Der Fall 4000: Zwischen Verleumdung und Korruption

Zwei Wochen vor den Wahlen wird der Kampf um “Netanjahus Thron” immer intensiver.

Netanjahu
Marc Israel Sellem/POOL

 

Im Fall 4000 geht es um ein angebliches Bestechungsgeld in Höhe von 500 Mio. Dollar, das Netanjahu dem Besitzer des israelischen Telekommunikations-Unternehmens Bezeq, Shaul Elovitch, im Austausch für positive Berichterstattung auf dessen Nachrichtenportal Walla gegeben haben soll. Der Fall ist mittlerweile zu einer Art Schlachtfeld geworden, auf dem sich anti-Bibi und pro-Bibi Truppen bekämpfen, als gäbe es kein Morgen. Und wie es in einem Kampf nun mal üblich ist, bleiben Höflichkeit und Anstand gehörig auf der Strecke.

 

Das neuste Gemetzel kam in Form von Reporter Guy Peleg, der Details aus den Ermittlungen betreffs Shlomo Filber offenlegte, den damaligen Stabschef des Büros des Premierministers. Peleg hatte sich an Quellen aus den Reihen der Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft bedient, die Information durchsickern ließen. Unter Netanjahus Unterstützern gilt Peleg als feindseliger Journalist, dessen endlose Berichte auf Kanal 12 über Netanjahus angebliche Straftaten als Teil einer größeren Kampagne angesehen werden, die Netanjahus Ansehen dauerhaft schaden soll und ihn, selbst im Falle eines Freispruchs vor Gericht, in der Öffentlichkeit als amtsuntauglich darstellen sollen, als einen, dem das Amt des Premierministers nicht zustehe. Netanjahu selbst nennt Peleg einen „Sprecher der Anklage“ und einen „Fake-Nachrichten-Champion“.

 

Vor zwei Tagen also zitierte Peleg einmal mehr Auszüge aus Filbers Ermittlungen. Dieses Mal zitierte er auch einen Satz, den Filbert geäußert hat: „Es war mir klar, dass dies (der Deal mit Bezeq) zu einem nationalen Desaster werden würde“. Der Tageszeitung Haaretz zufolge soll dieser entscheidende Beweis „jegliche Zweifel aus dem Weg räumen, was illegale Deals zwischen Premier Benjamin Netanjahu und dem gefallenen Telekom-Tycoon Shaul Elovitch betrifft“.

 

Wäre das Zitat korrekt gewesen, wären auch die Zweifel beseitigt gewesen. Wie sich aber herausstellte, waren Filbers Worte manipuliert worden. Statt „nationalem Desaster werden“ hatte Filber eigentlich gesagt: „es ist nicht so, als wenn jemand mir gesagt hätte, dies sei ein nationales Desaster“. Peleg musste sich korrigieren und entschuldigte sich einen Tag später, allerdings nicht für das, was er Netanjahu angetan hatte, sondern Filber. „Diese Falschzitierung war Shlomo Filber gegenüber äußerst ungerecht“, sagte Peleg.

 

Pelegs Eingeständnis ist für die pro-Bibi Schar ein ausschlaggebender Sieg. Ein Tweet von Jonathan Urich fasst die pro-Bibi Freude in Worte: „Gestern hat uns Guy Peleg eine Nachricht serviert, die sich als komplette Lüge herausgestellt hat und die ganze Geschichte völlig auf den Kopf gestellt hat. Er ist der König der Fake-Nachrichten.

 

Mit Pelegs Unehrlichkeit ist jedoch leider noch lange nicht das Ende dieser unsäglichen Geschichte ausgestanden. Beide Lager werden sich weiter bekämpfen, auch nach den anstehenden Wahlen. Für das anti-Bibi-Lager wird der Kampf erst zu Ende gekämpft sein, wenn Netanjahu aus der Öffentlichkeit verjagt worden ist.

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