Unser Wochenabschnitt „Wajera“ ist voller Action. Sodom und Gomorrah werden zerstört, Lots Frau wird zur Salzsäule, Abimelech entführt Sarah und vieles mehr. Wir konzentrieren uns jedoch hier auf zwei kurze Verse, die ganz unauffällig zwischen all den spannenden Geschichten liegen, aber viel über die Ehe zu berichten haben.
Zu Beginn des 19. Kapitels im ersten Buch Mose sitzt Abraham vor seinem Zelt, als drei Männer ankommen, die sich später als Engel zu erkennen geben. Zuerst hält Abraham sie jedoch für normale Menschen und lädt sie zum Essen ein. Sie sitzen gemeinsam vor dem Zelt und …
“Da sprachen sie zu ihm: Wo ist deine Frau Sarah? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Gewiß will ich um diese Zeit im künftigen Jahr wieder zu dir kommen, und siehe, deine Frau Sarah soll einen Sohn haben! Sarah aber horchte am Eingang des Zeltes, der hinter ihm war. Und Abraham und Sarah waren alt und recht betagt, so dass es Sarah nicht mehr nach der Weise der Frauen ging. Darum lachte sie in ihrem Herzen und sprach: Nachdem ich verblüht bin, soll mir noch Wonne zuteilwerden! Dazu ist mein Herr ein alter Mann!
Da sprach Gott zu Abraham: Warum lacht Sarah und spricht: »Sollte ich wirklich noch gebären, so alt ich bin?« Sollte denn für Gott etwas zu wunderbar sein? Zur bestimmten Zeit will ich wieder zu dir kommen im nächsten Jahr, und Sarah wird einen Sohn haben!”
Nach jüdischer Tradition wussten die Engel genau, wo Sarah war, sie fragten Abraham, weil sie ihm deutlich machen wollten, wie züchtig seine Frau ist, da sie im Zelt geblieben war, anstatt sich zu den fremden Männern zu setzen. Abraham war zu dieser Zeit fast 100 Jahre alt und Sarah fast 90, aber die Engel schienen zu glauben, ihre Ehe benötige Hilfe.
Später beschwert sich Gott bei Abraham, dass Sarah über die Aussicht auf ein Kind gelacht hat, als wäre es für Gott nicht möglich das zu vollbringen. Bei der Nacherzählung von Sarahs Worten lässt Gott jedoch den Teil weg, in dem sie sagt, dass Abraham ein alter Mann ist!
Auch hier kommentieren die Rabbiner, Gott wollte keine negative Stimmung in die Ehe der beiden bringen. Daher verschwieg er, dass Sarah Abraham für einen alten Mann hielt.
Richtig, aber falsch
Es gibt viel aus diesen kurzen Versen zu lernen. Ganz offensichtlich ist, dass Abraham wusste, wo Sarah war und dass er ein alter Mann war. Es ist trotzdem und sogar nach jahrelanger Ehe notwendig, ihn an ihre positiven Seiten zu erinnern und ihre Aussagen zu verstecken, die negativ interpretiert werden könnten. Diese Feinfühligkeit lernen wir von den Engeln und von Gott selbst.
Weiterhin lernen wir, dass auch die Liebe zwischen einem älteren Ehepaar Pflege benötigt. Man muss die Flamme am Brennen halten, egal wie alt man ist, wie lange man zusammen lebt, oder wenn die Enkel einen schon abgeschrieben haben.
Ehen sind dynamische Beziehungen, die ständiges Wachstum und Erneuerung erfordern, ganz gleich, wie lange das Paar bereits verheiratet ist. Es ist unerlässlich, dass sich die Partner gegenseitig Zuneigung entgegenbringen. In diesem Fall waren es zwar andere Personen von außen, die diese „Zuneigung“ zum Ausdruck brachten, doch wir lernen daraus, dass es auch Aufgabe von Mann und Frau ist, ständig daran zu arbeiten, ihren Partner in einem positiven Licht zu sehen. Dies sollte wiederum dazu führen, dass sie einander mit größtmöglichem Respekt und Mitgefühl begegnen.
Die gesamte Szene lehnt im Grunde das Älterwerden in der Ehe ab. Gott wollte nicht, dass sich Abraham für einen alten Mann hält und seine Ehe ebenfalls als alt sieht. Er wollte eine liebevolle und immer wieder frische, romantische Beziehung zwischen den Ehepartnern.
Das bedeutet, dass die Partner ihre guten Seiten erkennen und aussprechen. Aber auch, dass man feinfühlig mit seinen Worten sein sollte. Das gilt für das Ehepaar, genauso wie für die Menschen in ihrer Umgebung.



