Der Kampf um das Herz und die Seele der Israelischen Armee

Die Israelische Armee (IDF) befindet sich in einer leidenschaftlichen, öffentlichen Debatte, seitdem im letzten Jahr Generalmajor Yair Golan, damals der stellvertretende Stabschef, am Holocaust-Gedächtnistag seine kontroverse Rede hielt.

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(Bild: Yossi Zamir/Flash90)

Die Israelische Armee (IDF) befindet sich in einer leidenschaftlichen, öffentlichen Debatte, seitdem im letzten Jahr Generalmajor Yair Golan, damals der stellvertretende Stabschef, am Holocaust-Gedächtnistag seine kontroverse Rede hielt.

Seine Aussagen über die israelische Gesellschaft haben eine Welle ausgelöst, die bisher nicht an Intensität verloren hat. Golan erklärte damals, dass ihn das heutige Israel an die „schrecklichen Entwicklungen in Europa – besonders in Deutschland – vor 70, 80 und 90 Jahren erinnern und es 2016 noch Überreste unter uns gibt.“

Die harschen Aussagen des Generals wurden als linke Ideologie aufgefasst, die Art des Denkens, das sich in den oberen Rängen der israelischen Armee festgesetzt hat und zu fraglichen Moralkodexe geführt hat, was den Zweck der Armee, nämlich seine Bürger zu schützen, deutlich behindert.

Besonders die religiöse Gemeinschaft ist von solchen liberalen Aussagen enttäuscht, die „Gender-Gleichheit“ und die Rechte von „LGTB“ Gruppen vertreten, was den religiösen Gesetzen des Judentums direkt entgegensteht. Einer der stärksten Kritiker der Armee ist Rabbi Zvi Tau, Präsident der Har Hamor Jeschiva (Bibelschule). Unter den nationalreligiösen Jeschivas (Religionsschulen) wird die prestigeträchtige Har Hamor Jeschiva als „National-Orthodox“ gesehen, eine relativ neue Erscheinung in der zionistisch, religiösen Bewegung, die weniger streng als die orthodoxe ist.

Rabbi Tau, der früher schon sagte, dass die Führung der Armee kein Recht habe, die jüdische Kultur zu verändern, sprach vor kurzem mit den Vorsitzenden der vormilitärischen Akademien (Mechinot), um zu besprechen, ob es für ihre Abgänger erlaubt sei, in der israelischen Armee zu dienen.

Diese Diskussion, die vom religiösen Portal „ Kipa “ veröffentlicht wurde, verdeutlicht den tiefen Graben zwischen der religiösen Gemeinschaft und der Armee.

Rabbi Tau ist jedoch nicht dafür, dass junge, religiöse Juden die Option erhalten den Militärdienst zu verweigern. „Wenn wir nur für einen kurzen Moment keine Armee haben, werden wir auch kein Land haben … nur weil einige Personen falsche Ansichten haben, sollten wir nicht weiterhin tun, was richtig ist?“ fragte er.

Taus Antwort liegt in der Stärkung der religiösen Bildung, so dass die Studenten die innere Stärke haben, den falschen Praktiken der Armee zu widerstehen. „Gibt es einen anderen Ort auf der Welt, an dem, aus prinzipiellen Gründen, Männer und Frauen zusammen untergebracht werden … sind das allgemeine menschliche Prinzipien?“ fragte er weiter. „So verliert man seine Vernunft und seine grundlegenden Norm, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist.“

Tau ruft deswegen die Soldaten auf, den Preis für die unrechtmäßigen Normen zu zahlen. „Das Volk Israel blieb in zwei Jahrtausenden des Exils standhaft,“ sagte er, „ und hier halten einige am neuen Dämon der Postmoderne fest, die versucht, uns von unserer Religion zu entfremden. Wir sind bereit, alles zu tun, was von uns verlangt wird, aber nicht diesen Wahnsinn, nicht dieses tierische Verhalten.“

Der Kampf um die Seele der Armee ist noch lange nicht beendet und er zeigt zumindest eine Sache: Anders als früher, kann der Versuch, die Armee grundlegend zu verändern nicht mehr heimlich vonstatten gehen und genauso wenig kann es sich die Armee leisten, die Herausforderungen im Zusammenhang mit religiösen Juden zu vermeiden.“

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