Die Bennett-Doktrin

Israels neuer, vorübergehender, Verteidigungsminister fordert ein entschiedenes Vorgehen in Syrien und war schon für einige Aktionen verantwortlich.

von Michael Selutin | | Themen: Naftali Bennett
Verteidigungsminister Naftali Bennet Foto: Marc Israel Sellem/POOL

Verteidigungsminister Naftali Bennett hat eine erfolgreiche Laufbahn als Soldat hinter sich, die er als Major abschloss. Als Politiker war er ebenfalls erfolgreich, da er die Siedlerpartei Beit Jehudi zu einem Anker in Netanjahus Regierung machte. Er bekleidete verschiedene Ministerposten, aber sein Herz schlägt für die Armee. Immer wieder kritisierte er die Verteidigungspolitik seiner eigenen Regierung.

Vor einigen Monaten hat Bennett endlich das Verteidigungsministerium für sich reklamieren können und als Fachminister bereits Konflikte erlebt. Er ist nicht nur lautstarker Kritiker, sondern auch ein kreativer Denker und ergänzte die Militärdoktrin. Bisher bestand sie aus Abschreckung, Frühwarnung, entscheidendem Sieg und Verteidigung, letztere erst 2006 als vierte Säule hinzugekommen. Sie bezeichnet Systeme und Einrichtungen wie den Iron Dome und Schutzräume für die Zivilbevölkerung.

Eine fünfte Säule wäre nach dem Wunschs Bennetts die Prävention oder auch Vorbeugung. Israel hat bei Bedrohungen existenzieller Natur immer wieder vorbeugende Verteidigung betrieben. Beispiele sind der Angriff auf den irakischen Atomreaktor 1981 und der auf den syrischen 2007. Israel griff jedoch nie vorbeugend an, wenn ein Gegner konventionell aufrüstete, auch nicht bei biologischen oder chemischen Waffen. Allein die Atomwaffe war bisher die rote Linie.

Im Libanon hat die Hisbollah ein riesiges Raketenarsenal aufgebaut. Es umfasst 150.000 Raketen. Sie sind teilweise lenkbar und in der Lage, jeden Punkt in Israel zu treffen. Gegen diese Aufrüstung hat Israel kaum Maßnahmen ergriffen. Manchmal wurde eine Waffenlieferung abgefangen, aber das waren vergleichsweise winzige Rücksetzer.

So eine Situation will Bennett nun in Syrien verhindern. Dort versucht der Iran, militärische Präsenz aufzubauen. Bennett will eine weitere starke Front gegen Israel nicht hinnehmen. So hat es unter seiner Führung bereits Angriffe auf Ziele in Syrien gegeben. Öffentlich warnte er den Iran, Syrien zu „Irans Vietnam“ zu machen, also zu einem kriegerischen Sumpf, der viel Geld verschluckt und keine Ergebnisse bringt.

Sporadische Bombardements iranischer Stellungen in Syrien genügen einem Verteidigungsminister Bennett jedoch nicht. Bennett fordert ein planmäßiges und entschiedenes Vorgehen in Syrien, das dem Gegner keine Chance zum Aufbau gibt. Diese Strategie ist allerdings nicht ohne Risiko. Der Iran kann durchaus zurückschlagen, zum Beispiel wie in Saudi-Arabien mit Drohnenangriffen. Dieses Risiko scheint jedoch geringer zu sein als ein Syrien, das zu einer iranischen Festung geworden ist, wie der Libanon für die Hisbollah. Auch die Tötung des Kommandeurs der Quds-Brigaden, Qassem Suleimani, wird die Situation nicht einfacher machen.

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