Besonderes Gedenken im Himalaya

Ein Vater tritt in die letzten Fußstapfen seiner gefallenen Tochter.

von Yossi Aloni |
Behindertengruppe im Himalaya Foto: Israelische Botschaft in Nepal

Fünf Jahre nachdem seine Tochter in einer Schneelawine im Himalaya ums Leben kam, kehrte der Vater des ersten weiblichen Kampfjet-Navigators der IDF dorthin zurück, um zusammen mit einer Delegation von behinderten Kletterern aus Israel denselben Gipfel im Himalaya zu bezwingen.

Zu der Delegation behinderter IDF-Veteranen und ziviler Kletterer aus Israel gehörte Hanan Ariel, der Vater des verstorbenen Tamar Ariel, der Kampfjet-Navigatorin, die 2014 bei einem Erdrutsch im Himalaya ums Leben kam. Sie wollte den Mount Annapurna in Nepal erklimmen.

Der Aufstieg des Annapurna-Kamms mit Rollstühlen war eine sehr komplexe logistische Angelegenheit, die eine besondere Vorbereitung erforderte.

Der Höhepunkt der Reise war der genaue Punkt, an dem Tamar an den vereisten Hängen starb. Es war genau an dieser Stelle, wo Tamar vor fünf Jahren, nachdem sie stundenlang ihren Reisegefährten half und sie körperlich gerettet hatte, schließlich zusammenbrach und starb.

In diesem Moment kam die Gruppe zu einem tieferen Verständnis der Risiken, die Tamar eingegangen war, indem sie ihr Leben riskiert hatte, um ihre Freunde zu retten. „Ihr Vater, der uns behinderte Menschen durch diesen tückischen Weg und diese bergige Herausforderung geführt hatte, war für uns ein Beispiel dafür, anderen durch Gefahren und Prüfungen zu helfen. Wir alle standen zusammen und bauten ein Denkmal zu Ehren von Tamar, die offiziell als gefallene IDF-Soldatin nach den Vorschriften der Armee anerkannt wurde, weil sie in ihren Bestrebungen, eine Aktion zur Rettung anderer durchzuführen, ums Leben kam. Auch wenn sie keinen offiziellen militärischen Einsatz hatte“, sagte einer der Kletterer.

Tamars Vater, Hanan Ariel, der nicht behindert ist, sagte: „Wir tragen euch körperlich und ihr tragt uns geistig. Vielleicht haben wir in diesen Höhen und Tiefen nur einen Teil von der Last gespürt, die ihr jeden Tag und jede Stunde tragt. Eure Bemühungen hier geben uns Kraft. Was wir mit dem Verlust von Tamar erlebt haben, hat uns gelehrt, dass jeder Mensch eine begrenzte Zeit in dieser Welt hat. Tamar hatte 25 volle und gute Jahre“, sagte Hanan.

Hanan dankte den Mitgliedern der Gruppe, die in den letzten Schritte von Tamar gehen konnten. Die israelische Botschaft in Nepal veranstaltete ein Sondertreffen für die israelische Gruppe und die Nepali Disabled Association. Am Ende des Aufstiegs organisierte die Botschaft gemeinsame Aktivitäten im Gebirge.

Der israelische Botschafter in Nepal, Benny Omar, sagte: „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit zwischen behinderten Menschen aus Israel und Nepal. Sie beweist, dass Menschen in der Lage sind, mit gegenseitiger Unterstützung und Solidarität außergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Es ist auch ein Beitrag zur Förderung des Tourismus in Nepal, der 2020 zum Jahr des „Visit Nepal 2020“ erklärt hat.

Erst letzte Woche beschloss das israelische Verteidigungsministerium, Tamar als gefallene IDF-Soldatin anzuerkennen, nachdem neue Beweise zeigten, dass sie bei dem Versuch, das Leben anderer zu retten, gestorben war.

Tamar Ariel wurde zu einem Vorbild für viele religiöse Frauen in Israel, die den vollen Militärdienst in der IDF ableisten. Sie wurde 1989 am religiösen Moshav Masuot Yitzhak geboren. Im Jahr 2009 wurde sie in den renommierten Pilotenkurs der Luftwaffe aufgenommen und am Ende ihres ersten Jahres in den Kurs für Jagdpiloten aufgenommen. Bei ihrem ersten Alleinflug mit dem Trainingsflugzeug T-6 Texan II — in der israelischen Luftwaffe als „Efroni“ bekannt — musste Tamar bei der Landung wegen eines Unfalles abbrechen und wurde am Rücken verletzt. Sie brauchte ein halbes Jahr, um zu genesen. Nach ihrer Rückkehr trat Tamar sofort in den nächsten Kampfnavigator-Kurs ein und studierte gleichzeitig für einen Bachelor-Abschluss in Politik und Staatswissenschaft.

Im Januar 2013 schloss sie den Kurs ab und erzählte Yedioth Ahronoth und YNET News: „Ich habe nicht an einem Pilotenkurs teilgenommen, um die religiöse zionistische Flagge zu hissen, oder als Vertreterin religiöser Frauen. Es ist einfach so passiert, natürlich. Eine Pilotin der Luftwaffe, die einen Rock als Uniform trägt, wirkte zunächst seltsam. Einige fragten aus Interesse und Neugierde, wie ich regelmäßig bete, die Bescheidenheit und die Verpflichtung, Männer nicht zu berühren, sowie die Einhaltung des Schabbats bewahre. Wir haben uns bald alle an die Situation gewöhnt. Wir haben sogar über die Vorteile des Tragens eines Rockes gescherzt und dass ich darum herumkomme, die Hosenbeine in die Stiefel stecken zu müssen. Wie auch immer, meine normale Uniform ist ein Overall, genau wie alle anderen.“

Tamar diente als Kampfpilotin in der Staffel des Jordantals, und die wichtigste Rolle, die sie hatte, war das Kommando über die Nachrichten- und Navigationsabteilung. Sie diente etwa ein Jahr lang als Navigatorin in der Staffel und nahm an 33 Einsätzen teil, von denen 21 während der Operation „Tzuk Eitan“ gegen die Hamas im Gazastreifen im Juli bis August 2014 stattfanden. Zu den Aufgaben gehörten Angriffsmissionen während der gesamten Operation, das Kommando über die Nachrichten- und Navigationsabteilung und die Teilnahme an den Einsätzen im israelischen Luftwaffenkommandozentrum. Am Ende der Operation erhielt Tamar vom Staffelchef die Auszeichnung für den herausragendsten Jäger der Einheit.

In den Jahren nach ihrem Tod wurden eine Reihe von Institutionen zu ihren Ehren eingeweiht, darunter eine High School in Netanya, eine IDF-Vorbereitungsschule, ein Bildungs- und Sportzentrum in Masuot Yitzhak, eine Synagoge im Kibbuz Sde Nehemiah, ein religiöses Lernzentrum in Yerucham sowie zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge, Sportwettbewerbe und mehr.

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