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Israel und Indien vertiefen ihre Verteidigungsbeziehungen – Waffenverkäufe übersteigen 8 Milliarden Dollar

Ehemalige Regierungsvertreter sagen, die Beziehungen gingen mittlerweile weit über den Waffenverkauf hinaus und umfassten auch Technologie, Lieferketten und die Gestaltung regionaler strategischer Trends.

Der Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor (a. D.) Amir Baram, trifft sich am 22. Juni 2026 in Neu-Delhi mit dem indischen Verteidigungsminister Rajnath Singh. Bildnachweis: Indisches Verteidigungsministerium

(JNS) Israel und Indien haben ihre Verteidigungs- und strategische Partnerschaft vertieft. Nach Angaben ehemaliger israelischer Amtsträger geht diese mittlerweile weit über Waffenverkäufe hinaus undumfasst nun auch Wassertechnologie, Handelskorridore sowie gemeinsame Bemühungen zur Gestaltung regionaler strategischer Entwicklungen.

Im Juni leitete der Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor (a. D.) Amir Baram, eine offizielle Delegation nach Indien und führte hochrangige Gespräche mit dem indischen Verteidigungsminister, dem Verteidigungsstaatssekretär, dem Generalstabschef sowie weiteren hochrangigen Vertretern des Verteidigungsministeriums, um den Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung und Industrie zu erörtern.

Meir Ben Shabbat, Israels ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, der das Misgav-Institut für nationale Sicherheit leitet, erklärte gegenüber JNS: „Aus israelischer Sicht hat die Vertiefung der Beziehungen zu Indien höchste strategische Bedeutung und das Potenzial, erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit sowie die wirtschaftliche und politische Widerstandsfähigkeit des Staates zu haben.“

Ben Shabbat bezeichnete Indien angesichts seines Status als bevölkerungsreichstes Land der Welt als stabilen Anker für Israel in Asien und nannte mehrere Säulen, auf denen die Beziehung ruht, angefangen mit Indiens Rolle als Israels wichtigstem Abnehmer von Verteidigungsgütern.

„Indien ist der größte Abnehmer der israelischen Rüstungsindustrie, was die für die israelische Armee unverzichtbare Forschung und Entwicklung finanziert“, sagte er.

Er verwies zudem auf den Austausch von Geheimdienstinformationen zum islamistischen Terrorismus und zur Grenzsicherheit sowie auf den diplomatischen Wert einer Diversifizierung über den Westen hinaus.

„Die Stärkung der Beziehungen in Asien verringert Israels ausschließliche Abhängigkeit von der Unterstützung westlicher und europäischer Länder“, sagte Ben Shabbat und fügte hinzu, dass die gemeinsame Produktion von Waffensystemen mit Indien dazu beitrage, Israels Versorgung mit Rohstoffen und Bauteilen in Notfällen sicherzustellen.

Ben Shabbat stellte die Beziehung zudem in einen breiteren geopolitischen Kontext und verband Israel mit einem größeren Netzwerk von Partnern in ganz Asien und am Golf.

„Die Partnerschaft zwischen Israel, Indien, den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten schafft einen mächtigen wirtschaftlich-strategischen Korridor, der Asien, den Nahen Osten und Europa verbindet und das Potenzial hat, weitere Länder einzubinden“, sagte er.

Er beschrieb Indien zudem als einen riesigen Markt für israelische zivile Technologie.

„Indien bietet israelischen Unternehmen aus den Bereichen Cybersicherheit, Kommunikation und zivile Technologie ein immenses Geschäftspotenzial“, sagte Ben Shabbat und würdigte den indischen Premierminister Narendra Modi persönlich dafür, dass er die Beziehungen während des gesamten Krieges vorangetrieben habe.

„Die Freundschaft von Premierminister Modi und seine Politik gegenüber Israel während der gesamten Kriegszeit haben wesentlich zur Vertiefung der Beziehungen zwischen den Ländern und Völkern beigetragen“, sagte er.

Micky Aharonson, ehemalige Leiterin der Abteilung für Außenbeziehungen im Nationalen Sicherheitsrat Israels im Büro des Premierministers und heute Partner bei 6.8 Ventures, einem auf nationale Sicherheit ausgerichteten Investmentfonds, erklärte gegenüber JNS, dass eine Reduzierung der israelisch-indischen Beziehungen auf den reinen Waffenverkauf deren Tragweite unterschätze.

„Zu sagen, dass es hier nur um Sicherheitsfragen geht, bedeutet, die Beziehung drastisch zu schmälern, und wenn wir über die Beziehung sprechen, müssen wir nicht von Sicherheit im engeren Sinne sprechen, sondern von nationaler Sicherheit, was im weiteren Sinne militärische und sicherheitspolitische Angelegenheiten sowie das umfasst, was ich als die Fähigkeit zur Wahrung der Souveränität bezeichne“, sagte Aharonson und definierte Souveränität im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Wasser und Ernährungssicherheit.

Sie wies darauf hin, dass Indien mit erheblichen klimatischen Belastungen konfrontiert sei, darunter auch Wasserknappheit.

