Der Impfstoff befreit uns vielleicht nicht: Israelis verärgert

Fast die Hälfte der Israelis ist bereits gegen COVID geimpft worden, aber der Lockdown wird fortgeführt

Der Impfstoff befreit uns vielleicht nicht: Israelis verärgert
Yonatan Sindel/Flash90

Israels erfolgreiche COVID-19-Impfkampagne hatte viel damit zu tun, dass die Menschen darauf erpicht waren, endlich frei von Lockdowns und der allgegenwärtigen Bedrohung durch Quarantäne zu sein.

Der jüdische Staat setzt seit einem Jahr fortschrittliche Technologien ein, um Bürger, die mit einer infizierten Person in Kontakt kommen, aufzuspüren und sie in die Selbstisolation zu schicken. Diejenigen, die gegen die Quarantäne verstoßen, müssen mit einer saftigen Geldstrafe rechnen.

Mit der Impfung erhalten die Israelis einen “grünen Pass” (Impfausweis), der unter anderem von der Quarantäne befreit. Aber Channel 12 News berichtete am Wochenende, dass Beamte des Gesundheitsministeriums erwägen, die Befreiung aufzuheben, da sie befürchten, dass geimpfte Personen immer noch COVID-19 tragen und es verbreiten können.

Prof. Gabi Barbash, die letztes Jahr die Coronavirus-Task-Force der Regierung leitete, sagte gegenüber Channel 12, dass “die Impfung allein nicht ausreicht. Wir wissen immer noch nicht mit Sicherheit, dass eine Impfung eine Person vor einer Infektion schützt.”

Aber eine Reihe anderer Experten kritisierte das Gesundheitsministerium wegen voreiliger Spekulationen, die nur dazu dienen können, die Öffentlichkeit zu verwirren und möglicherweise der Impfkampagne zu schaden.

“Wir müssen warten, bis mehr Daten vorliegen, bevor wir Entscheidungen treffen, und mit dem ständigen Zick-Zack-Kurs aufhören”, betonte Prof. Nadav Davidovitch.

Siehe unser früheres Interview mit Prof. Davidovitch: Israelische Wissenschaftler kritisieren Israels Corona-Politik

In Israel wird der Impfstoff gegen COVID-19 von Pfizer in halsbrecherischer Geschwindigkeit verabreicht. Über 3 Millionen Israelis haben bereits die erste Impfung erhalten, und über 85 % der Risikopatienten in Israel haben beide Impfungen erhalten.

Wird es funktionieren, oder wird es nicht funktionieren?

Die ersten Testergebnisse der Impfstoffe von Pfizer und Moderna gaben Anlass zu großer Hoffnung. Und Mutationen wurden sicherlich erwartet. Doch nun äußern einige israelische Beamte die Befürchtung, dass die Mutationen den aktuellen Impfstoff bald überflüssig machen könnten oder zumindest viele der Vorteile einer Impfung aufheben.

“Wir haben noch keine Beweise dafür, dass eine der Varianten völlig resistent gegen den Impfstoff ist, aber es gibt einige vorläufige Hinweise dafür, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die südafrikanische Variante vielleicht etwas geringer ist”, sagte Dr. Sharon Alroy-Preis, Leiterin des öffentlichen Gesundheitsdienstes im Gesundheitsministerium, in einer Stellungnahme gegenüber dem öffentlichen Sender Kan.

Premierminister Netanjahu hat die Lorbeeren für Israels erfolgreiche Impfkampagne geerntet. Aber wenn der Lockdown nicht bald endet, werden seine Bemühungen in den Augen vieler Israelis nicht viel wert sein.

Was bringt eine Impfung dann?

In Israel herrscht ein Gefühl der Frustration darüber, dass, egal was wir tun, das Ende der Corona-Krankheit unerreichbar zu sein scheint.

Auch ohne Impfstoff haben die mit COVID-19 Infizierten eine Überlebenschance von 98,5 Prozent. Was das Virus so gefährlich macht, ist seine hohe Ansteckungsfähigkeit. Zum Vergleich: Wenn die Hälfte der 9 Millionen Einwohner Israels infiziert ist, würde das selbst bei der hohen Überlebensrate immer noch über 65.000 Tote bedeuten.

Aber wenn die immer länger werdende Liste der Mutationen bedeutet, dass der Impfstoff die Ausbreitung von COVID-19 nicht eindämmen kann, und drei Wochen Abriegelung nichts bringen, dann fragen sich viele, was der Sinn ist. Vielleicht wäre es besser, die gefährdeten Bevölkerungsgruppen und alle, die es wollen, zu impfen und zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukehren.

Dies soll kein Kommentar sein, sondern eher ein Bericht darüber, wie sich eine wachsende Zahl von Menschen in Israel jetzt inmitten anhaltender Lockdowns, Grenzschließungen und steigender Bußgelder fühlt, auch wenn die Regierung feiert, dass bereits 3 Millionen Israelis die erste Impfdosis erhalten haben.

Siehe dazu: Guten Morgen Israel – Abgeriegelt, wie lange noch?

 

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