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„Die einzige Statistik, die zählt, ist die Zahl toter Terroristen“

Israel ist einer fast unmöglichen Situation. Auf der einen Seite will Israel um jeden Preis alle Geiseln, die sich in den Händen der barbarischen Terroristen im Gazastreifen befinden, befreien, doch andererseits will Israel das Hamasregime im Gazastreifen ein für alle Male vernichten. Das sind zwei entgegengesetzte Ziele, die gleichzeitig nur sehr schwer erfüllt werden können.

Kundgebung zur Unterstützung der noch immer von der Hamas festgehaltenen Geiseln vor dem "Platz der Geiseln" in der Nähe des Kunstmuseums von Tel Aviv am 25. November 2023 in Tel Aviv, Israel. Foto von Gili Yaari /FLASH90

Das Versagen der israelischen Staats- und Sicherheitsführung war am 7. Oktober so groß, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nicht einmal offizielle Bilder mit den freigelassenen Geiseln für die Medien macht, wie er dies bei der Befreiung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2011 machte. Diesmal wurden gesamte Familien entführt, Zivilisten, nicht nur Soldaten, was ist da zu fotografieren? Nicht nur das, um israelische Babys, Kinder, Mütter und Frauen aus der Gefangenschaft zu befreien, muss Israel mit seinem Erzfeind im Gazastreifen verhandeln. Das macht Israel mit katarischen und ägyptischen Vermittlern. Ein Feind, dem Israel die Hölle auf Erden verheißen hat – den Tod. Darauf darf Israel nicht verzichten und ich kenne keinen im Land, der Hamas nicht vernichten will. Nur ganz wenige, darunter Freunde von mir.  

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater und enge Freund von Benjamin Netanjahu, Meir Ben-Schabbat, sagte vor wenigen Tagen in einem Gespräch, die Regierung hätte eine enorme Verpflichtung, jede mögliche Geisel zu befreien, aber verstehe andererseits auch die Risiken einer Kampfpause. In Israel herrscht das Gefühl, dass Israels Regierung von seinem Erzfeind an die Nase herumgeführt wird und dass sich die mehrtägige Waffenruhe für den Geiseldeal ständig verschieben und die Wiederaufnahme des Krieges verhindern wird.

„Das unmittelbare Ziel der Hamas ist es, den Krieg mit Israel im Rahmen der stufenmäßigen Geiselaustausche zu stoppen. Wie erwartet, hat die Hamas mithilfe von Katar, dessen Hauptinteresse darin besteht, sein Überleben zu sichern, die Versuchung geweckt und begonnen, die Geiseln zu benutzen, um ihre strategischen Ziele gegen Israel zu erringen“, unterstrich der religiöse Jude Meir Ben-Schabbat in seinem Kommentar in Globes. „Ich beneide die Minister und Leiter der Sicherheitsdienste nicht um ihre Entscheidungen, Babys und ihre Mütter im Austausch für die Freilassung von Terroristen und die Unterbrechung der Kämpfe im Gazastreifen für einige Tage freizulassen. Einerseits die enorme Verpflichtung, möglichst alle freizulassen, und das Verständnis, dass jede Verzögerung für sie verhängnisvoll sein könnte, andererseits der hohe Preis der Freilassung, der unsere Soldaten in Gefahr bringt.“

Hamas- und Dschihad-Mitglieder bei der Übergabe von israelischen Geiseln an das Rote Kreuz in Rafah im südlichen Gazastreifen, 28. November 2023. Foto von Flash90

Alle verstehen, dass die Waffenruhe der Hamas ermöglichen wird, die Lage neu einzuschätzen, sich neu zu organisieren, Schwachstellen auf israelischer Seite zu erkennen, sich zu schützen, Fallen zu stellen und zuzuschlagen. Der Treibstoff, der in den Gazastreifen gebracht wird, wird ihr ebenfalls sehr helfen. Die Hamas wird die nächste Phase der Kämpfe aus einer wesentlich besseren Position heraus beginnen, als sie es derzeit ist. Auch Ben-Schabbat sagt, was alle im Volk verstehen: „Israel darf den Krieg im Gazastreifen so oder so nicht beenden, ohne die Hamas von der Macht zu stürzen und ihre Kapazitäten zu zerstören. Die schwierigen Ausgangsbedingungen, unter denen wir den Krieg begonnen haben, lassen uns keine andere Wahl. Wenn wir das nicht schaffen, wird das Folgen für das strategische Gleichgewicht der Abschreckung auch gegenüber anderen Feinden haben, und zwar in einer Weise, die uns einer existenziellen Bedrohung aussetzen kann.“

