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Die erschütternde Geschichte einer ehemaligen Hamas-Geisel

Der 18-jährige Ofir Engel erzählt, wie er während des Massakers vom 7. Oktober 2023 gefangen genommen und 54 Tage lang von Hamas-Terroristen in Gaza festgehalten wurde.

Hamas
Die freigelassene Geisel Ofir Engel wird im Kibbutz Be'eri für das VR-Projekt Survived to Tell-Be the Witness gefilmt, Januar 2024. Bildnachweis: Survived to Tell-Be the Witness (Überlebt, um zu erzählen – Sei Zeuge).

„Es gibt immer Geräusche oder Gerüche, die einen dorthin zurückversetzen. Ich warte einfach, bis es vorübergeht“, erzählte Ofir Engel am Mittwoch gegenüber JNS.

Engel, 18 Jahre alt, wurde am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbutz Be’eri entführt, als er den Feiertag Simchat Tora bei der Familie seiner Freundin Yuval Sharabi verbrachte.

Als sie an jenem „Schwarzen Schabbat“ um 6:30 Uhr durch Raketenalarm geweckt wurden, rannten Engel, Yuval, ihre Eltern, zwei Schwestern und ihr Hund in den Schutzraum, um auf Entwarnung zu warten.

„Aber die [Sirenen] hörten nicht auf“, erzählte Engel und fügte hinzu: “Nach zweieinhalb Stunden fingen Freunde an, beängstigende Nachrichten zu schicken, in denen sie berichteten, dass sie Terroristen vor ihren Häusern hörten und um die Ankunft der Armee flehten.“

Ein Mädchen schrieb, dass Terroristen ihre Mutter erschossen hätten und dass sie „nichts tun könne“, berichtete er.

Mit der Zeit erkannte Engel, dass der Angriff viel ernster war, als er gedacht hatte.

Er erinnerte sich an die Abfolge der Ereignisse und erzählte: „Nach sechs Stunden hörten wir einen großen ‚Knall‘, der aus dem Eingang des Hauses kam. Wir hörten, wie die Terroristen im Haus herumliefen, während wir noch alle im Schutzraum waren. Ein paar Minuten später versuchten sie, die Tür zum Raum zu öffnen. Yuvals Vater, Yossi, hielt sie geschlossen. Aber er war nicht in der Lage, gegen die drei Terroristen anzukämpfen, die die Tür aufstießen.“

Engel fuhr fort: „Sie kamen bewaffnet herein. Als erstes erschossen sie Yuvals Hund. Dann richteten sie ihre Gewehre auf uns. Sie zwangen uns, mit den Nachbarn, der Familie Shani, draußen auf dem Rasen zu sitzen. Überall war Rauch, und es roch nach Schießpulver.“

Nachdem sie beide Familien in einen anderen Teil des Kibbuz gebracht hatten, führten die Terroristen sie zur Straße, wo ein kleines, altes, schwarzes Auto wartete.

„Sie setzten Yuvals Vater hinein. Yuval und ich hielten uns an den Händen. Zuerst setzten sie uns beide hinein, aber dann gaben sie ihr ein Zeichen, auszusteigen. Sie setzten stattdessen Amit Shani, den jungen Sohn des Nachbarn, hinein, und wir fuhren mit hoher Geschwindigkeit davon“, sagte Engel.

„Das letzte Bild, das ich von Yuval und ihrer ganzen Familie hatte, war das von zwei bewaffneten Terroristen am Straßenrand, als wir wegfuhren. Ich war sicher, dass sie an diesem Tag entweder entführt oder ermordet worden waren“, fügte er hinzu.

Engel, Yossi Sharabi und Amit Shani wurden von zwei Terroristen nach Gaza gebracht, einer fuhr, der andere richtete seine Waffe auf sie. Engel erinnert sich noch gut an den Anblick der Leichen im Kibbuz und an die Menschen aus Gaza, die den Ort mit Taschen voller Vorräte verließen.

Die Fahrt nach Gaza dauerte 20 Minuten – vorbei am ersten durchbrochenen Zaun des Kibbuz und am zweiten, der Israel vom Gazastreifen trennte – und das Auto kam um 13:30 Uhr an.

Die drei Gefangenen wurden umgehend in das Haus eines der Entführer gebracht, wo sie anderthalb Stunden lang über ihr Alter, ihren Wohnort und ihren Armeedienst verhört wurden.

„Einer der Terroristen rief seine Freunde und Familie, sogar seine Mutter, um uns zu beobachten. Sie sahen sehr glücklich aus, lachten und lächelten. Wir kamen uns vor wie Tiere in einem Zoo“, sagte er. „Nachts brachten sie uns in ein anderes Haus. Dort schliefen wir auf einer Couch mit acht bewaffneten Terroristen, die uns ständig auf Arabisch anschrien. Sie schienen uns zu hassen und waren bereit, uns jeden Moment in den Kopf zu schießen.“

Engel verbrachte 26 Tage mit Sharabi und Shani in einem Zimmer in diesem Haus.

