Wenn zehntausende Studenten ihre Universitäten besetzen und auf die Straße gehen, um „Gerechtigkeit” für Palästina zu fordern – obwohl sie kaum etwas über die Geschichte wissen –, dann geschieht etwas Tieferes. Das sind nicht nur Proteste. Das sind Erschütterungen einer Zivilisation, die ihre Orientierung verloren hat. Aktivismus wird heute mit Sinnhaftigkeit verwechselt. Die Energie der Masse ist zum Ersatz für moralische Klarheit geworden.
Was diese jungen Aktivisten motiviert, sollte man nicht unterschätzen. Ihre Emotionen sind echt. Sie glauben wirklich, dass sie für Gerechtigkeit eintreten. Aber sie benutzen geliehene Banner und eine geliehene Sprache. Sie skandieren Slogans dschihadistischer Banden, als wäre es ihre eigene Familiengeschichte. Doch Aufrichtigkeit allein ist kein Garant für Wahrheit.
UNBEQUEME WAHRHEIT
Die Wahrheit ist, wie so oft, auch in diesem Fall unbequem: Das moralisierende Vokabular, das diesen Protestwirbel antreibt, wurde direkt aus der Heiligen Schrift entlehnt. Es ist moralische Empörung ohne Bezug zur Realität. Größen wie „Menschenwürde“ und „Fürsorge für den Fremden“ wiesen einst auf Gott hin, auf den Glauben, dass die Menschen nach seinem Bild...




