Schneider Aviel

Diesmal wählte ich falsch

Wie ich ein paar Stunden am Roten Meer verbrachte (und danach sieben Tage in Quarantäne)

Nuweiba Foto: Israel Heute

Ende August wollte ich eine Woche in den Sinai fahren, um dort zu schreiben und online zu arbeiten. Wir hatten gerade erst die Hochzeit unserer Tochter Eden gefeiert und so passte der Sinai bis zum nächsten Projekt perfekt in meinen Zeitplan. Den ich mir gewissermaßen selbst zurechtbastelte, aber dennoch mit Zweifeln im Hinterkopf, ob das alles so passen würde. Bis zum letzten Moment wechselten sich ein „Ja“ und ein „Nein“ in meinem Kopf ab.

Am Montagmorgen vergangener Woche stieg ich ins Auto und fuhr nach Eilat. Nach knapp vier Stunden kam ich am Roten Meer an, ich parkte mein Auto irgendwo in der Stadt und bestellte mir ein Taxi, das mich, meinen kleinen Trolley und meinen Laptop zur Grenze nach Taba bringen sollte. Als ich noch einmal nachprüfte, ob ich auch nichts vergessen hatte, stellte ich fest, dass ich den Adapter von meinem Laptop zu Hause liegengelassen hatte. Mir wurde schwindelig. Hilfe, das darf doch nicht wahr sein! Ich fing an zu schwitzen. Dass ausgerechnet mir so etwas passieren muss! Ich hatte den Adapter vom Laptop vergessen. Ich machte mich in ganz Eilat auf die Suche nach einem Adapter, aber es gab keinen. Er müsse erst bestellt werden, hieß es, Lieferzeit zwei Tage. Doch ohne Adapter kann ich nicht arbeiten! Mache ich einfach weiter? Ja oder Nein? Ja, ich habe die Grenze überquert. Es war schon zwei Uhr mittags.

Auf der anderen Seite wurde ich von meinem Beduinenfreund Santa Katarina abgeholt. Ich erzählte ihm von meiner Not. Nach einer Stunde war ich in Nuweiba bei Samer. Zwischenzeitlich hatte ich Santa, Mohammed und ihren Beduinenstamm beauftragt, mir einen Adapter zu finden. Sie brauchten nur zwei Stunden, um mir tatsächlich einen passenden in Dahab ausfindig zu machen.

Online war ich schon mit einer ägyptischen SIM-Karte verbunden, aber Emails über unseren Server in Jerusalem habe ich weder erhalten noch konnte ich welche verschicken. Irgendetwas funktionierte diesmal mit der VPN (virtuelles privates Netzwerk) nicht. Via Telefon, Telegram und WhatsApp konnte mir die Redaktion in Jerusalem auch nicht weiterhelfen. Also ohne E-Mail und meinem noch auf mich wartenden Adapter in Dahab, konnte ich im Sinai nicht viel ausrichten.

Strand bei Nuweiba

Ich beruhigte mich daher erst einmal und sprang ins Rote Meer. Beim Anblick des Sonnenuntergangs über dem Wasser grübelte ich, was ich als Nächstes tun sollte. Zuerst ein Abendessen am Strand? Es war heiß. Dann gab es noch Gespräche mit Beduinen. Beim Zubettgehen zerbrach ich mir weiter den Kopf: Ja und Nein.

Am nächsten Morgen wurde mir klar, was ich falsch gemacht hatte. Ich hatte auf die falsche Stimme gehört. Das wurde mir immer deutlicher. 40 Euro für den Adapter plus Taxi 30 Euro, war zwar immer noch billiger als der Adapter in Israel. Aber wahrscheinlich handelte es sich dabei um ein nachgemachtes, gefaktes Produkt aus China. Jetzt war mir klar, ich fahre zurück. Auf den Adapter in Dahab habe ich verzichtet. Der israelische PCR-Test von Sonntagmittag am Flughafen war noch bis Mittwochmittag gültig, 72 Stunden. Das sparte mir den PCR-Test in Nuweiba. Santa holte mich ab und brachte mich an die Grenze. Nach sieben Minuten war ich wieder auf israelischem Boden und machte am Ausgang des Grenzüberganges wiederholt einen PCR-Test. Nach etwa einer Stunde und schon unterwegs in meinem Auto in Richtung Jerusalem bekam ich vom israelischen Gesundheitsministerium eine Textmessage. „Aviel Schneider, herzlich willkommen in Israel. Nach allen Angaben bist du verpflichtet für die nächsten 14 Tage in Quarantäne zu bleiben.“ Nur weil ich noch keine dritte Impfstoffdosis erhalten hatte und die sechs Monate nach der zweiten Pfizer-Spritze schon vorüber waren, bin ich in diese Grube gefallen. All dies für weniger als 24 Stunden im Sinai. Doch am siebten Tag machte ich einen zweiten PCR-Test. Dieser war negativ und so war ich wieder frei.

Ich muss zugeben, diesmal habe ich nicht auf die richtige Stimme gehört. Ich sollte zu Hause bleiben und nicht fahren. Ist mein Instinkt abgestumpft? Irgendetwas hat mich doch dazu bewegt, zu fahren. Ehrlich gesagt, auch nur für eine Nacht am Strand von Nuweiba, die Stille, das Meer und die Berge im Hintergrund lassen den ganzen Aufwand verblassen. Aber wer von uns kennt solche Situationen nicht, in denen in uns Stimmen den Kopf verdrehen und wir für jede Stimme, ob Ja und Nein gleichzeitig die besten Argumente haben. Ich habe viel daraus gelernt und danke Gott, dass ich gesund und heil wieder zu Hause angekommen bin.

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