Die bevorstehenden Wahlen: Geht es um Judäa gegen Israel?

Bei den Wahlen von 2019 geht es mehr denn je um eine neue Manifestation des progressiven Israels im Vergleich zu “den Juden”.

Während die jüngsten Umfragen zeigen, dass die “Blau-Weiße” – Parteigruppe am 9. April die größte Fraktion der Knesset werden wird, beginnen einige in Israel damit, sich über die Kernfrage der bevorstehenden nationalen Wahlen Gedanken zu machen.

Der Wahlslogan von Blau und Weiß lautet “Weder links noch recht. Israel vor allem”. Aber das lässt beim Wähler die Frage offen, ob sich diese Partei eher nach links oder eher nach rechts neigt. Oder bedeutet das, dass die alten rivalisierenden Ideologien sich endlich erschöpft haben und nicht mehr relevant sind? Vielleicht ist es eine Verschmelzung von links und rechts, um eine neue Ideologie zu bilden? Und wenn ja, wofür steht diese neue Ideologie?

Am Montag veröffentlichte Blau und Weiß sein offizielles Parteiprogramm. Wie erwartet lockt es genug Wähler von beiden Seiten der politischen Landkarte an. Es fordert zum Beispiel die Trennung von den Palästinensern, ohne den Begriff “Palästinensischer Staat” zu erwähnen. Es spricht nicht mehr von der Aufhebung des Nationalstaatsgesetzes. Stattdessen schlägt es neue Rechtsvorschriften zur Gleichstellung vor. Es setzt sich auch für den öffentlichen Nahverkehr am Shabbat und für die Gleichberechtigung der Schwulengemeinschaft ein, einschließlich Ehe und Leihmutterschaft.

Diejenigen, die behaupten, dass Blau und Weiss nicht das sei , wonach es zunächst aussehen möge, schlagen stattdessen vor, dass die Partei wie “Srulik” sei. Und das ist in der Tat sehr interessant.

Srulik oder “der Tzabar” war eine Zeichentrickfigur, die das “Produkt” des zionistischen Projekts symbolisiert, einen neuen Juden zu schaffen, der die Pionier-Ideale des frühen 20. Jahrhunderts darstellt. Srulik sollte ein Jude sein, der von den Komplexen des Exils befreit wurde, die die Juden lange zu unterwürfigen und machtlosen Opfern gemacht hatten.

Von dem Tzabar wurde erwartet, sich über 2000 Jahre Exil hinweg direkt in eine sozialistische Utopie zu stürzen, die nach körperlichen Fähigkeiten und Bescheidenheit innerhalb einer kommunalen, produktiven und atheistischen Gesellschaft strebt. Mit anderen Worten, die Antithese des unterdrückten Diaspora-Juden war mit unzähligen religiösen Nuancen beschäftigt.

In seinem zweibändigen Werk “Der Tzabar: Die Erschaffung des neuen Juden” (2004) argumentierte Oz Almog, Künstler und Soziologe von Beruf, überzeugend, dass der Versuch, Srulik von seiner jüdischen Identität zu trennen, ein schrecklicher Fehlschlag war.

Aber Srulik ist nicht gestorben. Er verwandelte sich zu Herr und Frau Israeli, die weiterhin den von Srulik für sie vorherbestimmten Weg leben und gehen. Ohne Glauben und Religion müssen sie sich als Israelis an das 21. Jahrhundert anpassen. Anstatt sich an das Pionier-Ideal zu klammern, setzt sich das heutige Israeli für die Ideale des Menschenrechtsaktivisten ein. Dieser neue Srulik ist immer noch ein gottloser Jude, der aber jetzt der Meinung ist, dass die demokratische Natur des Staates seinen jüdischen Charakter überwinden sollte. Diese israelische Marke widersetzt sich sowohl der “Besatzung” als auch einem palästinensischen Staat. Er ist für einen jüdischen Staat, der die Verletzung des Shabbats bestraft, und so weiter.

Blau und Weiß wird als politische Manifestation des modernen Israelis Srulik gesehen. Und wenn dies der Fall ist, geht es der Partei wirklich nicht um Links oder Recht. Stattdessen geht es um die Kluft zwischen Juden und Israelis, zwischen denen, die Israel zuerst als jüdischen Staat betrachten, und denen, die darauf bestehen, dass die demokratische Natur des Staates die ethnische Zugehörigkeit ersetzt, dass der jüdische Charakter dadurch beseitigt wird.

Dementsprechend geht es bei den anstehenden Wahlen nicht um Progressive oder Konservative. Wenn Sie möchten, geht es mehr darum, wer in diesem Land dominieren wird, im Königreich Judäa oder im Königreich Israel.

Bild: Die Führung von Blau und Weiß: Gabi Ashkenazi, Yair Lapid, Benny Gantz und Moshe Ya’alon (Foto: Basel Awidat/Flash90)

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