Ein ernüchterndes, düsteres Weihnachten im Libanon

Israel Heute hat mit einheimischen Libanesen über Weihnachten im Schatten einer lähmenden Wirtschaftskrise und des anhaltenden Konflikts gesprochen

von Rami Dabbas | | Themen: Libanon
Foto: EPA-EFE/WAEL HAMZEH

In den meisten Ländern sind die Weihnachtstage eine Zeit der Freude und der Hoffnung. Im Libanon standen die Christen dieses Jahr vor diesem glorreichsten aller Anlässe verzweifelt inmitten der bitteren Realität, die ihr Leben mittlerweile eingeholt hat.

Auf den Straßen von Beirut herrschte eine weihnachtliche Atmosphäre, in einigen Dörfern und Städten gab es hier und da ein Fest. Aber sie täuschten über die düstere Situation hinweg, in der die libanesische Wirtschaft und das Gesundheitssystem kurz vor dem totalen Zusammenbruch stehen.

Rasha al-Khoury berichtet gegenüber Israel Heute, wie sich die Weihnachtsbräuche und -rituale in der Zedernnation ändern mussten: „Früher verbrachte ich jedes Jahr mit meiner Familie in der Heimatstadt meiner Kindheit, aber dieses Weihnachten konnten wir wegen der hohen Benzinpreise nicht in andere Städte fahren. Wir wussten auch, dass das Weihnachtsessen nicht mehr so aussehen würde wie in den Vorjahren. Wie sollen wir angesichts der hohen Preise Fleisch, Hähnchen und Fisch kaufen, und auch Gemüse, um einen Teller Tabbouleh zuzubereiten?“

Früher war Weihnachten für Rasha eine Gelegenheit, neue Kleidung für sich und ihre Lieben zu kaufen, aber in diesem Jahr war das unmöglich, sagt sie. „Vorrangig geht es darum, Medikamente, Lebensmittel und das Nötigste zu kaufen. Was Geschenke angeht, so musste ich mich damit begnügen, meine Familie in einem Brief zu grüßen oder vielleicht ein selbstgemachtes Geschenk zu basteln. Die Situation erlaubt es einfach nicht, Geschenke zu kaufen“.

Rasha erinnert sich an die Bedeutung und das Wesen von Weihnachten: „Es stimmt, dass es nicht um Geschenke, Spielzeug, Dekoration und neue Kleidung geht. Aber die Not hört damit nicht auf. Meine Familie leidet unter der chronischen Krankheit meiner Mutter, sie benötigt jeden Monat Medikamente und Behandlungen, was meinem älteren Vater, der als Taxifahrer arbeitet, große Verantwortung auferlegt. Wie der größte Teil der libanesischen Gesellschaft sind sie der Grundversorgung beraubt“.

Pastor Amal Saad, Leiter der Baptistenkirche in Ain Zhalta in der Nähe des Libanonberges, erzählte uns, wie er sich unter diesen Bedingungen auf Weihnachten vorbereitet hat: „Wir haben ein leichtes Abendessen vorbereitet. Wir konnten kein Festmahl veranstalten, wie wir es gewohnt waren, an dem Verwandte und Freunde teilnahmen, und wir brachten keine teuren Weihnachtsgeschenke mit. Wir schmückten zwar noch den Baum, mussten aber auf Geschenke für die Verwandten verzichten. Meine Frau und ich haben jedoch beschlossen, ein bescheidenes Geschenk für unsere kleine Tochter zu kaufen.

Lilian Machaalani (50) aus der Bekaa-Region, schilderte das Ausmaß des Leids: „Dieses Jahr gab es kein Weihnachtsfest, was noch schlimmer war als im Vorjahr. Weihnachten hatte einfach keinen Glanz. Wir waren nicht in der Lage, irgendetwas zu kaufen, was wir für die Bewirtung der Menschen und die Feier brauchen. Das Weihnachtsessen beschränkte sich auf zu Hause zubereitetes Gebäck und preiswerte, einfache Lebensmittel. Die Bedingungen sind für alle hart, und niemand kann die Kosten tragen. Und die anhaltende Coronavirus-Pandemie macht alles nur noch schlimmer.“

Dennoch schloss Lilian mit den positiven Worten: „Der Geist von Weihnachten bleibt in unseren Herzen, und möge das neue Jahr allen Gutes und Freude bringen.“

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