„Zwei Terroristen bewachten uns und erlaubten uns nicht, aufzustehen. Wir mussten um Erlaubnis bitten, um auf die Toilette zu gehen. Sie sagten nicht nein, aber sie waren offensichtlich nicht erfreut, als wir darum baten. Jeden Tag wurde uns gesagt, wir würden nie wieder nach Hause kommen“, so Engel.

„Wir schliefen auf Matratzen auf dem Boden. Sie gaben uns zwei Stück Brot pro Tag, Käse, Fleischkonserven und eine viertel Flasche Wasser“, erzählt er. „Sie gaben uns auch Karten und wir spielten von morgens bis abends. Manchmal haben wir sogar mit den Terroristen gespielt. Aber wir haben sie nie gewinnen lassen. Wir wollten ihnen nicht das Gefühl geben, dass sie uns in irgendetwas besiegen“.

Nach fast einem Monat an diesem Ort wurden Engel und die beiden anderen Gefangenen in das Haus des Kommandanten ihrer Entführer verlegt.

„Er war ein sehr gemeiner Mann. Er ließ uns überhaupt nicht zu Wort kommen. Er schloss uns in einen Raum ein und sagte uns immer wieder, dass wir in Gaza sterben werden“, so Engel.

Nach 40 Tagen Gefangenschaft kamen die Terroristen mit einer Kamera und nahmen zwei Videos auf. Auf dem ersten forderten sie die Geiseln auf, ihre Namen, ihr Alter und ihre Herkunft anzugeben. Sie sollten sagen, man kümmere sich um sie und gebe ihnen zu essen, und die israelische Regierung bitten, sie nach Hause zu bringen.

Im zweiten Video sollten sie sagen, dass sie sich drei Datteln und ein halbes Glas Wasser teilten – und dass sie so nicht überleben könnten.

„Wir dachten, das sei eine gute Sache. Wir glaubten, sie würden die Clips veröffentlichen und unsere Familien würden wissen, dass wir am Leben sind“, sagte Engel. „Aber sie haben sie nie veröffentlicht.“

Am 48. Tag kamen die Terroristen nachts mit Stiften und Papier und sagten den Gefangenen, sie würden sterben und müssten Abschiedsbriefe schreiben.

„Ich schrieb an Yuval, an meine Familie, an meine Freunde“, so Engel. „Ich habe eine ganze Seite geschrieben, vielleicht sogar mehr. Es war beängstigend, denn sie kamen einfach und sagten so etwas und man konnte nicht wissen, ob es wahr war. Wir sagten uns, wenn sie uns bitten, die Briefe zu schreiben, ist es wahrscheinlich wahr. Wir schrieben voller Angst, schliefen verängstigt ein und merkten am nächsten Morgen, dass es nicht wahr war – dass sie uns wieder angelogen hatten. Die Angst wurde immer größer, und mit jedem Tag, der verging, gab es weniger zu essen.“

Nach 53 Tagen wurden Engel, Shani und Sharabi erneut verlegt.

„Es war Nacht und dunkel. Wir konnten nicht viel sehen. Plötzlich, mitten auf der Straße, trennten sie Sharabi von uns und brachten ihn weg. Es war das letzte Mal, dass ich ihn sah; wir konnten uns nicht einmal verabschieden“, erklärte Engel. „In der Gefangenschaft hatte ich ständig Angst, denn diese Terroristen, die mich hassten, hätten mich jeden Moment töten können. Yossi [Sharabi] war wie ein Vater. Er hat uns immer geholfen und uns Hoffnung gegeben. Er sagte immer wieder, dass wir es schaffen würden. Ich weiß nicht, was ich ohne ihn getan hätte.“

Dann wurden Engel und Shani in die Lobby eines alten Gebäudes gebracht, wo sie auf Stühlen Platz nahmen und ihnen gesagt wurde, sie würden nach Hause zurückkehren.

„Wir dachten offensichtlich, die Terroristen lügen“, sagte er.

Er fuhr fort: „Sie brachten uns von dort aus mit einem Auto mit zwei Frauen, die in Dschallabijen gekleidet waren und von denen wir annahmen, dass sie Araberinnen seien. Doch plötzlich flüsterte eine von ihnen auf Hebräisch: ‚Sprichst Du Englisch?‘ Ich stand unter Schock. Ich habe nicht geantwortet. Sie fragte noch einmal, und ich sagte ‚Ja‘. Sie erklärte, sie seien auch Gefangene und wir müssten still sein.“

Es stellte sich heraus, dass es sich bei den beiden Frauen um die befreiten Hamas-Geiseln Moran Stella Yanai und Raya Rotem handelte. Sie kamen alle an einem Ort an, an dem weitere israelische weibliche Geiseln warteten, einige mit einem Funkgerät. Sie bestätigten ihm, dass ein Abkommen über ihre Freilassung kurz vor dem Abschluss stand.