„Israel gilt als weltweit führend in den Bereichen Meerwasserentsalzung, Abwasseraufbereitung und Bewässerungstechnologien“, erklärte Aharonson und argumentierte, dass diese Kompetenzen nicht weniger wichtig seien als die militärische Ausrüstung, die während des Besuchs der israelischen Delegation im Juni erörtert wurde.

Aharonson verwies auf den Indien-Nahost-Europa-Korridor (IMEC) als zentrales strategisches Projekt, das die Beziehungen miteinander verknüpft. [Lesen Sie dazu einen aktuellen Artikel in unserer neuen Israel Heute Ausgabe!]

„Die Idee war, Indien über die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Jordanien und Israel mit Europa in Richtung Griechenland zu verbinden – und dabei geht es nicht nur um eine Eisenbahnstrecke, sondern auch um Pipelines, Glasfaserkabel und andere Infrastruktur. Es ist ein entscheidendes Projekt für den Staat Israel“, sagte sie.

Aharonson warnte jedoch vor einer konkurrierenden Route, die derzeit diskutiert wird und vom Irak durch Syrien verlaufen soll, was Israels Position untergraben könnte; sie bezeichnete die Initiative als erhebliche strategische Bedrohung.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht dazu kommt, liegt vor allem darin, dass Syrien ein Staat in Trümmern ist – und viel Glück für die Syrer beim Umgang mit all den Milizen –, aber ansonsten wollen die Türken dies unbedingt umsetzen, mit der Unterstützung des amerikanischen Gesandten Tom Barrack“, sagte Aharonson.

Aharonson erwähnte desweiteren das Projekt I2U2 – das Wirtschafts- und Technologie-Kooperationsformat, das Israel, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Vereinigten Staaten verbindet – als eine unterschätzte Säule der Beziehungen. Dieses Bündnis wurde im Oktober 2021 während eines virtuellen Treffens der Außenminister der vier Länder ins Leben gerufen.

„Das ist nicht weniger wichtig als Waffen, sondern sogar noch wichtiger – Ernährungssicherheit, Wasser, erneuerbare und grüne Energie, Verkehr, Lieferketten“, sagte sie und wies darauf hin, dass in Indien im Rahmen der Zusammenarbeit in den Bereichen Wasser und Bewässerung bereits Agrarparkprojekte eingerichtet worden seien.

Als Hauptbedrohung, die Indien in Richtung Israel treibe, nannte sie China.

„An der gemeinsamen Grenze im Himalaya kommt es zu militärischen Konfrontationen. Indien fürchtet die sogenannte ‚Perlenkette‘ – Chinas Häfen und Stützpunkte, die sich langsam um Indien herum in Pakistan, Sri Lanka, Myanmar und Dschibuti schließen“, sagte Aharonson und fügte hinzu, dass Pakistan, die islamistische Radikalisierung durch Gruppen wie Lashkar-e-Taiba sowie die Anfälligkeit der Schifffahrtswege im Indischen Ozean weitere Sorgen bereiten.

Während des Besuchs im Juni veröffentlichte das Verteidigungsministerium eine Erklärung von Baram, in der es hieß: „Indien ist ein wichtiger strategischer Partner des Staates Israel. Eine Verbindung, die auf gemeinsamen Werten, tiefer kultureller Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen beruht und weit über bloße Interessen hinausgeht. Das macht diese Partnerschaft einzigartig und die gemeinsamen Projekte, die wir vorantreiben, umso bedeutungsvoller.“

Globes berichtete am 15. Februar 2026 unter Berufung auf Forbes India, dass Israel und Indien sich 2026 auf Rüstungsgeschäfte im Wert von 8,6 Milliarden US-Dollar geeinigt hätten, darunter die präzisionsgelenkten Bomben SPICE 1000 von Rafael, die Luft-Boden-Raketen „Rampage“ von Elbit Systems, die luftgestützten ballistischen Raketen „Air Lora“ von Israel Aerospace Industries sowie das Raketensystem „Ice Breaker“ von Rafael.

Globes merkte an, dass Indien seit Jahren Israels größter Kunde im Verteidigungsbereich ist und laut dem Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstitut (SIPRI) zwischen 2020 und 2024 34 % der israelischen Waffenverkäufe ausmachte. Der Gesamtumsatz in diesem Zeitraum belief sich nach Angaben der Direktion für internationale Verteidigungszusammenarbeit (SIBAT) des israelischen Verteidigungsministeriums auf rund 20,5 Milliarden US-Dollar.

Indien hat zudem mehrere Großaufträge mit Israel Aerospace Industries über den Kauf der maritimen und bodengestützten „Barak 8“-Luftabwehrsysteme unterzeichnet, deren Gesamtwert sich auf über 3 Milliarden US-Dollar beläuft.

Aharonson sagte, Indien sei eine wertvolle Ergänzung – kein Ersatz – für Israels Bündnis mit Washington.

„Ich glaube nicht, dass Indien ein Ersatz ist, aber Indien ist eine sehr, sehr wichtige Verstärkung. Es muss kein Ersatz sein; es muss Teil des Kreises sein“, sagte sie und argumentierte, dass Israel von einer breiteren Koalition demokratischer, produktiver Partner profitiere, sodass, falls die Beziehungen zu einem Partner schwächer werden, andere helfen können, den Verlust auszugleichen.

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Patrick Callahan

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