Ben-Schabbat, der derzeit Leiter des Misgav-Instituts für nationale Sicherheit und zionistische Strategie in Jerusalem ist, veröffentlichte einige Tage nach den Massakern im Süden einen Meinungsartikel, in dem er erklärte: „Die einzige Statistik, die zählt, ist die Zahl der toten Terroristen. Die Umstände und Israels Situation verlangen, dass wir uns von dem chirurgischen Konzept verabschieden müssen, wie es in den letzten Jahren im Gazastreifen üblich war. Gezielte Angriffe auf hochrangige Hamas-Funktionäre reichen nicht aus. Wir brauchen einen massiven, breiten und tieferen Schaden auf der Seite der Hamas.“ Der zweite Schwerpunkt liegt in der Notwendigkeit, der Hamas einen nichtrückgängigen Schaden zuzufügen. Aus Sicht der Hamas ist der Schaden an ihrer militärischen und staatlichen Infrastruktur zwar schmerzhaft, aber reversibel. Für sie kann alles wiederhergestellt werden, auch wenn dies Zeit und Ressourcen erfordert. „Das Einzige, was nicht wiederhergestellt werden kann, ist die Tötung ihrer Kommandeure und Kämpfer. Um Hamas zu besiegen, reicht es nicht aus, sie ihrer terroristischen Fähigkeiten zu berauben, sondern es ist notwendig, ihre wichtigste Infrastruktur schwer zu beschädigen: ihre Menschen.“

Der ehemalige Leiter des Nationalen Sicherheitsrats Meir Ben-Shabbat nimmt am 21. November 2022 an der INSS-Konferenz in Tel Aviv teil. Foto von Avshalom Sassoni/Flash90

Die Hamas muss verstehen, was einmal war, ist heute nicht mehr der Fall. Wenn Israel früher eine symmetrische Vergeltungstaktik gegenüber Terror- und Raketenangriffen ausübte, so darf das heute nicht mehr der Fall sein. Israels taktischen Erfolge gegenüber der Hamas im Gazastreifen hat seine strategischen Auswirkungen an anderen Fronten. „Sollte die Hisbollah auf den Gedanken kommen, abzuwarten, bis die IDF im Gazastreifen erschöpft ist, um dann einen militärischen Angriff auf Israel zu starten, so muss sie jetzt davon ausgehen, dass sie auf eine einsatzbereite, gut ausgebildete und geübte Armee trifft, die viel stärker ist als vor dem Gaza-Krieg.“ In der israelischen Umgangssprache heißt das, Israel muss durchdrehen und seinen Feinden klarmachen, dass sich keiner mehr mit Juden und Israelis im Nahen Osten anlegen darf.

Aber das wird sich wahrscheinlich länger herausziehen als man zurzeit wahrnehmen will. Israels Regierung hat laut Ben-Schabbat und anderen Sicherheitsexperten eine Absicht, das Hamasregime tödlich zu schädigen. Es geht nicht nur darum, einen Preis zu fordern oder lediglich abzuschrecken. Dafür braucht Israel Zeit und deshalb muss Israel gerade jetzt in dieser Zeit aufpassen, in der Feuerpause keine Fehler zu machen. Der kleine Hitler und Hamas in Khan Yunis haben nur ein Ziel: zu überleben, nach Möglichkeit auch aus Tunnelschächten heraus anzugreifen, zuzuschlagen und zu fliehen oder unseren Soldaten Fallen zu stellen. „Hamas strebt eine direkte Konfrontation mit unseren Soldaten an. Zu diesem Zweck hat sie ein ausgedehntes Tunnelnetz vorbereitet und wird jede Person, jede Einrichtung oder jedes Mittel im Gazastreifen nutzen, Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, humanitäre Konvois und alles, was sie nutzen kann. Dies ist eine große Herausforderung für Israel und unseren Kämpfern vor Ort“, unterstrich Ben-Schabbat.

