber der Tatsache, dass das große Raketenarsenal der Hisbollah in zivilen Gebieten gelagert und eingesetzt wird, um es vor israelischen Luftangriffen zu schützen. Und während Israel wiederholt erklärt hat, dass es nicht zögern werde, dieses Arsenal trotz der Präsenz von Zivilisten ins Visier zu nehmen, hat die Hisbollah diese Politik in dem Wissen beibehalten, dass der jüdische Staat nicht absichtlich Tod und Zerstörung unter der libanesischen Zivilbevölkerung in großem Umfang verursachen wird. Dennoch ist das libanesische Volk heute zorniger denn je über die zynische Ausbeutung der Hisbollah als menschliche Schutzschilde.

Es hat sich nun das Kräfteverhältnis dank der Dummheit der Hisbollah unbestreitbar zu Israels Gunsten verschoben. Sowohl Israelis als auch Libanesen erinnern sich noch gut daran, wie Nasrallah noch vor wenigen Jahren damit drohte, die Ammoniumnitrat-Lager in der israelischen Hafenstadt Haifa zu bombardieren. Und nun ist Beirut von genau der Art von Explosion getroffen worden, die die Hisbollah auf Israel richten wollte. Die weitreichende Zerstörung, die die Hisbollah für Israel vorhergesehen hat, hat stattdessen den Libanon verwüstet, ohne dass Israel auch nur einen Finger gerührt hat.

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