Der israelische Botschafter bei UNESCO, Carmel Shama-Hacohen, erklärte gestern (Dienstag), dass er die israelische Regierung darum bitten werde, ihre Entscheidung, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen zu verlassen, zu überdenken. Israel hatte im Dezember bekanntgegeben, die UNESCO wegen ihrer ständigen anti-israelischen Resolutionen zu verlassen. Aus demselben Grund hatten die Vereinigten Staaten einige Monate zuvor bereits erklärt, aus der UNESCO auszutreten.
Carmel SHama-Hacohen sagte, dass sich die Einstellung der UNESCO gegenüber Israel in der letzten Zeit deutlich zum besseren verändert habe, seitdem die neue jüdische Vorsitzende der Organisation, die Französin Audrey Azoulay im Amt sei.
„Ich werde meiner Regierung vorschlagen, ihre Entscheidung wenigstens noch einmal zu überdenken“, sagte Shama-Hacohen in einem Telefoninterview. „Dadurch könnte der Austrittstermin, Dezember 2019, vielleicht für ein Jahr verschoben werden“, sagte er weiter.
Weiter erklärte der israelische Botschafter, dass unter der Führung der neuen UNESCO-Vorsitzenden ein „neuer Wind und neue Energie“ zu verspüren sei. Seit einem Jahr habe es keine anti-israelischen Resolutionen mehr gegeben, erklärte Shama-Hacohen.
Dennoch sagte er, dass es einem Wunder gleichkäme, wenn sich Israel für ein Verbleiben in der UNESCO entscheiden sollte. Aber es bestehe die Möglichkeit dafür.
Die gegen Israel gerichteten Resolutionen von 2016, wonach Israel keinerlei Recht auf Jerusalem habe und der Tempelberg und die jerusalmer Altstadt als heiige Stätten des Islams erklärt wurden, wurden jetzt neu formuliert und von palästinensischer, jordanischer und auch israelischer Seite laut einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge angenommen.
Die beiden Resolutionen haben weiterhin den Tempelberg und die Altstadt Jerusalems auf ihrer Liste, es wurden aber Phrasen entfernt, in denen Israel als Aggressor bezeichnet worden war.
Die UNESCO-Vorsitzende Audrey Azoulay begrüßte diese seltene Einigkeit unter den sich sonst zerstrittenen Parteien. Sie hoffe, dass dies eine weniger angespannte Periode erlauben werde und damit der UNESCO ermögliche, mehr vor Ort aktiv zu sein.
Archivbild: Gebäude der UNESCO in Paris (Foto: Serge Attal/Flash90)