Israelis halten Fotos der Familie Bibas und orangefarbene Luftballons während einer Pressekonferenz zur Forderung der Freilassung des 10 Monate alten Kfir, des 4-jährigen Ariel und ihrer Eltern Shiri und Yarden Bibas auf dem „Geisel-Platz“ in Tel Aviv, 28. November 2023. Kfir und Ariel sind die einzigen Kinder, die nicht aus der Gefangenschaft entlassen wurden.  Foto: Miriam Alster/Flash90

Wie für alle im Land, so wird Israel auch für Ben-Schabbat nach dem 7. Oktober nicht mehr dasselbe Land sein wie vorher. „Die Grundannahmen, Strukturen und Konzepte in allen Bereichen werden sich ändern. Israel wird eine überarbeitete Vision brauchen, die die große Mehrheit der Bevölkerung anspricht und Linien für das Bild des Staates und sein Verhalten in den kommenden Jahrzehnten aufzeigt. In der Dunkelheit des 7. Oktober haben wir einige Funken von Heldentum, Führung, Opferung und gegenseitiger Unterstützung gesehen.“

Die Gesellschaft in Israel muss einen Restart machen, den Staat neu aufbauen, eine Einheit, eine Solidarität und eine Annäherung zwischen den Teilen innerhalb der Gesellschaft kreieren. Der Feind wollte, dass wir auseinanderfallen, aber stattdessen muss er uns vereint und mobilisiert kennenlernen. Ein Volk, in dem sich die Menschen gegenseitig helfen, opferbereit sind, voller Vertrauen und entschlossen, gegen unseren Erzfeind – die Amalekiter – zu gewinnen. Diese Eigenschaften sind nicht neu. Sie sind uns seit jeher in die Wiege gelegt worden. Der Krieg hat nur die dünne Schicht entfernt, die sie bedeckte, und uns an unseren wahren Charakter erinnert – ein Volk der Ewigkeit, ausgewählt von Gott.

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Patrick Callahan

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3 Kommentare zu “„Die einzige Statistik, die zählt, ist die Zahl toter Terroristen“”

  1. Havershalom sagt:

    Gegen jede Wahrscheinlichkeit.
    Es wird geschehen !

  2. Andrew Manner sagt:

    …“
    Die Gesellschaft in Israel muss einen Restart machen, den Staat neu aufbauen, eine Einheit, eine Solidarität und eine Annäherung zwischen den Teilen innerhalb der Gesellschaft kreieren. …Ein Volk, in dem sich die Menschen gegenseitig helfen, opferbereit sind, voller Vertrauen und entschlossen, gegen unseren Erzfeind – die Philister bzw. Palästinenser– zu gewinnen.
    …“
    Richtig! Durch Einigkeit wird Israel siegen!
    Wir auf der anderen Seite im sog. christlichen Abendland in der EU sind uneinig, Ausnahme ist vllt. die Unterstützung der Ukraine, aber hier wird es auch bald bröckeln. Deshalb sind wir in Europa schwach, wo wir eigentlich von der Wirtschaftskraft und Technologien stark sein könnten…
    Wenn die Länder Europas eine wirkliche Einheit bilden würden gegen die Kakistokraten aus RU und CN!

  3. j-glaesser sagt:

    Tja – wenn die “WELT“ so nach Gaza schauen würde, wie nach Syrien, Jemen, Somalia, Ruanda, Eritrea, Sudan, …. schaut – dann könnte man vielleicht für “Ruhe und Ordnung“ sorgen.
    Aber an den Juden (Israel) setzt eben die “WELT“ andere Maßstäbe an.
    Wie sagten Scholz und Steinmeier vor kurzem so schön – in Bezug Gaza / Israel: Jedes Menschenleben ist gleich viel Wert.

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