Der abenteuerliche Weg zur Visumverlängerung 

Diesmal gibt uns unsere Praktikantin Eliane einen Einblick in die israelische Bürokratie.

von Eliane Müller |
Foto: Illustration - Eliane Müller

Am Montag war ich im „Misrad Hapnim“, dem israelischen Innenministerium, um mein Visum zu verlängern. Nach Absprache mit der israelischen Botschaft bin ich mit einem Touristenvisum nach Israel eingereist, welches für nur drei Monate gilt. Da mein Praktikum bei Israel Heute länger als drei Monate geht, wurde mir gesagt, ich solle mich dann zur Verlängerung an das zuständige Innenministerium wenden.

Von vielen Israelis und Freunden wurde ich vorher vor unfreundlichen Mitarbeitern gewarnt, die einen auch einmal gerne anschreien und mir wurde nicht viel Hoffnung gemacht, dass ich die Verlängerung genehmigt bekomme. Doch da ich das Praktikum mit einer bestimmten Länge für mein Studium brauche, blieb mir nicht viel anderes übrig.

Auf der offiziellen Internetseite des Ministeriums wird der Prozess genau beschrieben: man füllt ein Onlineformular aus, wird dann kontaktiert, um einen Termin zu machen, und erscheint dann mit den nötigen Papieren zu seinem Termin im Misrad Hapnim.

Soweit so gut. Ich füllte das Formular aus, das nur teilweise ins Englische übersetzt wurde. Ich war sehr dankbar über meine bisherigen wenigstens grundlegenden Hebräischkenntnisse. Dann wartete ich, bis sich jemand bei der von mir angegebenen E-Mail-Adresse oder Telefonnummer meldete. Doch selbst nachdem ich das Formular (nach dem Deutschland übrigens noch in Ost- und Westdeutschland geteilt ist) zum zweiten Mal ausgefüllt hatte, meldete sich niemand bei mir.

Ich musste also so zum Innenministerium gehen und hoffen, dass ich drankomme. Mir wurde geraten, morgens so früh wie möglich da zu sein und als ich früh um sieben dort ankam, wusste ich, warum. Vor dem Gebäude stand schon eine beachtliche Schlange wartender Menschen und je länger ich wartete, desto größer wurde die Schlange hinter mir.

Gegen acht öffneten Sicherheitsbeamte dann das Ministerium. Langsam ging es dann vorwärts. Einige aus der Reihe beendeten noch ihre letzte Zigarette und die religiösen Juden fingen langsam an, ihre Gebetsbücher wieder einzustecken, nachdem sie die Wartezeit mit ihren Morgengebeten verbracht hatten. Einige Familienväter, die sich angestellt hatten, riefen ihre Frauen und Kinder, die auf einer der Bänke in der Nähe warteten.

Einer nach dem anderen musste dann durch die Sicherheitskontrolle gehen, wie man es in Israel von allen öffentlichen Orten gewohnt ist. Danach kam man zu einer Rezeption, an die sich alle drängten. Hier bekam man dann, nachdem man kurz den Grund seines Besuches genannt hatte, eine Nummer zugeteilt.

Ariel, ein lieber Mitarbeiter von Israel Heute, hatte sich freundlicherweise bereiterklärt, mich zu begleiten und eventuell zu dolmetschen. Ich war froh und dankbar, nicht allein dort zu sein. Wir mussten dann ein Stockwerk höher zur Visaabteilung. Diese bestand aus einem großen Raum. Uns gegenüber, der Länge des Raumes entlang, waren ungefähr 20 Schreibtischkabinen, die jeweils mit einer Glaswand von dem Schreibtisch nebenan abgegrenzt waren.

Irgendwann schafften wir es an den aneinander gedrängten Menschen vorbei zu einem der „Warteräume“ — eine Nische in der Wand den Schreibtischen gegenüber, in der mehrere Stühle standen. Wir setzten uns und warteten, bis unsere Nummer aufgerufen wurde.

Zu meiner Verwunderung waren in einer Abteilung, zu der eigentlich nur Ausländer mit meist wenig Hebräischkenntnissen kommen, alle Durchsagen auf Hebräisch. Ich war froh, Ariel für mich dabei zu haben, der mir Bescheid sagte, wann meine Nummer aufgerufen wurde, und wo ich hin musste. Ariel trug dann dem Mann an der Information, der nur gebrochenes Englisch sprach, unser Anliegen auf Hebräisch vor. Nachdem dieser sich meine Papiere angesehen hatte, schickte er uns direkt zu der Managerin.

Vor ihrem Büro mussten wir dann noch einmal warten, bis unsere Nummer durchgesagt wurde. Hier hatte ich einige Zeit, die Menschen um mich herum zu mustern. Es war alles dabei, Männer, Frauen, Familien, Reiche, Arme, Religiöse, Nichtreligiöse, Amerikaner, Europäer, Asiaten usw. Doch eines hatten sie alle gemeinsam. Man sah ihnen ihre Nervosität und Bange sofort an. Einige schwitzten, zitterten, liefen hin und her oder wippten nervös mit den Beinen.

Wir wurden dann in das Büro der Managerin gerufen, die sich meine Papiere ansah, Fragen stellte und langsam etwas in ihren Computer eintippte. Doch nach einigen Momenten der Spannung sagte sie, ich solle ein Formular ausfüllen, warten bis ich noch einmal aufgerufen werde, und dann würde mir mein Visum ausgestellt werden.

Erleichtert verabschiedete ich mich von ihr und füllte im Warteraum das Formular aus. Als meine Nummer danach zum dritten Mal aufgerufen wurde, mussten wir an einen der Schreibtische. Ich setzte mich und reichte der Frau auf der anderen Seite der Glaswand durch einen Schlitz das Formular und meinen Reisepass. Diese nahm dann ohne ein Wort meine im Formular angegebenen Daten in das System auf. Nachdem ich ihr dann noch ein Passfoto gegeben und mit Karte bezahlt hatte, bekam ich dann endlich mein Visum — ein Aufkleber, den sie in meinen Reisepass klebte — genau bis zu dem letzten Tag meines Praktikums, keinen Tag länger. Das war mir allerdings sowieso egal, da ich schon meinen Flug an diesem Tag gebucht hatte.

Als wir dann kurz nach 9 aus dem Misrad Hapnim kamen, sah mich Ariel an und meinte: „Du siehst erleichtert aus.“ Nach der ganzen Anspannung war ich das auch auf jeden Fall! Nun kann ich ohne Probleme das Praktikum wie von meiner Uni vorgegeben absolvieren. Ich bin erleichtert und dankbar, dass Gott dafür gesorgt hat, dass alles gut geklappt hat und mir Menschen geschickt hat, die mir halfen.

 

 

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