„In diesem Haus gab es viele Terroristen, aber sie waren viel netter“, erzählte Engel. „Sie gaben uns viele Pitas, Getränke und Süßigkeiten. Sie wollten, dass wir mit guten Gefühlen zurückkehren und sagen, dass wir gut behandelt wurden, aber das wurden wir nicht.“

Er fuhr fort: „Wir blieben dort bis zum Morgen, als sie uns an unseren letzten Aufenthaltsort brachten, bevor sie uns an das Rote Kreuz übergaben. In der Zwischenzeit trafen weitere Geiseln ein, darunter Itay Regev, Liam Or und Liat Atzili. Wir begrüßten sie und gaben ihnen zu essen. Ich kannte Liam durch Yuval. Wir sahen uns gegenseitig an und fragten: ‚Was machst du hier?‘ Die Situation war absurd.“

Bis zur letzten Minute quälten die Hamas-Terroristen die Gefangenen psychologisch, indem sie ihnen sagten, Israel wolle sie nicht, während sie auf die Bestätigung warteten, die erst um 21 Uhr kam.

„Sie steckten alle 11 von uns in einen großen Lieferwagen und fuhren zu Vertretern des Roten Kreuzes. Sie holten uns aus dem Lieferwagen und lieferten uns paarweise aus. Es müssen 200 bewaffnete, maskierte Terroristen um uns herum gewesen sein.”

„Wir wurden dann zum Rafah-Grenzübergang zwischen Gaza und Ägypten gebracht, wo wir die ersten Israelis trafen, die keine Geiseln waren, und wir wussten endlich, dass es gut gehen würde. Sie brachten uns zum israelischen Grenzübergang Kerem Shalom und dann zum IDF-Stützpunkt Hatzerim.“

„Ich hatte keine Ahnung, was mit Yuval und ihrer Familie geschehen war. Ich fragte eine der Soldatinnen im Bus von Kerem Shalom nach Hatzerim, ob sie es wisse, und sie sagte, sie seien am Leben und wohlauf. Ich fing an zu weinen wie ein Dreijähriger, denn ich war mir sicher gewesen, sie seien tot.“

Auf dem Stützpunkt Hatzerim wurde Engel mit seinen Eltern wiedervereint. Anschließend brachte man ihn in das Schneider Children’s Medical Center, wo er Yuval zum ersten Mal seit dem 7. Oktober wiedersah. Das Video ihres Wiedersehens ging viral.

„Plötzlich komme ich zurück. Ich kehre nach Hause zurück und stelle fest, dass sie noch lebt, und ich sehe sie. So viele lebensverändernde Ereignisse passierten in weniger als 24 Stunden. Es war verrückt“, erklärte Engel.

Am 97. Tag veröffentlichte die Hamas ein Video von Yossi Sharabis Leiche. Kurz darauf informierten Soldaten der israelischen Streitkräfte die Familie, er sei im Gazastreifen getötet worden.

„Es war sehr tragisch für mich, weil ich zwei Monate lang mit ihm zusammen war“, sagte Engel. „Wir wurden im selben Raum festgehalten. Ich wusste, dass es ihm gut ging; ich wusste, dass er wohlauf war. Aber die Zeit dort spielte eine Rolle. Mit der Zeit sterben die Geiseln, und wir wollen nicht, dass sie in Särgen zurückkehren. Wir wollen sie lebendig.“

Die Hamas hält immer noch 101 Geiseln fest. Unter den Toten ist auch Yossi Sharabi. Sein Bruder Eli, der Onkel von Yuval, der ebenfalls in Gaza gefangen gehalten wird, ist vermutlich am Leben.

„Körperlich geht es mir gut“, sagte Engel. „Emotional kann ich nichts für mich tun, denn die Tatsache, dass in Gaza immer noch Geiseln festgehalten werden, verhindert, dass ich mich erholen kann. Wenn ich noch eine Geisel wäre, würde ich wollen, dass jeder, der zurückkehrt, alles tut, um mir zu helfen. Traditionell klopfen die IDF an die Tür einer Familie, um mitzuteilen, dass ein geliebter Mensch verschwunden ist. Dies ist fast die einzige Gelegenheit, die Israel jemals hatte, an die Türen dieser Menschen zu klopfen und ihnen zu sagen, dass ihre Angehörigen zurückgekehrt sind.“

An dem Tag, an dem er mit JNS sprach, wollte Engel nach Los Angeles reisen, um den Start der Virtual-Reality-Initiative „Be the Witness“ zu feiern, die Teil des Projekts „Survived to Tell“ ist. Dort werden er und Nimrod Palmach, CEO von Israel-is, das mit dem Produzenten Stephen D. Smith an der Initiative beteiligt ist, Universitäten, Gemeinden und Synagogen besuchen und sich mit führenden Vertretern von Organisationen und Social-Media-Akteuren treffen.

„Wir wollen die Herzen und Köpfe der Menschen berühren und ihnen das Wesen Israels näherbringen, während wir sie mit den Gräueltaten des 7. Oktobers konfrontieren“, sagte Palmach am Sonntag gegenüber JNS. „Ich denke, die Reinheit von Ofir als junges Kind, das entführt wurde und seinen 18. Geburtstag in der Dunkelheit des Gazastreifens inmitten des Bösen feierte, ist sehr beeindruckend, besonders in Kombination mit der VR-Erfahrung.“

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Patrick Callahan

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