all

all

Deutschlands gefährlicher Gedächtnisverlust

Da der Antisemitismus sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite des politischen Spektrums zunimmt, läuft Deutschland Gefahr, die Lehren und die Verantwortung, die ihm die Geschichte auferlegt hat, aufzugeben.

Menschen vor einem Wandgemälde, das eine Kombination aus der israelischen und der deutschen Flagge an der Berliner Mauer zeigt. 13. März 2016. Foto: Noam Revkin Fenton/FLASH90
Menschen vor einem Wandgemälde, das eine Kombination aus der israelischen und der deutschen Flagge an der Berliner Mauer zeigt. 13. März 2016. Foto: Noam Revkin Fenton/FLASH90

(JNS) Die rechte Partei, die bei den jüngsten Wahlen in Sachsen einen Erdrutschsieg errungen hat, scheint europaweit eher Empörung als Besinnung ausgelöst zu haben.

Dennoch ist die Alternative für Deutschland (AfD) kein unerklärliches Geschöpf der Geschichte. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Fehler im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik unter der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, gepaart mit politischer Instabilität, wirtschaftlicher Unsicherheit, Arbeitslosigkeit und einer wachsenden Angst vor einem Krieg.

Siehe: Israels Blick auf den AfD-Triumph: „Eine echte Alarmstufe für Deutschland“

Was uns wirklich zu denken geben sollte, ist Deutschland selbst.

Vor achtzig Jahren beging Deutschland das größte Verbrechen der Geschichte: den systematischen Mord an 6 Millionen unschuldigen Juden. In den Jahrzehnten seitdem hat das Land außerordentliche Anstrengungen unternommen, sich dieser Vergangenheit zu stellen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Nun beginnt diese Errungenschaft zu bröckeln.

Sowohl die AfD auf der rechten Seite als auch die Grünen und linke Parteien weisen das Etikett „antisemitisch“ zurück. Doch jede dieser Parteien ist – auf sehr unterschiedliche Weise – zunehmend bereit, in einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu fischen: der Feindseligkeit gegenüber den Juden.

Die Mauer bricht zusammen.

Ein großes Land, das so hart daran gearbeitet hat, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, verliert das Gleichgewicht, wenn es mit der politischen Versuchung konfrontiert wird, antisemitische Stimmungen als weitere Stimmenquelle zu nutzen.

Die Linke geht dabei expliziter vor. Sie schürt die Feindseligkeit gegenüber Israel, stellt den jüdischen Staat als kolonialistisch und völkermordend dar und findet Verbündete unter radikalen islamistischen Bewegungen. Der Antizionismus liefert ein bequemes Vokabular, mit dem alte Vorurteile als progressive Politik neu verpackt werden können.

Auf der rechten Seite hat die Versuchung einen traditionelleren Charakter. Die Erinnerung an den Holocaust verblasst allmählich, während Stimmen laut werden, die andeuten, dass diese zwölf schrecklichen Jahre nicht länger einen so zentralen Platz in der Geschichte Deutschlands und seiner ansonsten ruhmreichen nationalen Tradition einnehmen sollten.

Das ist eine tiefe moralische Wunde.

Das Wiederaufleben des Antisemitismus sollte in Deutschland eine Krise des nationalen Gewissens auslösen. Stattdessen stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle von 4.886 im Jahr 2023 auf 8.627 im Jahr 2024 und 8.725 im Jahr 2025. 68 Prozent der deutschen Juden geben an, dass sie sich weniger sicher fühlen als vor dem 7. Oktober 2023.

Die Führung der deutschen Rechten greift Israel nicht unbedingt an. Tatsächlich erkennt sie das Recht Israels auf Selbstverteidigung an. Doch wenn Politiker die Bedeutung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts herunterspielen, wissen sie, dass sie einen Nerv treffen, der leicht in Hass umschlagen kann.

Auf der anderen Seite macht der radikale Antizionismus seine Feindseligkeit offen deutlich. Er kriminalisiert Israel und zunehmend auch die Juden selbst, während die pro-palästinensische Ideologie einen Großteil der europäischen Linken dazu bringt, den Terrorismus nicht als das anerkennen zu können – oder zu wollen – was er ist.

Deutschland scheint zunehmend mit den Schultern zu zucken und zu sagen: Wenn Antisemitismus überall sonst akzeptabel wird, können vielleicht auch wir unser Festhalten an den Lehren der Vergangenheit lockern.

Diesen Luxus kann sich Deutschland nicht leisten.

Seine Auseinandersetzung mit dem Holocaust war nicht bloß ein Akt der Reue. Sie wurde Teil der moralischen Architektur des Nachkriegseuropas und eine Warnung davor, was geschieht, wenn Hass, politischer Opportunismus und historisches Gedächtnisverlust aufeinandertreffen.

Wenn Deutschland diese Verantwortung vergisst – wenn es beginnt, die Bedeutung des Zweiten Weltkriegs zu vergessen –, dann wird das ein schreckliches Warnzeichen sein.

Und das nicht nur für die Juden.

 

About the author

Patrick Callahan

This is an example of author bio/description. Beard fashion axe trust fund, post-ironic listicle scenester. Uniquely mesh maintainable users rather than plug-and-play testing procedures.

Schreibe einen Kommentar